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Mittelfränkische Wirtschaft startet mit Schwung ins Jahr

Mittelfränkische Wirtschaft startet mit Schwung ins Jahr

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Dr. Maike Müller-Klier

Dr. Maike Müller-Klier

Leiterin Referat Volkswirtschaft, Grundsatzfragen Konjunktur, Fachkräftesicherung, Wirtschaftsstatistik Tel: +49 911 1335-376

Trotz politischer Unsicherheit: Plus bei Investitionen und Beschäftigung

Die mittelfränkische Konjunktur ist nicht zu bremsen. Auch aktuelle weltpolitische Entwicklungen wie der Regierungswechsel in den USA, der Brexit und Einschränkungen des Freihandels beeinträchtigen die gute Stimmung in der mittelfränkischen Wirtschaft bislang nicht. Im Gegenteil: Die Aufwärtsdynamik setzt sich fort, der IHK-Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Herbst 2016 um weitere 1,4 Punkte auf 127,8 an.

Zum Anstieg des Konjunkturklimas in Mittelfranken haben sowohl die hervorragende aktuelle Geschäftslage als auch die optimistischen Erwartungen für die kommenden Monate beigetragen. Beide Werte stiegen im Saldo um einen Punkt gegenüber der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst an.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen bezeichnet die Geschäftslage derzeit als gut und weitere 40 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend. Diese positive Einschätzung gilt über alle Branchen. Auch die Aussichten für das Jahr 2017 bleiben in allen Wirtschaftszweigen gut: Rund ein Drittel der Unternehmen geht davon aus, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten verbessern, nur jeder achte Betrieb erwartet eine Verschlechterung. Das Inlands- und das Auslandsgeschäft werden gleichermaßen optimistisch gesehen, weshalb auch die Unternehmen weiter investieren und zusätzliches Personal einstellen wollen. Dabei wird es immer schwieriger, den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern zu decken. Inzwischen betrachtet mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als die größte Gefahr für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

 

Lage und Erwartungen Frühjahr 2017

Konjunkturklima nach Wirtschaftszweigen

Industrie: Die mittelfränkische Industrie befand sich im gesamten Jahresverlauf 2016 auf einem stabilen Wachstumskurs, der sich zum Jahresbeginn 2017 fortsetzt. Die Hälfte der heimischen Industriebetriebe meldet eine Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem Herbst 2016, weitere 47 Prozent sind aktuell zufrieden und nur 3 Prozent äußern sich gegenteilig. Der Lagesaldo bleibt mit +47 Punkten auf dem Niveau der Vorbefragung und liegt damit um deutliche 8 Punkte über dem Vorjahreswert. Grund für die hohe Zufriedenheit ist nicht nur die gute Auftragslage im Inland. Die internationalen Märkte ziehen wieder deutlich an, über 40 Prozent registrieren eine Steigerung des Auftragsvolumens aus dem Ausland. Neben den anhaltend guten Geschäften der mittelfränkischen Industrie in Europa und Nordamerika hat sich insbesondere die Einschätzung des chinesischen Marktes sowie des Asien-Pazifik-Raumes deutlich verbessert. Die Erwartungen für die nächsten Monate sind ebenfalls optimistisch. Ein Drittel rechnet mit einer weiteren Verbesserung der jetzt schon guten Geschäftslage, nur jeder zwanzigste Betrieb erwartet das Gegenteil. Die Investitionsneigung hat sich trotz erwarteter zunehmender Kapazitätsauslastung im Vergleich zur Vorumfrage zwar verschlechtert, liegt aber mit einem Saldo von +28 deutliche acht Punkte über dem Vorjahreswert. Die Einstellungspläne der Industriebetriebe bleiben expansiv.

