Konjunkturklima

Der frostige Wirtschaftswinter bleibt bislang aus

Mittelfränkische Unternehmen gehen zufrieden ins Jahr 2012


Datum
30.01.2012

Bereich
Standortpolitik und Unternehmensförderung

 

Nürnberg – Unbeeindruckt von Euro-Krise und labiler Weltkonjunktur zeigt sich die mittelfränkische Wirtschaft zum Jahresbeginn 2012 in guter Verfassung. Der IHK-Konjunkturklimaindex ist im Vergleich zum Herbst 2011 mit 2,4 Punkten leicht angestiegen und erreicht aktuell einen Stand von 125,6. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich trotz gedämpfter Zuversicht im vergangenen Herbst sogar erneut verbessert: Über der Hälfte der befragten Unternehmen melden gute Geschäfte, nur 5 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage. Was die Zukunftsaussichten angeht verfestigt sich der Gedanke, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten langsamer wachsen wird. Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Unternehmen haben sich gegenüber dem Herbst kaum verändert und  sind nach wie vor positiv, aber insgesamt verhalten.

Trotz positiver Lagebeurteilung und Zuversicht haben die Unternehmen die Konjunkturrisiken fest im Blick: Die Entwicklung der Inlandsnachfrage, die Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden im Hinblick auf die zukünftige Wirtschaftsleistung als Problemfelder am stärksten wahrgenommen. Allerdings bewahren volle Auftragsbücher und eine weiterhin stabile Auslandsnachfrage vor allzu großer Zurückhaltung bei den weiteren Planungen. So sind die Investitions- und Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Wirtschaft weiterhin insgesamt positiv. Damit wird sich der Arbeitsmarkt trotz nachlassender Dynamik auch 2012 gut entwickeln und den Fachkräftemangel noch stärker ins Zentrum des Interesses rücken.

Wirtschaft meldet gute Geschäftslage

Überraschend gut beurteilt die mittelfränkische Wirtschaft die aktuelle Geschäftslage. Obwohl im vergangenen Herbst wenige an eine Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung geglaubt haben, melden die Unternehmen zu Jahresbeginn mit 53 Prozent mehrheitlich eine erneute Verbesserung der Geschäfte. Der Anteil von Unternehmen, die mit der Geschäftslage unzufrieden sind, ist um 2 Prozentpunkte auf 5 Prozent gesunken. Damit stieg der hohe Saldo gegenüber der Herbstbefragung nochmals um +7 Punkte auf +48 an. Die mittelfränkische Wirtschaft geht gesund auf die kommenden Herausforderungen zu.

Erwartungen zurückhaltend, aber positiv

Die Geschäftserwartungen haben sich im Vergleich zur letzten Befragung kaum verändert. Insgesamt bleiben die mittelfränkischen Unternehmen zuversichtlich und erwarten, dass sich die Konjunktur weiterhin positiv entwickeln wird. Zwei Drittel gehen von gleichbleibend guten Geschäften in den kommenden Monaten aus, jedes fünfte Unternehmen erwartet sogar eine Verbesserung, nur 14 Prozent melden schlechte Zukunftsaussichten. Der Saldo von +7 drückt positive, aber verhaltene Geschäftserwartungen seitens der mittelfränkischen Unternehmen aus.

IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2012 Ergebnisse 2004 bis 2012

Entwicklungen der Branchen

Anhaltend positiv beurteilt die mittelfränkische Industrie die aktuelle Geschäftslage. Beinahe 60 Prozent der befragten Industriebetriebe beurteilen die Situation nochmals besser als im vergangen Jahr, nur 4 Prozent melden zu Jahresbeginn eine Verschlechterung der Geschäfte. Steigerungen im Auftragsvolumen kommen etwas stärker aus dem Inland, als aus dem Ausland, und die Auslastung der Produktionskapazitäten ist insgesamt leicht angestiegen. Im Saldo erreicht die Beurteilung der Geschäftslage seitens der Industrie mit +55 einen Topwert. Verantwortlich hierfür ist insbesondere eine positive Entwicklung im Vorleistungsgütergewerbe und bei den Investitionsgütern. Anders sieht dies bei den Erwartungen an die kommenden Monate aus: Mehrheitlich erwarten die Industriebetriebe keine weiteren Verbesserungen, bei der Ge- und Verbrauchsgüterindustrie überwiegt sogar der Anteil derjenigen, die mit einer Abschwächung rechnen.   

Die gute Geschäftslage der Bauwirtschaft hat sich im Saldo gegenüber Herbst 2011 zwar um 5 Punkte verschlechtert, bleibt mit +50 aber auf hohem Niveau. Von einer erneuten Verbesserung der Geschäftslage berichten mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen aus dem Baugewerbe. Dies ist im Hinblick auf die Saisonabhängigkeit ein bemerkenswertes Ergebnis. Verantwortlich hierfür sind nicht allein die milden Temperaturen. Vielmehr profitiert die Bauwirtschaft, insbesondere der Wohnungsbau, von dem Bedürfnis der Investoren nach werterhaltenden Kapitalanlagen. Auch die Erwartungen der Bauwirtschaft haben sich gegenüber dem Herbst zwar etwas verbessert, sie sind aber im Saldo noch immer pessimistisch. Gerade mal 9 Prozent gehen davon aus, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten verbessern werden.

