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IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2016: Konjunkturmotor läuft rund

Dr. Maike Müller-Klier

Dr. Maike Müller-Klier

Leiterin Referat Volkswirtschaft, Grundsatzfragen Konjunktur, Fachkräftesicherung, Wirtschaftsstatistik Tel: +49 911 1335-376

Mittelfränkische Unternehmen starten zuversichtlich ins Jahr 2016

Datum: 02.02.2016

Nürnberg – Der konjunkturelle Aufschwung in Mittelfranken setzt sich moderat fort. Die Geschäftslage und die Erwartungen der Wirtschaft an die kommenden Monate entwickeln sich zu Jahresbeginn positiv. Der IHK-Konjunkturklimaindex ist im Vergleich zum Herbst 2015 mit 2,9 Punkten leicht angestiegen und erreicht mit einem aktuellen Stand von 129,2 Punkten den höchsten Wert seit dem Frühjahr 2011.

Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich trotz gedämpfter Aussichten im vergangenen Herbst sogar verbessert: Vier von zehn Unternehmen melden eine Steigerung der Geschäfte, rund die Hälfte berichtet von einer konstant guten Geschäftslage und nur sieben Prozent sind unzufrieden. Die Geschäfte werden sich auch in den kommenden Monaten nicht verschlechtern. Die breite Mehrheit der Betriebe rechnet mit einem anhaltend guten Klima, ein Viertel erwartet sogar, dass sich die Wirtschaftstätigkeit weiter steigern wird. Impulse werden nach wie vor aus dem In- und Ausland erwartet.

Die Investitions- und Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Wirtschaft bleiben weiterhin positiv, gehen aber im Vergleich zu den Vorjahreswerten zurück. Denn trotz optimistischer Geschäftserwartungen sehen die Unternehmen deutlich gestiegene Risiken für die konjunkturelle Entwicklung. Insbesondere bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und beim Fachkräftemangel befürchten die mittelfränkischen Betriebe derzeit verstärkt, dass diese den Aufschwung bremsen könnten.

Die Beschäftigungsabsichten der heimischen Betriebe sind zu Jahresbeginn per Saldo positiv, aber zurückhaltend. Die gute wirtschaftliche Entwicklung der Region spiegelt sich in einer Arbeitslosenquote wieder, die in Teilen Mittelfrankens nahe der Vollbeschäftigung liegt. Die Einstufung des Fachkräftemangels als zweitgrößtes und steigendes Konjunkturrisiko spricht dafür, dass die Zurückhaltung bei den Beschäftigungsabsichten eher im Mangel an Fachkräften begründet ist, als an einem mangelnden Bedürfnis der heimischen Betriebe, neue Mitarbeiter einzustellen.

Geschäfte laufen weiterhin gut

Erfreulich gut beurteilt die mittelfränkische Wirtschaft die aktuelle Geschäftslage: Dies, obwohl die Betriebe zuletzt von eher rückläufigen Geschäften ausgegangen sind. Der Anteil von Unternehmen, die eine Verbesserung verzeichnen konnten, ist von 46 auf 48 Prozent angestiegen, eine Verschlechterung melden unverändert sieben Prozent der mittelfränkischen Betriebe. Damit klettert die Lagebeurteilung gegenüber der Herbstumfrage um zwei Punkte auf einen Saldo von +41. Die mittelfränkische Wirtschaft startet gesund ins neue Jahr.

Betriebe bleiben zuversichtlich

Von einer guten Geschäftslage gehen die mittelfränkischen Betriebe auch für die kommenden Monate aus. 71 Prozent der Unternehmen erwarten anhaltend gute Geschäfte, 24 Prozent sogar weitere Verbesserungen und nur fünf Prozent starten pessimistisch in das neue Jahr. Per Saldo steigen die Erwartungswerte der heimischen Wirtschaft um fünf Punkte auf +19 an. Besonders zuversichtlich zeigt sich zu Jahresbeginn die Industrie, was sich in Folge positiv auf andere Wirtschaftszweige auswirken dürfte.