Bauwirtschaft: Der Boom der Bauwirtschaft hält weiterhin an: Trotz des Winters freuen sich 69 Prozent der mittelfränkischen Bauunternehmen über eine verbesserte Geschäftslage, nur 6 Prozent melden eine Verschlechterung – angesichts der Saisonabhängigkeit der Bauwirtschaft ein bemerkenswertes Ergebnis. Mit einem Saldo von +63 handelt es sich um die bislang beste Lageeinschätzung in einer Wintersaison überhaupt. Bei einem Drittel der Unternehmen ist der aktuelle Auftragsbestand größer als saisonüblich, 63 Prozent der Bauunternehmen melden Vollauslastung. Nach wie vor profitiert die Bauwirtschaft, insbesondere der Wohnungsbau, von den niedrigen Zinsen. Befragt nach den Auftraggebern kommen derzeit aus dem Wohnungsbau auch die größten Zuwächse der Branche, über die Hälfte der Betriebe meldet hier ein gestiegenes Volumen. Der Ausblick in die kommenden Monate ist saisonüblich positiv: Mit einem Saldo von +25 erwarten die Bauunternehmen für das nächste Halbjahr eine deutliche Ausweitung der Bautätigkeit. Zur Bewältigung ihrer Aufträge plant ein Viertel der Baubetriebe, die Zahl ihrer Beschäftigten zu erhöhen. Auch bei den Investitionsplänen gibt es Steigerungen gegenüber dem Vorjahresniveau. Das wirkt sich auf die Preisgestaltung aus, ein Drittel der Unternehmen plant, die Verkaufspreise anzuheben.

Handel: Der stark durch die Binnennachfrage geprägte Aufschwung hat den mittelfränkischen Handelsbetrieben im vergangenen Jahr eine gute Saison beschert. Nach Abschluss des Weihnachtsgeschäfts bewerten 45 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, weitere 39 Prozent sind zufrieden, 16 Prozent unzufrieden. Mit einem Saldo von +29 sehen die Händler ihre Geschäftslage als ebenso gut wie bei der Herbstumfrage 2016. Dabei bewerten die Einzelhändler (Saldo +9) die Geschäfte schlechter als der Großhandel (Saldo +68). Ähnliches gilt für die Erwartungen, auch hier überwiegt in der Branche mit einem Saldo von +8 die Zuversicht und auch hier zeigt sich der Großhandel (Saldo +14) gegenüber dem Einzelhandel (Saldo +6) besonders optimistisch. Die optimistischen Aussichten der Branche gründen sich auf erwartete Umsatzsteigerungen im Inland, ein Viertel der Handelsunternehmen hofft hier auf noch bessere Geschäfte. Beim Großhandel basiert der positive Ausblick darauf, dass rund 30 Prozent der Unternehmen zusätzliche Impulse aus dem Ausland erwarten. Für die kommenden Monate planen 84 Prozent der Händler Investitionen, die Personalplanungen sind leicht rückläufig (Saldo -2).

Unternehmensnahe Dienstleistungen: Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen hat sich die ohnehin gute Geschäftslage über die Wintermonate noch einmal deutlich verbessert. Jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur 6 Prozent gehen vom Gegenteil aus. Der Dienstleistungssektor kann sich um 5 Punkte gegenüber der vergangenen Befragung verbessern und startet mit einem Saldo von +46 ins neue Jahr. Besonders zufrieden sind derzeit die mittelfränkischen Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (Saldo +77). Für die kommenden Monate rechnen insgesamt 30 Prozent der Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen mit weiteren Verbesserungen, rund 16 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Damit fällt der Saldo der Erwartungen um 5 Punkte auf +14. Bemerkenswert: Während sich die Transportunternehmen in vergangenen Umfragen meist kritischer äußerten als die Gesamtbranche, blicken sie 2017 recht positiv in die Zukunft. Fast die Hälfte der Spediteure rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage. Besonders das Transportgewerbe und die IuK-Betriebe benötigen für ihre Geschäftsentwicklung zukünftig mehr Personal. Allerdings ist es für diese Branchen jetzt schon schwierig, Mitarbeiter zu gewinnen.

Verbrauchernahe Dienstleistungen: Um 6 Punkte verschlechtert hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den verbrauchernahen Dienstleistungen zu Jahresbeginn, der Saldo aus positiven und negativen Antworten ist auf einen Wert von +37 gesunken, liegt damit aber immer noch 4 Punkte über dem Vorjahreswert. Deutlich abgeschwächt gegenüber dem Vorjahr hat sich die Erwartung der verbrauchernahen Dienstleister: 14 Prozent rechnen mit rückläufigen Geschäften, jedes fünfte Unternehmen erwartet weitere Zuwächse. Im Saldo sinkt der Erwartungswert um 14 Punkte auf +7. Hierzu trägt besonders das Hotel- und Gaststättengewerbe bei, das mit dem Weihnachtsgeschäft eigentlich recht zufrieden war und von positiven Umsätzen berichtet, aber über steigende Arbeitskosten und zunehmende Regulierungen klagt. Der Dämpfer bei den verbrauchernahen Dienstleistern wirkt sich auch auf deren Personalplanung aus: Während sie im Herbst noch Einstellungen planten, liegt der Saldo zu Jahresbeginn mit -2 wieder im negativen Bereich. Dafür stehen Investitionen an, vor allem für Produktinnovationen.

