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Breitband

Hochgeschwindigkeit im ländlichen Raum

Wie vielen anderen Gemeinden auf dem Land erging es der Gemeinde Happurg, die für viele Nürnberger ein beliebtes Naherholungsgebiet ist: Die 3 800 Einwohner leben verteilt auf 14 Ortsteile und 42 Quadratkilometer Fläche, weshalb die Verlegung schneller Breitband-Verbindungen für die großen Telekommunikationsanbieter wirtschaftlich nicht rentabel ist. Damit müssen die Einwohner im Hauptort mit einer Bandbreite von 2 000 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) vorlieb nehmen, in manchen Ortsteilen oder Straßenzügen waren es sogar nur 384 Kbit/s.

Nach Aussage von 1. Bürgermeister Helmut Brückner hat die Gemeinde angesichts dieser Situation frühzeitig alle Beteiligte von Bauverwaltung über Energieversorger bis zu Netzexperten einbezogen, um die Versorgung mit Hochgeschwindigkeits-Internet zu realisieren. Ein zentraler Aspekt war dabei, die Verlegung der Glasfaserleitungen mit anderen anstehenden Baumaßnahmen zu koordinieren sowie schon bestehende Leerrohre oder Kanal-leitungen zu nutzen. Dadurch konnten die Investitionskosten nahezu halbiert werden. Dieser Ansatz wurde vom Bundeswirtschaftsministerium im Zuge des Förderwettbewerbs „Modellprojekte für den Breitbandausbau“ honoriert, Happurg habe in seinem Wettbewerbsbeitrag alle Planungsinstrumente auf Gemeindeebene ausgeschöpft.

Expertengremium

Hinter dem „Happurger Weg“ steht nach Aussage von Bürgermeister Brückner ein technischer Expertenkreis, den die Gemeinde zusammen mit dem Landkreis Nürnberger Land an Bord geholt und in dem beispiels-weise die Nürnberger Initiative für die Kommunikationswirtschaft e.V. (NIK) mitgearbeitet hat. Die Laufer Firma Bisping & Bisping erarbeitete schließlich gemeinsam mit der Gemeinde und dem in Förderprojekten erfahrenen Beratungsunternehmen Adiuvar Professional Project Service ein innovatives Glasfaser-Konzept, das alle anstehenden kommunalen Baumaßnahmen – von der Wasserleitung bis zum Straßenbau – in den Dienst der Breitbandversorgung stellte.

Im Gegensatz zu anderen Breitbandausbauten von Städten und Gemeinden, die von Bund oder Land gefördert werden, werde in Happurg nicht Technik mit mindestens ein bis zwei MBit/s aufgebaut, so Brückner. Vielmehr werde bereits das Breitband der nächsten Generation mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s installiert, sodass man für die Zukunft gerüstet sei. Damit sei Happurg bereit für neue Internet-basierte Services, beispielsweise Bürger- und Kommunikationsdienste oder Unterhaltungsangebote. Das Happurger Netz folgt dem von der Bundesregierung gewünschten Open-Access-Gedanken – es wird von einem Infrastruktur-Anbieter betrieben, steht aber allen Telekommunikations- und Internet-Angeboten offen.

Auch in der Gemeinde Gerhardshofen, die 25 Kilometer westlich von Erlangen liegt und zu der 13 Ortsteile gehören, wird Dank des Förderwettbewerbs des Bundeswirtschaftsministeriums die digitale Zukunft Einzug halten. In den entfernteren Ortsteilen kommt man stellenweise zurzeit gerade einmal auf eine Übertragungsrate von 384 Kilobit pro Sekunde oder auf ISDN-Tempo, oder man bekommt überhaupt keinen Internet-Zugang, wie Wolfgang Haager, der „Breitbandpate“ der Gemeinde, berichtet. Das bedeutet in der Praxis: „Ein Reisebüro stößt abends die Übertragung an und hofft, dass am nächsten Morgen alles versandt ist.“ Bei der Bedarfsermittlung für den Wettbewerb wurde zudem festgestellt, dass rund 70 der 1 000 Haushalte in der Gemeinde als Selbstständige oder Angestellte einen PC-Heimarbeitsplatz haben. Diese hohe Zahl liegt möglicherweise auch daran, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich nach Fürth oder Nürnberg kommt, die Anbindung nach Erlangen nennt Haager sogar „unzumutbar“. Aber auch die „Heimarbeiter“ leiden auch unter der schlechten Datenanbindung, weil sie per Internet nur im Schneckentempo online auf ihre Firmendaten zugreifen können.

Glasfaser für die Ortsteile

Mit 450 000 Euro vom Bund und 50 000 Euro Eigenleistung wie in Happurg wird die Gemeinde bis Ende 2012 die vier derzeit am schlechtesten versorgten Ortsteile an das schnelle Glasfasernetz bringen. Eine letzte Hürde sieht Haager Ende November, wenn beim Bund alle Rechnungen für den Tiefbau und die Kabelverlegearbeiten eingereicht werden müssen. „Wir haben kein Bauunternehmen gefunden, das uns diesen Termin in der Ausschreibung zum vernünftigen Preis garantiert.“

Nicht so gut ist zu sprechen ist Breitbandpate Haager auf die Förderung durch die „Breitband Initiative Bayern“, die immerhin schon 68 Kommunen in Mittelfranken unterstützt hat. Denn in Berlin, wo Haager lange gelebt hat, werde die Technik mit einem Megabit pro Sekunde, die die Initiative hier in Bayern etwa den privaten Haushalten als Fortschritt anbiete, überall abgerissen.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2011, Seite 42

 
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