Unternehmen wollen am Personalstamm festhalten, aber weniger investieren

Die Neigung der mittelfränkischen Unternehmen, in den kommenden Monaten zu investieren, ist aktuell deutlich abgeschwächt, bleibt per Saldo aber weiterhin positiv: Der Wert für die Investitionsbereitschaft sinkt um 10 Punkte auf einen Saldo von +10. Rund jedes vierte Unternehmen beabsichtigt, die Investitionsausgaben in 2016 zu erhöhen. Die Hälfte der Befragten plant, das Investitionsniveau aufrecht zu erhalten und rund 13 Prozent möchten die Investitionstätigkeit in den kommenden Monaten zurückfahren. Risiken hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen hemmen die Investitionsbereitschaft der mittelfränkischen Wirtschaft.

Mit einem Saldo von +5 zeigen sich die mittelfränkischen Betriebe weiterhin einstellungsbereit, die Personalplanung der Betriebe bleibt expansiv. Aber: Gegenüber der Herbstbefragung verringert sich der Saldo um drei Punkte. Interessant dabei ist: Der Anteil der Unternehmen, die einen Personalabbau erwägen, geht um 2 Prozent zurück – gleichzeitig verringert sich der Anteil an Betrieben, die Personal aufstocken möchten. Mit anderen Worten: Eine breite Mehrheit von 80 Prozent der mittelfränkischen Unternehmen möchte an seinem Mitarbeiterstamm festhalten.

Entwicklung der einzelnen Branchen

Anhaltend positiv beurteilt die mittelfränkische Industrie die aktuelle Geschäftslage. Fast die Hälfte der befragten Industriebetriebe beurteilen die Situation nochmals besser als im vergangen Jahr. Dagegen stehen neun Prozent, die zu Jahresbeginn eine Verschlechterung der Geschäfte melden. Steigerungen im Auftragsvolumen kommen gleichermaßen aus dem In- und Ausland. Besonders gut entwickelten sich zuletzt die Geschäfte innerhalb der Euro-Zone sowie auf den Märkten Nordamerikas. Auch mit den Umsätzen in China sind die Industrieunternehmen wieder zufriedener als im Herbst, hier meldet ein Drittel der Betriebe Umsatzzuwächse. Insgesamt ist der Auftragsbestand leicht gestiegen, die Auslastung der Produktionskapazitäten ist mit 85 Prozent unverändert hoch. Besonders positiv: Die Erwartungen des produzierenden Gewerbes steigen um deutliche 15 Punkte an, dabei erwartet die Industrie gleichermaßen Zuwächse aus dem In- und Ausland. Dennoch: Die Beschäftigungspläne beim Industriesektor gehen zurück – dies geht einher mit einer hohen Einstufung des Konjunkturrisikos Fachkräftemangel.

Die gute Geschäftslage der Bauwirtschaft hat sich gemäß den im Herbst 2015 geäußerten Erwartungen um 13 Punkte deutlich verschlechtert, bleibt mit +50 aber auf hohem Niveau. Von einer erneuten Verbesserung der Geschäftslage berichten mit 55 Prozent nach wie vor mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen aus dem Baugewerbe, nur fünf Prozent melden eine Verschlechterung. Dies ist im Hinblick auf die Saisonabhängigkeit der Bauwirtschaft ein bemerkenswertes Ergebnis. Verantwortlich hierfür sind nicht allein die milden Temperaturen. Nach wie vor profitiert die Bauwirtschaft, insbesondere der Wohnungsbau, von den niedrigen Zinsen. Zuwächse melden die Bauunternehmen aktuell auch für den Wirtschaftsbau. Der Ausblick für die kommenden Monate ist saisonüblich positiv: Per Saldo erwarten die Bauunternehmen für das nächste Halbjahr eine Ausweitung der Bautätigkeit, die breite Mehrheit von 80 Prozent geht von einer Verstetigung der guten Geschäftslage aus.

Der Handel gibt sich zu Jahresbeginn so zufrieden wie seit zwei Jahren nicht mehr: 47 Prozent der Handelsunternehmen melden gute Geschäfte, 15 Prozent beurteilen die Lage schlechter als zuletzt. Im Saldo ergibt dies einen positiven Wert von +32. Allerdings bewerten Großhändler und Handelsvertretungen die Lage deutlich besser, als die mittelfränkischen Einzelhändler. Hier meldet nur ein Drittel der Betriebe eine Verbesserung der Geschäfte und jedes fünfte Unternehmen ist sogar unzufrieden mit dem gerade abgeschlossenen Weihnachtsgeschäft. Im Saldo erreicht der mittelfränkische Einzelhandel einen Lagewert von +11. Die Handelsbetriebe melden steigende Zuwächse stärker aus dem Onlinegeschäft, als aus dem stationären Handel und Umsatzsteigerungen gleichermaßen aus dem Inlands- und dem Auslandsgeschäft. Expansive Märkte aus mittelfränkischer Händlersicht sind derzeit die Eurozone und die Märkte im Asien-Pazifik-Raum. Anders als die Industrie, sind die Händler mit der Umsatzentwicklung in China überwiegend unzufrieden. Die Aussichten der Handelsbetriebe für die kommenden Monate bleiben positiv, gehen aber gegenüber der Vorbefragung im Herbst um fünf Punkte auf +10 zurück.

Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen hat sich die ohnehin gute Geschäftslage noch einmal deutlich verbessert. Jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur drei Prozent melden Gegenteiliges. Der Dienstleistungssektor kann sich um zwei Punkte gegenüber der vergangenen Befragung verbessern und startet mit einem Saldo von +51 ins neue Jahr. Für die kommenden Monate rechnen 29 Prozent der Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen mit weiteren Verbesserungen, nur rund jedes Zehnte glaubt an eine Verschlechterung. Der größte Optimismus ist aktuell bei den mittelfränkischen IuK-Unternehmen und der Immobilienwirtschaft vorzufinden. Trotz guter Geschäftslage und positiven Zukunftsaussichten sind die Beschäftigungspläne und die Investitionsabsichten der Branche in Summe zwar positiv, im Vergleich zur Vorbefragung jedoch rückläufig. Hier schlagen die Umfrageergebnisse des Transportgewerbes zu Buche: Ein mögliches Ende der Schengen-Freizügigkeit sorgt für düstere Zukunftsaussichten bei den Spediteuren.

Um drei Punkte hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den verbrauchernahen Dienstleistungen zu Jahresbeginn verbessert, der Saldo aus positiven und negativen Antworten ist auf einen Wert von +33 gestiegen. Besonders positiv bewertet das Hotel- und Gastgewerbe die aktuelle Geschäftslage, hier nennen 40 Prozent der Betriebe eine Verbesserung der Geschäfte, nur drei Prozent sind unzufrieden. Zuversichtlicher als noch im Herbst ist auch der Blick der verbrauchernahen Dienstleister in die kommenden Monate: Kaum ein Betrieb rechnet mit rückläufigen Geschäften, jedes fünfte Unternehmen erwartet weitere Zuwächse. Im Saldo steigt der Erwartungswert um neun Punkte auf +18 an. Dies wirkt sich positiv auf die Beschäftigungspläne aus. Während die Branche im Herbst noch über Personalabbau nachdachte, liegt der Saldo zu Jahresbeginn mit +2 wieder im positiven Bereich. Allerdings zeigt die Einschätzung der Konjunkturrisiken besonders beim Hotel- und Gastgewerbe, wo der Schuh drückt: Mehr als drei Viertel der Betriebe sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihren Betrieb.

Ausblick

Der Konjunkturmotor läuft und läuft, die mittelfränkische Wirtschaft startet gesund und mit guten Voraussetzungen in das noch frische Jahr 2016. Ein Mix aus einem stabilen Arbeitsmarkt, Lohnzuwächsen, niedrigen Zinsen und billigem Öl beflügeln nach wie vor den Konsum und machen ihn zu einem wichtigen Treiber für die Konjunktur. Auch beim Export stehen die Zeichen gut: Das Auslandsgeschäft der Industriebetriebe hat sich in den zurückliegenden Monaten leicht verbessert und die Weltwirtschaft wächst, wenn auch moderat. Die Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute bewegen sich für 2016 im Mittel bei rund 1,7 Prozent für die deutsche Wirtschaft. Alles gute Voraussetzungen – dennoch ist das Klima angespannt. Die Gesellschaft ist in der Beurteilung des Flüchtlingsstroms gespalten, die Furcht vor Terroranschlägen und Bedenken hinsichtlich der Integrationsbemühungen trüben die Stimmung, die Grundlagen des europäischen Zusammenlebens werden in Frage gestellt. Wie wir mit diesen großen Herausforderungen umgehen, wird die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und unserer Region nachhaltig beeinflussen.

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IHK Konjunkturklima - Jahresbeginn 2016

IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2016: Lage und Erwartungen

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IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2016: Saldo

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