2. Platz des IHK-Gründerpreises 2004: Corscience
Ideenschmiede für die Herzmedizin
Auf Produktentwicklungen in der Medizintechnik ist die Erlanger Corscience GmbH & Co. KG spezialisiert, die
im Jahr 2001 von Prof. Dr. Armin Bolz gegründet wurde und ihren Sitz im Innovationszentrum für Medizintechnik und
Pharma (IZMP) hat. Die Schwerpunkte von Corscience liegen auf der Kardiologie und auf der drahtlosen Übertragung
medizinischer Daten. Das Medizintechnik-Unternehmen ist eine Ausgründung aus der Universität Karlsruhe, wo Bolz
nach wie vor am Institut für Biomedizinische Technik lehrt und eine Forschungsgruppe leitet. Die Jury des
IHK-Gründerwettbewerbs hob besonders die Innovationsstärke von Corscience hervor und würdigte dies mit dem 2.
Preis.
„Was hilft das beste theoretische Wissen, wenn es nicht praktisch umgesetzt wird?“ Diese Erkenntnis
war für Bolz einer der Beweggründe, nach Physikstudium in Erlangen und nach der Promotion ein Unternehmen zu
gründen. Prägend war zudem der im Jahr 2001 tödlich verunglückte Prof. Dr. Max Schaldach, Lehrstuhlinhaber an der
Universität Erlangen-Nürnberg und Gründer des Medizintechnik-Unternehmens Biotronik, der Bolz als Mentor bei den
Schritten in die Selbstständigkeit begleitete. Die persönlichen Bindungen an Erlangen waren ein wesentlicher
Grund, sich dort niederzulassen. Doch auch das „geniale Medizin-Netzwerk“ mit Siemens-Med,
Uni-Kliniken, Hochschulen und Unternehmen sowie die gute Verkehrsanbindung haben laut Bolz zur Standortwahl
beigetragen. Zudem sei Bayern in der Gründerförderung bundesweit „vorbildlich“.
Corscience hat sich zum Ziel gesetzt, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in Komponenten und Produkte
umzusetzen. Ausgegangen wird von Problemstellungen in der Medizin, für die man praxisgerechte Lösungen sucht.
„Wir nehmen dabei Anleihen bei zahlreichen Disziplinen wie Physik, Medizin, Signalverarbeitung,
Informationstechnik und Kunststoffverarbeitung und führen deren Know-how zusammen“, so Bolz. 28 Mitarbeiter
(die meisten von ihnen Physiker, Ingenieure und Informatiker, außerdem werden fünf Praktikumstellen zur Verfügung
gestellt) arbeiten deshalb fachübergreifend an neuen Technologien.
Defibrillatoren gegen den Herztod
Im Vordergrund steht die Entwicklung von Technologien, mit denen Diagnosen in der Kardiologie automatisiert
werden können. Beispiel Notfallmedizin: Die Tatsache, dass jedes Jahr allein in Deutschland etwa 100 000 Menschen
an plötzlichem Herzversagen sterben, war Anlass, sich in diesem Bereich zu engagieren. Die einzig bekannte
Therapie gegen den Herztod besteht in der Defibrillation, d.h. der elektrischen Synchronisation der
Herzmuskelzellen. Dies muss aber in Minutenschnelle geschehen, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen und
irreparable Schädigungen des Gehirns zu verhindern. Um ein schnelles Eingreifen auch von medizinischen Laien zu
ermöglichen, hat Corscience einen halbautomatischen Defibrillator mit einfachster Bedienung entwickelt. Eine
Stimme erklärt genau die nötigen Schritte. Zudem ist das Gerät denkbar einfach gestaltet und funktioniert nach
dem „Ampel-Prinzip“ (nur zwei Anzeigen: grün für Freigabe, rot für Warnung). Das System ermöglicht
eine bessere und individuellere „Dosierung“ der Stromabgabe und lässt eventuelles Kammerflimmern im
Herzen besser erkennen. Zudem setzt das Gerät automatisch einen Notruf an die nächste Rettungsleitstelle ab. Der
Defibrillator bietet auch verschiedene drahtlose Lösungen zum Auslesen der Daten, so dass sich das eintreffende
Notfall-Team schnell über den Verlauf der Ersten Hilfe informieren kann.
Ein großes Potenzial sieht Bolz in der drahtlosen Sensorik, die eine kabellose Übertragung medizinischer Daten
mit Bluetooth-Sensoren oder mit GSM/GPRS-Modems ermöglicht. Anwendungen sind die drahtlose Übertragung von Daten
beim EKG oder von Pulsoxymetern, die die Sauerstoffkonzentration im Körper messen. Bisher müssen die Patienten in
jedem Behandlungsraum neu „verkabelt“ werden und können nur umständlich bewegt werden, Messdaten
werden durch Erschütterungen des Kabels verfälscht.
Ein anderes Einsatzgebiet der drahtlosen Sensorik ist die permanente Überwachung von Risikopatienten: Personen,
die zu Herzanfällen neigen, tragen einen Brustgurt mit Elektroden sowie ein Handy mit sich. Die kardiologischen
Daten werden permanent analysiert; bei Auffälligkeiten überträgt das System die Daten an den Arzt und setzt über
das Handy einen Notruf ab. Für die Vermarktung dieser Neuentwicklung (Produktname „CardioAlarm“) soll
im Laufe dieses Jahres ein Tochterunternehmen gegründet werden.
Corscience, die in diesem Jahr mit einer Anerkennung beim Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet wurde und
bereits zahlreiche Patente angemeldet hat, sieht sich nicht als Produzent, sondern als
„Ideenschmiede“, die innovatives Wissen an andere Firmen verkauft oder lizensiert. Außerdem
unterstützt Corscience die Kundenunternehmen bei deren Produktentwicklung, wobei alle Stufen vom ersten
Funktionsmuster über die Serieneinführung bis zur Zulassung abgedeckt werden. Zu den bekannten Geschäftspartnern
zählen u.a. Weinmann, MCC, Fresenius Medical Care, Envitec und Cardiosafe.
Autor: bec.


