Nürnberg – Mehr Chancen als Risiken sehen die exportorientierten Unternehmen Mittelfrankens in der EU-Osterweiterung. Dies ist ein Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage der IHK – ein Jahr nach der größten Erweiterungsrunde in der Geschichte der Europäischen Union.
Genau die Hälfte der 204 an der Umfrage teilnehmenden Außenhandels-Unternehmen sieht positive Effekte durch die Erweiterung. 37 Prozent erkennen weder spezielle Vorteile noch Gefahren. Nur 13 Prozent der Unternehmer befürchten durch die EU-Osterweiterung eher negative Auswirkungen auf ihre Geschäftsentwicklung, insbesondere hervorgerufen durch den stärkeren Wettbewerbs- und Preisdruck in Deutschland.
Keine wesentlichen Handelshemmnisse mehr
Acht von zehn Unternehmern geben an, schon vor der EU-Erweiterung Geschäftsbeziehungen zu den damaligen Beitrittsländern unterhalten zu haben. Die wichtigsten Vorteile der Osterweiterung sehen diese Unternehmen im Wegfall der verbliebenen Handelsbeschränkungen und in der Senkung der so genannten Transaktionskosten (z.B. Kosten durch Wartezeiten an den Grenzen oder durch die innerbetriebliche Bearbeitung von Zolldokumenten). Einheitliche Normen und Standards sowie erhöhte Rechtssicherheit werden von einem Drittel der Unternehmer als positive Folgen der Erweiterung angeführt. Aus Sicht der meisten Exporteure ist die EU-Erweiterung eine "runde" Sache geworden: Mehr als drei Viertel der Unternehmen stellen fest, keine wesentlichen Hemmnisse bei ihren Geschäftsbeziehungen mehr anzutreffen.
Im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion um die EU-Osterweiterung steht das Thema "Verlagerung von Betriebsstätten". Die IHK-Umfrage lässt allerdings keinen "Verlagerungs-Boom" aus Mittelfranken in die Beitrittsländer erkennen. Lediglich jeder Zehnte hat dort eine Fertigung aufgebaut bzw. plant seit dem 1. Mai 2004 dort eine Investition oder gar Produktion.
Arbeitskräfte
Die mit der Erweiterung eingetretene (Arbeitnehmer-)Freizügigkeit spielt für die mittelfränkischen Unternehmen offenbar keine große Rolle. So sieht mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer derzeit keinen Grund, Arbeitnehmer aus den neuen EU-Mitgliedstaaten einzustellen. 30 Prozent würden dagegen gerne das länderspezifische Know-how (z.B. Sprache) solcher Mitarbeiter auch am heimischen Standort nutzen. Weitere 20 Prozent würden gerne Osteuropäer beschäftigen, um ihre Lohnkosten am Standort zu senken.
Von den 2 500 mittelfränkischen Außenhandelsunternehmen sind weit über 1 000 in Mittel- und Osteuropa aktiv. Das sind rund 200 mehr als zu Beginn der 90er Jahre, der Zuwachs liegt damit im Vergleich der Weltregionen am höchsten. Mehr als verdoppelt hat sich innerhalb von zehn Jahren das dauerhafte Engagement in den Beitrittsländern: 300 Niederlassungen, Tochtergesellschaften und andere langfristige Formen der Präsenz unterhalten mittelfränkische Unternehmen dort bereits.
Die IHK betrachtet die Online-Umfrage als Momentaufnahme zur Osterweiterung. Die Erhebung unterstreiche aber, dass Mittelfranken das Prädikat "Gateway to Eastern Europe" angesichts enger Verflechtungen mit Mittelost- und -osteuropa zurecht trage.
"Südosteuropa-Forum" am 21. Juli 2005
Die IHK hat in den letzten zehn Jahren über 100 Osteuropa-Veranstaltungen organisiert, um Unternehmen bei Geschäften zu unterstützen. In Kooperation mit der Bayerischen Staatsregierung wird am Donnerstag, 21. Juli 2005 in Nürnberg das "Südosteuropa-Forum Bayern 2005" unter dem Motto "Stabilität baut Brücken" stattfinden.