Lage bleibt gut

Die bereits gute Lage der Unternehmen im Herbst 2016 hat sich zum Jahresbeginn nochmals verbessert. 91 Prozent berichten von einer verbesserten oder zufriedenstellenden Geschäftslage, nur etwa jedes zehnte Unternehmen ist unzufrieden. Der Saldo steigt geringfügig um einen Punkt auf +42. Diese positive Einschätzung korrespondiert mit der im Herbst geäußerten Erwartung, dass sich die mittelfränkische Wirtschaft konstant gut entwickeln werde. Die Auftragsvolumina und die Auslastung der Unternehmen haben sich im Vergleich zu den Vorumfragen positiv entwickelt.

Erwartungen weiterhin überdurchschnittlich

Beim Blick auf das Jahr 2017 gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass sich die gute Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtern könnte. Die Mehrheit der Betriebe geht davon aus, dass das aktuell gute Geschäftsniveau Bestand haben wird: 61 Prozent erwarten in den kommenden Monaten konstant gute Geschäfte, ein Drittel rechnet sogar mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage. Im Saldo steigt der Wert der Erwartungen um einen Punkt und hält damit sein solides und zuversichtliches Niveau von +15 Punkten. Eine Belebung prognostiziert die Wirtschaft insbesondere für den Export.

Betriebe wollen weiter mehr investieren

Die Unternehmen in Mittelfranken wollen auch in den kommenden Monaten mehr investieren – das Niveau hat sich gegenüber der Herbstumfrage um 6 Punkte nochmals deutlich verbessert. Rund ein Drittel der heimischen Betriebe hat die Absicht, die Investitionsausgaben in den kommenden Monaten zu erhöhen, die Hälfte möchte das Investitionsniveau beibehalten. Der Saldo steigt auf erfreuliche +25 Punkte. Dienstleister und Industrie sind die Branchen mit den stärksten Investitionsabsichten. Den größten Investitionsbedarf sehen die Unternehmen derzeit bei Ersatzbeschaffungen, Rationalisierung sowie Produkt- und Verfahrensinnovationen.

Beschäftigung stößt an Grenzen

Der Arbeitsmarkt hat sich im gesamten zurückliegenden Jahr positiv entwickelt, die Beschäftigung in Deutschland hat neue Rekordhöhen erreicht. Auch für 2017 erwartet die Mehrheit der mittelfränkischen Unternehmen einen Anstieg der Beschäftigung und will Personal einstellen. Ein Fünftel der Betriebe geht von einem steigenden Personalbedarf aus, 12 Prozent erwarten einen Rückgang. Der Saldo sinkt um -5 Punkte auf +6. Das liegt vor allem daran, dass es den Unternehmen immer schwerer fällt, passendes Personal zu finden. 53 Prozent der Unternehmen nannten diesen Aspekt als bedeutendes Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung – dies ist der höchste Wert, seit die IHK in ihrer Umfrage nach den Risiken für die Konjunktur fragt.

Ausblick

Mit einer Exportquote von 48 Prozent ist die mittelfränkische Wirtschaft stark international orientiert. Besonders wichtige Absatzmärkte wie die USA und das Vereinigte Königreich entwickeln sich derzeit problematisch. Die Konsequenzen der dortigen politischen Entwicklungen schlagen sich allerdings noch nicht in der vorliegenden Stimmungsmessung der mittelfränkischen Wirtschaft nieder. Die Frage, wie sich drohende protektionistische Maßnahmen dieser wichtigen Handelspartner auf unsere Wirtschaft auswirken, wird sich wohl erst im Jahresverlauf abschätzen lassen. Absehbar ist, dass die deutlich gestiegenen Preise für Öl und Rohstoffe in den kommenden Monaten zu einer Abschwächung der dynamischen Entwicklung beitragen dürften. Da verwundert es kaum, dass die Sorge vor höheren Rohstoff- und Energiepreisen von den Unternehmen ebenfalls als erhebliches Konjunkturrisiko genannt wird.

IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2017

 

DIHK: Deutschlandweite Auswertung der Konjunkturumfrage vom Jahresbeginn 2017

Exportschub trotz politischer Risiken. Der DIHK erhöht seine Wachstumsprognose. O-Töne von DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben und Jan IJspeert, Geschäftsführer (CEO) BAE Batterien GmbH

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