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IHK-Konjunkturklima Herbst 2016: Konjunkturboom in Mittelfranken hält an

Dr. Maike Müller-Klier

Dr. Maike Müller-Klier

Leiterin Referat Volkswirtschaft, Grundsatzfragen Konjunktur, Fachkräftesicherung, Wirtschaftsstatistik Tel: +49 911 1335-376

Geschäfte laufen gut, Aussichten bleiben positiv

Datum: 12.10.2016

Nürnberg – Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Mittelfranken setzt sich im Herbst fort. Mit einem Einbruch der Konjunktur ist nicht zu rechnen, denn optimistisch bleibt auch der Blick der Unternehmen in die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Konjunkturklima Herbst 2016 der IHK Nürnberg für Mittelfranken.

Mehr als 90 Prozent der heimischen Unternehmen sind mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden, fast die Hälfte meldet eine Verbesserung gegenüber dem soliden ersten Halbjahr 2016, nur acht Prozent sind unzufrieden. Zur guten Lagebeurteilung tragen alle Branchen bei. Der Saldo verharrt damit auf dem guten Niveau der Vorbefragung und erreicht +41 Punkte. Nach wie vor ist es die solide Binnenkonjunktur, die den Unternehmen gute Geschäfte beschert. Hinzu kommen die positiven Impulse aus dem Auslandsgeschäft, so eine weiteres Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage. Nordamerika und die Euro-Zone sind wachsende Absatzmärkte für die mittelfränkische Wirtschaft.

Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die gute Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtern wird. Das aktuell gute Geschäftsniveau wird Bestand haben, davon geht die Mehrheit der Betriebe aus: 66 Prozent von ihnen erwarten konstant gute Geschäfte in den kommenden Monaten, mit einer Verbesserung der Geschäftslage rechnet ein Viertel, nur jeder zehnte mit einer Eintrübung. Damit ergibt sich unter dem Strich bei den Erwartungen ein Saldo +14 Punkten.

Getragen wird der Aufschwung derzeit insbesondere von den mittelfränkischen Industriebetrieben, deren Geschäftslage sich gegenüber dem Frühjahr deutlich verbessert hat. Weiterhin sehr gute Geschäfte machen die Dienstleistungssektoren und die Bauwirtschaft. Die stabile Lohnentwicklung und die niedrigen Preissteigerungsraten lassen den privaten Konsum weiterhin expandieren. Aber auch die Konsumausgaben des Staates nehmen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration kräftig zu. Erfreulich: Aufgrund der guten Rahmenbedingungen wollen die Unternehmen mehrheitlich ihre Investitionsausgaben erhöhen. Ebenso positiv sehen die Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Wirtschaft aus: Die Mehrheit der Betriebe will in den kommenden Monaten Personal einstellen.

Konjunkturklima nach Wirtschaftszweigen

Industrie: Die mittelfränkische Industrie befand sich im gesamten Jahresverlauf auf einem stabilen Wachstumskurs, der aktuell nochmals deutlich an Schwung gewinnt. Über die Hälfte der heimischen Industriebetriebe meldet eine Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem Frühjahr, 40 Prozent sind aktuell zufrieden und nur sechs Prozent äußern sich gegenteilig. Insgesamt steigt der Lagesaldo gegenüber dem Frühjahr um neun Punkte auf +48 kräftig an. Besonders positiv äußern sich die Vorleistungsgüterhersteller, hier liegt der Lagesaldo bei +55 Punkten. Die Investitionsgüterindustrie ist offenbar noch in Warteposition, verspricht sich aber einen deutlichen Zuwachs in den kommenden Monaten. Die Geschäftserwartungen sind bei den Investitionsgüterherstellern mit +32 Punkten deutlich über dem Branchenschnitt, der für die Industriebetriebe bei positiven +22 Punkten liegt. Die Exportentwicklung war zuletzt recht positiv und verspricht auch in den kommenden Monaten spürbare Impulse für die mittelfränkische Wirtschaft. Fast 40 Prozent gehen von einem steigenden Auftragsvolumen aus dem Ausland aus. Besonders aus Nordamerika melden die mittelfränkischen Industriebetriebe spürbare Impulse. Sowohl die Investitionsneigung als auch die Beschäftigungspläne steigen deutlich.

