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Freihandelszone

Asien gewinnt an Stärke

Seit Januar 2010 ist die Freihandelszone zwischen China und den zehn Ländern der Asean-Gemeinschaft in Kraft.

Mit dabei sind folgende Länder: Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Die Zeiten ändern sich also, denn die 1967 gegründete Asean wurde einst als „Bollwerk“ gegen das kommunistische China etabliert. Die neue Asean-China-Freihandelszone ist nach der EU (mit einem Bruttoinlandsprodukt von 18,4 Billionen US-Dollar) gefolgt von der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta (16,9 Billionen US-Dollar) der weltweit drittgrößte Freihandelsblock mit 6,6 Billionen US-Dollar. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist der asiatische Handelsblock sogar der weltweit größte – mit 1,9 Mrd. Menschen. Das Handelsvolumen zwischen China und Asean hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht – 2008 lag es bereits bei knapp 200 Mrd. US-Dollar.

China ist mit einem Anteil von elf Prozent der drittgrößte Handelspartner der Asean-Staaten – nach Japan und der EU mit jeweils rund zwölf Prozent. Zwischen China und den sechs reicheren Asean-Volkswirtschaften Brunei, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand werden 90 Prozent der Zölle abgeschafft. Sogenannte sensitive Güter wie Automobilteile oder Chemikalien sind zwar bislang ausgenommen, deren Zölle sollen jedoch bis 2015 auch maßgeblich reduziert werden. China erhofft sich von dem Abkommen einen verbesserten Zugang zu Rohstoffen, während die Asean-Länder auf neue Konsumenten im Milliardenreich China setzen. Heikle Themen wie der Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse oder Mechanismen zur Konfliktregelung sind im Asean-China-Freihandelsabkommen jedoch nicht enthalten.

Deutsche Firmen, die vor Ort produzieren und Handel betreiben, können nach Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von den wegfallenden Zöllen des neuen Freihandelsabkommens (FTA) profitieren. Doch sollte generell nicht unterschätzt werden, welcher Zusatzaufwand vor allem für mittelständische Firmen entsteht, die sich mit umfangreichen und komplizierten FTAs auseinandersetzen müssen. Die Hauptnutzer von FTA-Regelungen sind daher laut DIHK primär die Großunternehmen. Hinzu kommt: Ingesamt sind in Asien bereits heute 37 FTAs zwischen Ländern und Regionen in Kraft – 72 weitere werden verhandelt. Allein der Asean-Staat Singapur hat 14 Freihandelsabkommen abgeschlossen. Diese Abkommen werden nicht nur innerhalb Asiens geschlossen, sondern auch z.B. mit den USA, Lateinamerika und den Pazifikstaaten Australien und Neuseeland. Mit der EU verhandelt ASEAN seit 2007. Kein Wunder, dass die weltweit über 300 Freihandelsabkommen immer wieder als unübersichtliche „Spaghettischüssel“ bezeichnet werden.

Das aktuelle Freihandelsabkommen Asean-China sollte laut DIHK erst recht Anlass sein, schnellstmöglich die Stärkung des Welthandelssystems und den erfolgreichen Abschluss der Doha-Runde ins Visier zu nehmen. Dies sollte vorrangiges Ziel deutscher und europäischer Handelspolitik sein. Da die Welthandels-Runde jedoch stockt, seien die laufenden EU-Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Korea, Indien und ASEAN auf jeden Fall die zweitbeste Lösung. So könnten Wettbewerbsnachteile für deutsche und europäische Firmen in Asien zumindest verringert werden.