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Pilotprojekt Lastenfahrräder für die Stadtlogistik

Pilotprojekt Lastenfahrräder für die Stadtlogistik

© Kurt Fuchs / CNA

Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Leiter Referat Verkehr und Logistik, Grundsatzfragen Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsplanung Tel: +49 911 1335-415

Der Online-Handel führt dazu, dass der Lieferverkehr von Paketdiensten die Verkehrsbelastung und den Emissionsausstoß in den Innenstädten erhöht. In der Nürnberger City wird nun in einem Pilotprojekt getestet, ob die Pakete auch mit Lastenfahrrädern an die Empfänger ausgeliefert werden können.

An dem Praxistest, der von Prof. Dr. Ralf Bogdanski von der Technischen Hochschule Nürnberg wissenschaftlich begleitet wird, beteiligen sich die beiden Paketdienstleister DPD und GLS. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit 153 000 Euro.

„Gerade mit dem Fahrrad ist man flexibler unterwegs in der Innenstadt und beeinträchtigt weniger den Verkehr“, so Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann bei der Vorstellung des Projekts. Die zahlreichen Lieferfahrzeuge, die in der Zeit der Zustellung meist am Straßenrand stehen, beeinträchtigen laut Herrmann auch den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit in den Städten. Zudem hätten die Kurier-, Express- oder Paketdienste ein Interesse daran, die Zustellung auf der sogenannten „letzte Meile“ (vom Depot zum Empfänger) effizienter zu gestalten, denn auf die letzten Meter entfalle ein hoher Anteil der Gesamtkosten bei der Paketdienstleistung.

Bei dem Pilotprojekt, das in der Nürnberger Innenstadt und in einem Wohngebiet in der Nürnberger Südstadt beginnt, werden die Pakete in sogenannten „Mikro-Depots“ (z. B. Anhänger, Container oder Immobilien) zwischengelagert. Von dort holen die Fahrer ihr Transportgut mit den Lastenfahrrädern ab und bringen es bis zur Haustür. In Nürnberg wurden zwei Immobilien als Mikro-Depots angemietet.

Aus Sicht der IHK Nürnberg für Mittelfranken ist das Mikro-Depot-Konzept in Kombination mit einem fast emissionsfreien Transport auf der letzten Meile durch Lastenfahrräder ein wichtiger Beitrag für bessere Luft in deutschen Städten, der ausbaufähig ist.

Welche Rolle übernimmt die IHK bei der Entwicklung der "Nachhaltigen Stadtlogistik"?

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken befasst sich seit der ersten Diskussion um Umweltzonen in Deutschland mit alternativen Möglichkeiten, um Feinstaub, Stickoxide und CO2 in Nürnberg einzusparen. In diesem Zusammenhang ist auch das Pilotprojekt Getränkelogistik entstanden.

Vorbereitung des Pilotprojektes

Als Grundlage für die Zusammenarbeit der KEP-Dienstleister in Nürnberg diente eine im Jahr 2012 durchgeführte Studie zur Messung der Belieferungssituation in der Nürnberger Innenstadt durch Paketdienstleister. An der Studie haben sich 143 innerstädtische Gewerbetreibende und 7 Paketdienstleister beteiligt. Auftraggeber war die IHK Nürnberg für Mittelfranken. Die Studie wurde durch Herrn Prof. Dr. Ralf Bogdanski, Professor für Nachhaltige Unternehmensführung und Logistik, TH Nürnberg durchgeführt.

