Technische Kompetenzfelder

Automotive

Silbernes Auto-ti1Die Automobilzulieferindustrie nimmt in der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) eine herausragende Rolle ein. Zwar ist im Einzugsgebiet der EMN kein klassischer Fahrzeughersteller angesiedelt und damit kein Systemintegrator oder OEM, dennoch ist in der Region nahezu die gesamte Komponentenkompetenz, die für den Aufbau eines Gesamtfahrzeuges benötigt wird, beheimatet. Es gibt in der Region eine Reihe bedeutender Automobilzulieferer, die weltweit tätig sind und internationale Bedeutung erlangt haben. Diese global aktiven Leitunternehmen bilden zusammen mit einer Vielzahl hochinnovativer klein- und mittelständischer Betriebe eine wichtige Säule der deutschen Automobilindustrie. Produkte und Know-how aus der EMN werden in nahezu allen europäischen Fahrzeugtypen und darüber hinaus verbaut. Im Besonderen konzentriert sich die Automobilindustrie der EMN mit ihren Produkten auf den Markt der Premiumfahrzeuge. Hier stellt die Innovations- und Leistungsfähigkeit der deutschen Kraftfahrzeugindustrie einen Vorteil im internationalen Wettbewerb dar.

In der Europäischen Metropolregion Nürnberg sind insgesamt ca. 85.000 Beschäftigte mittelbar oder unmittelbar in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie tätig. Trotz fehlendem Fahrzeughersteller stellt die Branche mit mehr als 500 Industrieunternehmen in der EMN damit einen der bedeutendsten Wirtschaftszweige dar. Etwa 12.000 Arbeitnehmer sind dem Kernbereich der Automobilwirtschaft nach Wirtschaftsklassifikation WZ 34 zuzuordnen. Dies entspricht im deutschlandweiten Vergleich etwa 1,6% der laut VDA Jahresbericht 2008 etwa 750.000 Beschäftigten. Der überwiegende Beschäftigungsanteil ist den Zulieferunternehmen aus Branchen der Elektrotechnik, der kunststoff- und metallverarbeitenden Industrie, der Textilindustrie oder dem Maschinen- und Anlagenbau zuzurechnen. Regionale Schwerpunkte der Fahrzeugindustrie sind innerhalb der EMN im Großraum Nürnberg-Ansbach, im Raum Bamberg-Coburg-Kronach sowie im Großraum Hof angesiedelt.

Die Zielmärkte liegen in den Zentren der Automobilproduktion, insbesondere auf dem deutschen Fahrzeugmarkt mit den zentralen Standorten der Endmontage in München, Stuttgart, Ingolstadt, Rüsselsheim, Köln und Wolfsburg sowie weiteren Werken im Inland und dem europäischen Ausland. Die wichtigen Systemlieferanten verfügen über Standorte in den verschiedenen globalen Zentren des Automobilbaues in Nordund Südamerika, Asien und zunehmend auch in Osteuropa.

Geografisch gesehen befindet sich die EMN in Zentrumslage zu den Standorten der Automobilproduktion in Deutschland und Osteuropa und verfügt damit über einen wesentlichen geografischen Standortvorteil. Die infrastrukturelle Anbindung ist in den Bereichen Schiene, Straße und Luftverkehr hervorragend ausgebaut mit dem Verkehrsknotenpunkt Nürnberg/Erlangen und wichtigen Verkehrsachsen in alle Himmelsrichtungen.

Mit ihren Produktspektren präsentieren sich die in der EMN beheimateten Unternehmen im internationalen Vergleich als absolut schlagkräftig. Wichtige Unternehmen nehmen in ihren Geschäftsfeldern zum Teil international führende Marktpositionen ein.

Im Einzugsgebiet der EMN gibt es zudem eine Anzahl branchennaher Einrichtungen aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, die über hervorragende Kompetenzen verfügen. Diese schaffen wichtige Grundlagen für die Automobilindustrie bei Komponenten, in Konstruktion und Fertigung und ermöglichen die ideale Überführung wissenschaftlichen Know-hows in die industrielle Praxis.