Bauwirtschaft: Der gute Jahresverlauf für die mittelfränkische Bauwirtschaft setzt sich fort. 56 Prozent der Bauunternehmen berichten über eine Verbesserung der Geschäfte in den vergangenen Monaten, sechs Prozent verzeichnen Gegenteiliges. Der Saldo der Lagebeurteilung bleibt mit +50 Punkten auf dem guten Niveau der beiden Vorbefragungen. Besonders im Bereich des öffentlichen Baus verzeichneten die Baubetriebe zuletzt ein gestiegenes Auftragsvolumen. Etwas skeptischer ist der Blick nach vorne: Die Wintermonate stehen vor der Tür, saisonbedingt sinken die Erwartungen der Bauunternehmen. Dennoch: Die deutliche Mehrheit von 82 Prozent geht selbst im Winter von anhaltend guten Geschäften aus. Mit einem Saldo von +6 liegen die Erwartungen damit auf dem Niveau des Vorjahreswertes. Entsprechend sind die Planungen der Bauwirtschaft: Einstellungen sind vorerst nicht geplant, immerhin 78 Prozent der Baubetriebe möchten ihr Personal über die Wintermonate weiterbeschäftigen. Hintergrund: Der Fachkräftemangel im Baugewerbe lässt saisonale Freistellungen kaum mehr zu.

Handel: Den Rekordwert der Lagebeurteilung, der im Frühjahr gemessen wurde, erreichen die mittelfränkischen Handelsbetriebe im Herbst nicht wieder. Mit einem Saldo von +29 liegt die Lagebeurteilung aktuell 14 Punkte unter dem Wert der Vorbefragung, insgesamt aber auf dem guten Niveau des Vorjahres. Denn die geringe Sparneigung und die anhaltend gute Konsumlaune der Bundesbürger kommen nach wie vor bei den Händlern an. Über 40 Prozent der Betriebe melden erneut eine verbesserte Geschäftslage, 14 Prozent sind unzufrieden. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage rutscht der Saldo der Erwartungen allerdings auf -5 ab und erreicht damit erstmals seit dem Jahresbeginn 2015 wieder den negativen Bereich. Hintergrund: Lediglich die Handelsvertretungen sehen auch in den Wintermonaten überwiegend gute Geschäfte auf sich zukommen, bei Groß- und Einzelhandel mehrt sich die Skepsis. Aktuelle Problemlagen wie Terrorgefahr, Brexit oder Uneinigkeit in der EU werden von den Handelsbetrieben derzeit als besonders risikoreich bewertet. Trotz dieser Bedenken steigen die  Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Händler.

Unternehmensnahe Dienstleistungen: Die unternehmensnahen Dienstleister in Mittelfranken bleiben zufrieden. 47 Prozent der Betriebe melden eine verbesserte Geschäftslage, ebenso viele berichten von anhaltend guten Geschäften, nur 6 Prozent sind unzufrieden. Damit liegt der Saldo der Lageeinschätzung mit +41 fünf Punkte unter dem Wert der Vorbefragung (+46). Besonders positiv beurteilen die IT-Dienstleister die aktuelle Lage, hier berichten 70 Prozent von gestiegenen Geschäften und es gibt keinen Betrieb, der eine Verschlechterung verzeichnet. Angesichts der guten Entwicklung der anderen Wirtschaftsbranchen werden beratende und unternehmensbezogene Dienstleistungen insgesamt rege nachgefragt. Mit Zuversicht blicken die Unternehmen auch auf die kommenden zwölf Monate: Ein Drittel der mittelfränkischen Dienstleister rechnet mit einer Geschäftsbelebung und nur 14 Prozent mit einer Eintrübung. Die Dienstleister nutzen dieses gute wirtschaftliche Umfeld und schrauben ihre Investitionspläne und Beschäftigungspläne deutlich nach oben.