Im Jahr 2015 wurde im Auftrag des Bundesverbands Paket & Express Logistik (BIEK) und mit Unterstützung der IHK Nürnberg für Mittelfranken eine weitere Studie mit dem Titel "Nachhaltige Stadtlogistik durch Kurier-, Express- und Paketdienste". Die befasste sich mit den Möglichkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen am Beispiel der Städte Nürnberg und Frankfurt am Main. Autor war erneut Prof. Dr. Ralf Bogdankski von der TH Nürnberg.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Untersuchung der Kohärenz. Zum ersten Mal wurden die Auswirklungen aktueller Konzepte der Stadtlogistik von KEP-Diensten in Nürnberg und Frankfurt quantifiziert. Weiterhin wurden Zielkonflikte, Akzeptanz und Rahmenbedingungen von Elektromobilität und Mikro-Depots bewertet. Eine zentrale Erkenntnis war die große Zielübereinstimmung von Kommunen, KEP-Diensten und Handel, eine wichtige Voraussetzung für Nachhaltige Stadtlogistik durch KEP-Dienste.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Kommunale Entscheider sehen KEP-Dienstleistungen als unverzichtbare und notwendige Grundversorgung an.
  • Gleichzeitig zeigen sie sich gegenüber KEP-Dienstleistern voreingenommen und nehmen sie als Störfaktoren wahr.
  • Nachhaltigkeitspotenziale und Innovationsbereitschaft der Branche werden zu wenig erkannt
  • Die "Zerstückelung" der Zuständigkeiten (Baureferat, Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung, usw.) in den Städten erschwert die Abstimmung.
  • Spezielle Ziele und Maßnahmen für KEP-Verkehr fehlen.
  • Empfehlungen: Dialoge und Interaktionen zwischen KEP-Branche, Handel und Kommunen anregen. Darüber hinaus bedarf es einer Änderung der Rahmenbedingungen (u.a. in Bezug auf die Straßenverkehrsordnung). Die IHKs sollen die wichtige Rolle als Moderator einnehmen.

Start des Pilotprojektes

Mit den Ergebnissen dieser Studien brachte die IHK interessierte Paketdienstleister und die städtischen Referate und Genehmigungsstellen an einen Tisch: Gemeinsam wurde ein Pilotprojekt mit Paketdienstleistern ins Leben gerufen. Seit Start des Pilotprojekts im April 2016 moderiert das Verkehrsreferat der IHK den Projektlenkungskreis "Nachhaltige Stadtlogistik durch KEP-Dienste mit dem Mikro-Depot-Konzept".

Startschuss für das Projekt war ein Vortrag von Prof. Dr. Bogdanski im Nürnberger Rechts- und Wirtschaftausschuss, der den Abschluss der im Vorfeld zahlreich durchgeführten Gespräche, Abstimmungen und runden Tische mit den KEP-Dienstleistern markierte.

Finanziell beteiligt sich die IHK mit einem Anteil von 8 500 Euro (5 Prozent des Gesamtprojektetats) an der Finanzierung der wissenschaftlichen Begleitung durch die TH Nürnberg. In gleichem finanziellem Umfang engagiert sich auch die Stadt Nürnberg (Wirtschaftsreferat).

Ausblick

Geplant ist eine Ausdehnung der Nachhaltigen Stadtlogistik um zwei weitere Teilprojekte. Zunächst muss jedoch eine weitere Förderzusage abgewartet werden. Weitere Informationen erhalten Sie dann auf dieser Seite.

Weitere Informationen im DIHK-Faktenpapier "Saubere Luft in deutschen Städten"

Deutschlandweit werden vielfältige Ideen und Maßnahmen zur Verbesserung der Luftreinhaltung in Städten diskutiert und teil bereits angewandt. Ein Expertenteam von IHK-Verkehrsfachleuten aus ganz Deutschland hat sich mit Maßnahmen, Wirkungen und Kosten befasst. Entstanden ist ein umfangreiches Faktenpapier. Es stellt ein hervorragendes Nachschlagewerk zur Einschätzung der Maßnahmen dar.

Ein wesentliches Fazit der Expertengruppe ist: Alle Potenziale zur Optimierung des städtischen Verkehrs müssen ausgeschöpft werden. Eine reine Konzentration auf Verkehrsbeschränkungen bringt hingegen hohe Nachteile für den Wirtschaftsverkehr mit sich.

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