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Unternehmerschaft gegen Bargeld-Limit

Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Grundsatzfragen Wirtschafts- und Verkehrspolitik, Handel und Dienstleistungen, Finanzwirtschaft Tel: +49 911 1335-383

IHK-Umfrage

Datum: 19.02.2016

Nürnberg – In der Diskussion um die Einführung eines Limits für Bargeldzahlungen in Höhe von 5 000 Euro hat die Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken die 615 Unternehmer befragt, die in IHK-Gremien und -Ausschüssen ehrenamtlich tätig sind. Drei Viertel der Antwortenden lehnen ein Barzahlungslimit ab.

Zugleich sagen nahezu 90 Prozent, dass ihr Unternehmen davon gar nicht oder allenfalls gering betroffen sei, weil schon heute fast alle Zahlungen in den diskutierten Größenordnungen unbar erfolgen. Mit 220 Antworten innerhalb der einwöchigen Beantwortungsfrist lag die Rücklaufquote bei 36 Prozent, jeder zweite davon nutzte die Umfrage auch zu einem persönlichen Kommentar.

Etliche EU-Mitgliedsstaaten haben bereits Meldepflichten für Bargeldtransaktionen ab bestimmten Mindestbeträgen oder sogar gesetzliche Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen: In Belgien und Italien liegen die Bargeldlimits bei 3.000 Euro; die Beschränkungen reichen hinab bis 1 000 Euro in Portugal und Frankreich.

Das ginge fast allen befragten mittelfränkischen Unternehmern zu weit: Selbst innerhalb der Befürworter eines Barzahlungslimits dominiert die Gruppe derer, die die diskutierten 5.000 Euro für ausreichend halten, um die vorrangigen Ziele – Bekämpfung von Terrorismus ebenso wie von Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung – zu erreichen. Lediglich 6,4 Prozent wollen mit 3 000 oder gar nur 1 000 Euro noch niedrigere Limits.

Wie stark wären die mittelfränkischen Unternehmen überhaupt von einem Limit für Bargeldzahlungen betroffen? Immerhin 10,5 Prozent der Antwortenden befürchten eine erhebliche eigene Betroffenheit, da ein Teil ihrer Kunden auch bei vierstelligen Rechnungsbeträgen bar zahlt. Neben dem Automobil- und Baumaschinenhandel verweisen auch Vertreter der Gastronomie, des Transportgewerbes sowie des Maschinenbaus darauf, dass in ihren Branchen – speziell im grenzüberschreitenden Geschäft – Barzahlungen durchaus gebräuchlich seien. Auch in der Kreditwirtschaft seien mit dem Bargeldverkehr Arbeitsplätze verbunden.

Doch auch unter den Vertretern des IHK-Ehrenamts, die sich selbst nur gering (32,9 Prozent) oder gar nicht (56,6 Prozent) betroffen sehen, stößt das Barzahlungslimit auf große Skepsis. Ebenso wie Daten- und Verbraucherschützer sowie Handelsverbände warnen sie vor dem „gläsernen Verbraucher“ und vor Einschränkungen der Konsumentensouveränität bei der Wahl des Zahlungsmittels.

 
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