Der Handel gibt sich zu Jahresbeginn beinahe unverändert positiv. 46 Prozent der Handelsunternehmen melden gute Geschäfte, 9 Prozent beurteilen die Lage schlechter als zuletzt. Auch die Aussichten für die kommenden Monate haben sich aufgehellt: Die Geschäftsperspektiven sind bei jedem fünften Unternehmen äußerst positiv, nur jedes zehnte Handelsunternehmen rechnet mit schlechteren Umsätzen. Die Mehrheit, nämlich zwei Drittel, gehen von unverändert guten Bedingungen aus.

Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen hat sich die ohnehin gute Geschäftslage noch einmal deutlich verbessert. Jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur mehr 2 Prozent melden Gegenteiliges. Der Dienstleistungssektor kann sich um 12 Punkte gegenüber der vergangenen Befragung verbessern und startet mit einem Saldo von +50 ins neue Jahr. Für die kommenden Monate rechnet jedes vierte Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen mit weiteren Verbesserungen, nur jedes zehnte glaubt an eine Verschlechterung. Der größte Optimismus ist aktuell bei den mittelfränkischen IuK-Unternehmen vorzufinden, Stabilisierung statt Steigerung erwartet das Transportgewerbe.

Um 13 Punkte hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den verbrauchernahen Dienstleistungen zu Jahresbeginn verbessert, der Saldo aus positiven und negativen Antworten ist auf einen Wert von +48 gestiegen. Damit zeigt sich die Branche so zufrieden wie selten zuvor. Besonders das Vermittlungs- und Versicherungswesen hat sich zum Jahresende hin gut entwickelt, hier geben zwei von drei Unternehmen Umsatzsteigerungen an. Und auch bei der zuletzt unzufriedenen Reisebranche überwiegen die positiven Äußerungen zur aktuellen Geschäftslage. Die Zukunftsaussichten sind bei den verbrauchernahen Dienstleistungen gedämpft, große Steigerungen werden mittelfristig nicht erwartet.

Investitionsbereitschaft leicht rückläufig, Beschäftigungspläne stabil

Die Investitionsbereitschaft der mittelfränkischen Wirtschaft ist um 6 Punkte auf einen Saldo von +12 gesunken. Damit ist die Neigung der Unternehmen, in den kommenden Monaten zu investieren, weiterhin positiv. Jedes vierte Unternehmen beabsichtigt, die Investitionsausgaben in 2012 zu erhöhen. Die Hälfte der Befragten plant die Investitionen weiterhin auszuweiten. Die unsicheren Konjunkturaussichten haben die Investitionsbereitschaft der mittelfränkischen Wirtschaft allerdings bereits nach unten korrigiert.

Mit einem Saldo von +7 Punkten bleibt die Einstellungsbereitschaft der mittelfränkischen Wirtschaft gegeben, die Personalplanung der Betriebe ist weiterhin überwiegend positiv. Gegenüber der letzten Befragung verringert sich der Saldo um -2 Punkte, der Anteil der Unternehmen, die einen Personalabbau erwägen, bleibt mit 7 Prozent auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Trotz Wachstumsverlangsamung kann in Mittelfranken auch für 2012 von einem stabilen Arbeitsmarkt ausgegangen werden.

Ausblick

Nach zwei Jahren mit starker Wirtschaftsdynamik wird im Laufe des Jahres eine deutliche Verlangsamung des Wachstums eintreten. Der große Aufschwung ist vorbei, die Weltwirtschaft verliert an Fahrt und die Risiken im Euro-Raum sind groß. Diese Entwicklungen werden auch an den deutschen Unternehmen und der mittelfränkischen Unternehmen nicht spurlos vorübergehen. Für eine rasch eintretende Rezession sprechen die Ergebnisse der aktuellen Umfragen der IHKs jedoch nicht. Insgesamt überwiegt bei den Unternehmen ein positives Geschäftsklima. Grund für den Optimismus: Die Wirtschaft hat die expansive Phase der vergangenen Monate genutzt, um Produkte zu verbessern, neue Märkte in den schnell wachsenden Schwellenländern zu erschließen und Gewinne zur Konsolidierung der Finanzen einzusetzen. Sie stehen gesund und kräftig da. Die Binnennachfrage der Unternehmen wie auch der Konsumenten ist erstaunlich robust. Es bleibt nun abzuwarten, inwiefern dies ausreicht, um einem Abschwung der Weltwirtschaft die Stirn bieten zu können.

Lage und Erwartungen 2004 bis 2012


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