Verbrauchernahe Dienstleistungen: Die verbrauchernahen Dienstleistungen bewerten ihre Geschäftslage besser als im gesamten Jahresverlauf. Über die Hälfte der Unternehmen berichtet von einer Verbesserung der Geschäfte, eine Verschlechterung melden gerade einmal 9 Prozent der Betriebe. Damit steigt der Saldo um 4 Punkte auf einen aktuellen Wert von +44 an. Positive Meldungen kommen derzeit besonders von den mittelfränkischen Hotels und Gaststätten. Wie der Einzelhandel und das Baugewerbe profitiert die Branche von der hohen Ausgabenfreude der privaten Haushalte. Auch für die kommenden Monate erwartet die Branche gute Umsätze. Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt um 9 Punkte auf +21 Punkte an. Die Investitionsneigung geht zwar um 8 Punkte zurück, bleibt im Branchenvergleich mit +22 Punkten aber hoch. Die Dienstleister planen dabei überwiegend, ihre Angebote durch innovative Produkte und Konzepte attraktiver zu machen. Die Beschäftigungspläne der Branche steigen deutlich an. 

Investitionen

Die Investitionsabsichten der mittelfränkischen Unternehmen bleiben positiv: Ein Drittel der befragten Betriebe hat eine Ausweitung der Investitionsausgaben fest im Blick, 11 Prozent wollen weniger ausgeben und nur 12 Prozent planen keine Investitionen. Im Saldo steigt das Investitionsklima der mittelfränkischen Wirtschaft damit um 2 Punkte auf +19 Punkte. Die umfangreichsten Investitionspläne haben die Industriebetriebe, hier liegen die Salden bei +38. Den größten Investitionsbedarf sehen die Industrieunternehmen in Ersatzbeschaffungen sowie in Produkt- und Verfahrensinnovationen.

Beschäftigung

Ein Ende der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. 19 Prozent der Betriebe erwarten, dass ihr Personalbedarf in den kommenden Monaten steigen wird. Acht Prozent gehen von einem Rückgang der Beschäftigung aus. Der Saldo steigt damit um acht Punkte auf +11 Punkte an. Recht expansiv planen Industrie und Dienstleistungsbetriebe. Mit Blick auf den guten Arbeitsmarkt und die geringe Verfügbarkeit an Fachkräften könnte es hier schnell eng werden. Denn der Fachkräftemangel wird für die Betriebe zunehmend zum Konjunkturrisiko, über die Hälfte aller Befragten sieht darin eine Gefahr für die regionale Wirtschaft.

Ausblick

Wir können auf eine recht stabile wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren zurückblicken. Und es spricht einiges dafür, dass dies so bleibt: Die Geschäftslage der Betriebe wird weiterhin von einer starken Inlandsnachfrage getragen, die stabile Lohnentwicklung und die niedrigen Preissteigerungsraten lassen den privaten Konsum expandieren. Aber auch die Konsumausgaben des Staates nehmen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration kräftig zu. Gleichzeitig rechnet die Mehrheit der Unternehmen mit zusätzlichen Impulsen durch das Exportgeschäft. Aufgrund der guten Rahmenbedingungen wollen die Unternehmen ihre Investitionsausgaben erhöhen und Personal einstellen. Alles gute Voraussetzungen, doch die Unternehmen können auch die Risiken klar benennen: Der Fachkräftemangel wird für die Betriebe zunehmend zum Konjunkturrisiko. Über die Hälfte der mittelfränkischen Unternehmen sieht darin eine Gefahr für die Geschäftsentwicklung. Rund ein Drittel berichtet, derzeit offene Stellen nicht besetzen zu können. Neben dem Fachkräftemangel bereiten der regionalen Wirtschaft die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen Sorge, insbesondere die Bürokratie und die Krise der Europäischen Union.

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IHK Konjunkturklima – Herbst 2016

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