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WiM-Serie: Metropolregion Kompakt (Teil 6)

Stark im Miteinander

Die Metropolregion Nürnberg steht deutschlandweit als Erfolgsmodell für die Kooperation von Stadt und Land. Nun fördert ein vom Bund finanziertes Projekt diesen viel beachteten Ansatz.

Dass eine Metropolregion vom Miteinander lebt, klingt bereits im Namen an: Erst gemeinsam ergeben Stadt und Land, Metropole und Region, eine Einheit, die sie zur funktionsfähigen "Metropolregion" macht. Damit spiegelt das Konzept der Metropolregionen eine hochaktuelle Situation: Um Deutschland für den internationalen Wettbewerb zu stärken, wird auf Kooperation, Vernetzung und Verantwortungsbewusstsein in den einzelnen Regionen gesetzt. Die zentrale politische Leitvorstellung von Bund und Ländern lautet, "gleichwertige Lebensverhältnisse" zu schaffen. Das bedeutet: Jeder Bürger soll die gleichen Voraussetzungen für Arbeit, Einkommen und soziale Sicherung haben, gleich ob er in einer Stadt oder auf dem Land zu Hause ist. Dieses Ziel ist nur im Miteinander von urbanen und ländlich geprägten Gebieten zu erreichen. Als ausgewiesene regionale Bündnisse kommt den Metropolregionen daher eine zentrale Rolle zu.

In der Sprache der Raumordnung wird das Umland städtischer Zentren als "ländlicher Raum" bezeichnet. Den "ländlichen Raum" per se gibt es allerdings nicht. Hier entscheiden Faktoren wie die Nähe zu einer Stadt, die Wirtschafts- und die Infrastruktur, ob es sich um einen "zentralen" oder um einen "peripheren" ländlichen Raum handelt. Es gibt prosperierende ländliche Räume mit einer hohen Wachstumsrate ebenso wie sogenannte Stabilisierungsräume, deren Entwicklung unterstützt werden muss. Und genauso gibt es florierende und strukturschwache Städte. Zugleich verlieren die Grenzen zwischen Städten und ländlichen Räumen zunehmend an Bedeutung. Vielmehr sehen sich Stadt und Land heute mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert, insbesondere den Auswirkungen der Globalisierung und des demografischen Wandels.

Stadt und Land als Partner
Vergleicht man die elf deutschen Metropolregionen miteinander, so ist in der Metropolregion Nürnberg der Bevölkerungsanteil in den peripheren ländlichen Räumen mit über 22 Prozent am höchsten. Und es waren gerade die Landkreise, die in den letzten Jahren durchschnittlich mehr wirtschaftliches Wachstum erzeugt haben als die Städte. So zählen beispielsweise die Landkreise Erlangen-Höchstadt und Bamberg aktuell zu den dynamischsten Wirtschaftsstandorten in Deutschland. Gemessen am Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1997 und 2005 liegt die Metropolregion Nürnberg nach München auf Platz zwei. Es sind also Stadt und Land als Einheit, die die Metropolregion Nürnberg stark machen – als regionale Verantwortungsgemeinschaft.

In der Metropolregion Nürnberg stand von Beginn an das partnerschaftliche Mitein-ander von Städten und ländlichen Räumen im Vordergrund. Ein erstes deutliches Zeichen in diese Richtung setzte im Gründungsjahr 2005 die "Charta" der Metropolregion mit ihrer "Governance"-Struktur: Der Rat ist so konstituiert, dass jedes Mitglied das gleiche Stimmrecht hat – und damit stellen die Landkreise eine klare Mehrheit gegenüber den kreisfreien Städten. Zwei Jahre später erarbeitete der Rat auf seiner Jahrestagung zum Thema "Stärken stärken – Ländliche Räume in der Metropolregion Nürnberg" ein Grundsatzdokument, das die Ziele und Maßstäbe künftiger Zusammenarbeit von Stadt und Land formuliert: die "Bad Windsheimer Erklärung". Sie betont die vielfältigen Kompetenzen der ländlichen Räume – als Natur-, Erholungs- und Freizeiträume, die wesentlich zur Lebensqualität beitragen, und zugleich als wichtige Wirtschaftsstandorte. Gerade die enge Vernetzung von städtischen und ländlichen Räumen bietet die Chance, die vorhandenen Potenziale auszuschöpfen. In diesem Sinne legt die "Bad Windsheimer Erklärung" fünf Handlungsfelder fest, um die innerregionalen Verflechtungen zu intensivieren, und zwar in den Bereichen Regionalmarketing, Tourismus, Verkehr, Clusterpolitik und grenzüberschreitende Zusammenarbeit – auf dass Stadt und Land im doppelten Sinne "zusammen wachsen".

Förderung im Modellprojekt
Durch ihr besonderes Engagement für die Kooperation von Stadt und Land spielt die Metropolregion Nürnberg eine Vorreiterrolle, die bundes- und europaweit Beachtung findet. Dies spiegelte Ende 2007 auch der Zuschlag für ein Projekt im Rahmen des "Modellvorhabens der Raumordnung" (Moro) wieder, das vom Bundesministerium für Bauwesen und Raumordnung (BBR) betreut wird. Aus 60 Bewerbern wurden die Metropolregion Nürnberg und sechs weitere Regionen ausgewählt.

Von den fünf in der "Bad Windsheimer Erklärung" festgelegten Handlungsfeldern stehen drei im Fokus des zweijährigen Moro-Projekts: die bessere Vermarktung von regionalen Produkten und Dienstleistungen, die Vernetzung Energietechnologischer Zentren und der weitere Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der "Euregio Egrensis", die Teile Ostbayerns sowie daran angrenzende Regionen Thüringens, Sachsen und Tschechiens umfasst. Die Unterstützung aus Bundesmitteln ermöglicht es nun, konkrete Projekte umzusetzen. Die gewonnenen Erfahrungen werden dann auch anderen Regionen zugute kommen.

 

Autor: Dr. Janette Witt