Das Automobiltechnikum Bayern (ATB) im Automobilzulieferpark „Pole Position“ in Hof ermöglicht eine interdisziplinäre und firmenübergreifende Zusammenarbeit der Unternehmen in Forschung, Entwicklung, Prototyping und in der Vorserienproduktion um der steigenden Komplexität in Entwicklung und Fertigung sowie den damit einhergehenden Risiken und Kosten gerecht zu werden.

Das Technologietransferzentrum Automotive der Hochschule Coburg (TAC) stellt eine wertvolle Schnittstelle zwischen anwendungsorientierter Forschung und Industrieunternehmen dar. Das F&E-Angebot erstreckt sich über die Bereiche Produktion & Logistik, Elektronik & EMV, Mechatronik & Software, Kraftstoffsystemtechnik sowie Kfz- & Motorentechnik. Schwerpunkte des IFZN – Institut für Fahrzeugtechnik an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg sind die Bauteilanalyse und -optimierung sowie die Systemanalyse und -optimierung, daneben die Prüfstandsentwicklung zur Unterstützung insbesondere der Bauteilanalyse mit Fokus auf der Antriebstechnik von Fahrzeugen. Forschung rund um den Motor ist das Kernthema des Bayreuth Engineering Research Center (BERC), in dem mehrere ingenieurwissenschaftliche Lehrstühle der Universität Bayreuth kooperieren.

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses der Forschungsstelle Automobilwirtschaft Bamberg (FAW) stehen Zufriedenheitsuntersuchungen im Verhältnis zwischen Händlern, Herstellern und Zulieferern sowie Prognosen zur Zulassung von Neuwagen. Wichtige Innovationen für den Einsatz in der Automobilindustrie liefern zudem der Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS) an der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, das Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen IIS in Erlangen sowie das Zentrum für Kraftfahrzeug- Leistungselektronik und Mechatronik (ZKLM) am Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Erlangen Historisch gewachsen, hat sich die Automobilzulieferindustrie innerhalb der EMN in zwei teilräumlichen Netzwerken organisiert. Im Kern der Metropolregion Nürnberg bündelt der CNA – Center for Transportation & Logistics Neuer Adler e.V. in seinem Subcluster Individualmobilität im Cluster Verkehr und Logistik die Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft. Das Themenspektrum reicht von Bordnetzsystemen, Fahrzeugelektronik über Hybridantriebe bis hin zur reinen Elektromobilität. Im Branchenschwerpunkt Oberfranken stellt ofraCar - Automobilnetzwerk Oberfranken das Bindeglied zwischen den Unternehmen der Region sowie den branchennahen Institutionen für Forschung, Entwicklung und Lehre dar.

Im Umfeld der Industrieunternehmen haben sich darüber hinaus einige regionale branchenspezifische Netzwerke entwickelt, die die Bedeutung der einzelnen Branchen innerhalb der EMN unterstreichen. So ist die im gesamten fränkischen Raum stark vertretene, Kunststoff verarbeitende Industrie mit den zugehörigen hoch spezialisierten Betrieben aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie dem Werkzeug- und Formenbau im Kunststoff-Netzwerk Franken e.V. organisiert. Die historisch in Ostoberfranken ansässigen Textil- und Keramikindustrien haben vielfach einen Strukturwandel hin zu technischen Textil- und Keramikanwendungen vollzogen und sich im KEKUTX Forschungs- und Innovationscenter e.V. zusammengeschlossen. Als Querschnittstechnologie liefert die Automatisierungstechnik einen vielfältigen innovativen Input. Hier stellt das Netzwerk Automation Valley Nordbayern die Verbindung innerhalb der Branche her. In Nürnberg ist die Kooperationsinitiative der Bayerischen Automobilzulieferindustrie BAIKA ansässig und ermöglicht zusammen mit dem bayerischen Cluster Automotive die direkte Vernetzung der EMN mit den Zentren der bayrischen Automobilproduktion. Darüber hinaus bestehen enge Kontakte zu dem bundesweit aktiven Network of Automotive Excellence (NoAE). Letztlich ist auch noch zu erwähnen, dass mit dem Vogel Business Media Verlag mit Sitz in Würzburg einer der führenden Fachverlage im Bereich Automotive in der EMN beheimatet ist.