+++ PRESSEMITTEILUNG +++Nr: 7 | 02.02.2010

IHK-Konjunkturumfrage

Mittelfränkische Wirtschaft fasst wieder Tritt

Exportmotor springt an – Investitionsbremsen lösen sich

Nürnberg – Die mittelfränkische Wirtschaft fasst nach dem Krisenjahr 2009 wieder Tritt. Die aktuelle Lage bleibt vielfach noch von den Folgen der weltweit eingebrochenen Nachfrage gekennzeichnet. Doch mit zunehmenden Auftragseingängen stellen sich die Unternehmen nun auf eine allmähliche wirtschaftliche Belebung ein. Als Triebfeder der Erholung zeichnen sich die Exporte ab: Die Industrie rechnet mit einer kräftigen Belebung der Auslandsnachfrage. So werden jetzt die Lagerbestände wieder erhöht und Investitionen für eine Modernisierung der Kapazitäten vorgesehen. Handelsvertreter und Großhändler profitieren bereits vom gewachsenen Geschäftsvolumen mit der Industrie, und selbst die in der Krise heftig in Mitleidenschaft gezogenen Güterverkehrsbetriebe und unternehmensnahen Dienstleister gehen zuversichtlich in das Jahr 2010.

Wachsende Exporte und das aufgehellte Investitionsklima stützen die konjunkturelle Erholung, doch die Folgen der Krise werden nun in zunehmendem Maße am Arbeitsmarkt sichtbar und erreichen damit die Verbraucher und über deren Nachfrage auch die Bauwirtschaft, den Einzelhandel und das Gastgewerbe. Gerade diese Wirtschaftszweige haben sich in den ersten Monaten der Krise auch dank Kurzarbeit, Abwrackprämie und staatlichen Baumaßnahmen noch als widerstandsfähig erwiesen. Doch viele Betriebe dieser Branchen sehen sie sich an der Wende zum Jahr 2010 bereits mit Nachfrageausfällen konfrontiert oder erwarten nun sinkende Erlöse für die kommenden Monate. Somit wird deutlich, dass die anziehende Industriekonjunktur den weiteren Weg aus der Krise ebnet. Erst im zweiten Schritt wird sich die verbesserte Konjunktur auf den Arbeitsmarkt und das Konjunkturklima auswirken und eine breiter fundierte Erholung ermöglichen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Mitte Januar abgeschlossenen Frühjahrs-Umfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Konjunktur.

Geschäftslage
Die mittelfränkische Wirtschaft leidet weiterhin unter den Folgen des weltweiten Nachfrageeinbruchs nach dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008. Unverändert im Vergleich zum vergangenen Herbst beurteilen 17 Prozent der Befragten ihre Lage zu Jahresbeginn 2010 als „gut“. Der Anteil der „schlecht“-Urteile verringert sich um 4 Prozentpunkte auf 29 Prozent, entsprechend steigen die „befriedigend“-Einschätzungen auf 54 Prozent. An den Zahlen der Umfrage zeigt sich deutlich, dass die Unternehmen den tiefsten Punkt der konjunkturellen Talsohle bereits zu Beginn des vergangenen Sommers durchschritten haben. Doch die Erholung, die mit einer Verbesserung ihrer Lageurteile im vergangenen Herbst um fünf Prozentpunkte begann, setzt sich mit der weiteren Verbesserung nun um weitere vier Punkte nur in mäßigem Tempo fort. Trotz der allmählich wieder wachsenden Umsätze und Erträge prägen vielfach Überkapazitäten noch immer die Geschäftslage.

Grafik Lage und Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft im Frühjahr 2010

Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft
Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft zeigen sich auf einem Niveau stabilisiert, das von vorsichtiger Zuversicht zeugt. So hoffen 20 Prozent aller mittelfränkischen Unternehmen, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten bessern wird, 18 Prozent der Befragten befürchten eine Eintrübung. Der Saldo von + 2 Prozentpunkten liegt um 29 Punkte über dem Stand vom Vorjahresbeginn. Doch vielen Unternehmen ist klar, dass 2010 das hohe Niveau der wirtschaftlichen Aktivitäten vor der Krise noch nicht wieder erreicht wird.

Entwicklung nach Branchen
Die mittelfränkische Industrie setzt ihren Weg der allmählichen Erholung von den tiefen Umsatzeinbrüchen nach der Finanzkrise fort. Dabei darf nicht übersehen werden, dass zu Jahresbeginn 2010 noch immer jeder dritte Industriebetrieb seine Lage als schlecht bezeichnet. Nachdem die Umsätze im IV. Quartal 2009 nicht alle Hoffnungen erfüllen konnten, die das Wachstum des Herbstes genährt hatte, sind die Erwartungen für 2010 durch vorsichtigeren Optimismus gekennzeichnet. Bemerkenswert und von fundamentaler Bedeutung für den weiteren Erholungsprozess sind zwei Faktoren: Erstens erwartet die mittelfränkische Industrie deutlich wachsende Auslandsaufträge. Zweitens sehen die Hersteller von Vorleistungen bereits wachsende Investitionen vor. Beides deutet darauf hin, dass der Aufschwung an Breite gewinnt und dass die Investitionsgüterhersteller hoffen dürfen, bald ebenfalls von den Nachfragezuwächsen zu profitieren.

Für die mittelfränkische Bauwirtschaft haben die Konjunkturprogramme nur wenig Entlastung der schon seit Jahren angespannten Geschäftslage gebracht. Die Mittel flossen eher an handwerklich orientierte Betriebe des Baugewerbes, da sich viele Projekte auf Umbau, Renovierung und energetische Sanierung von Schulen und kommunalen Gebäuden konzentrierten. Dagegen klagt die Bauindustrie über ausbleibende Aufträge im Wirtschaftsbau und ein weiterhin niedriges Niveau des Wohnungsneubaus. Angesichts eines mehrheitlich als „zu klein“ beurteilten Auftragsbestandes und eines anhaltenden Drucks auf die Preise von Bauleistungen bei geringer Nachfrageerwartung und nicht voll ausgelasteten Kapazitäten bleiben die Erwartungen ebenso wie die Investitions- und Beschäftigungspläne der Bauwirtschaft von Skepsis gekennzeichnet.

Innerhalb des mittelfränkischen Handels vollziehen die Unternehmensurteile zu Jahresbeginn 2010 eine Wende. Während sich in den ersten Monaten der Rezession der Einzelhandel bei nur gering verminderten Umsätzen behaupten konnte, litten Handelsvertretungen sowie Außenhandels- und industrienahe Großhandelsbetriebe sehr schnell unter ebenso massiven Umsatzverlusten wie die Industrie selbst. Zu Jahresbeginn 2010 dagegen hat sich das Konjunkturklima im Zuge der allmählichen Erholung des Welthandels bei den industrienahen Händlern bereits deutlich aufgehellt. Dagegen bereitet sich der Einzelhandel angesichts der nun erst mit Verzögerung drohenden Beschäftigungseinbußen auf eine Abkühlung des Konsumklimas und auf stärker rückläufige Umsätze mit den Verbrauchern vor. Speziell der Automobilhandel leidet nach dem Auslaufen der Umweltprämie unter Nachfrageausfällen, die spürbaren Druck auf die Erträge ausüben.

Urteile und Planungen der unternehmensnahen Dienstleistungsunternehmen konnten sich zum zweiten Mal in Folge verbessern. Speziell für die Güterverkehrsbetriebe und die Medienwirtschaft erscheint die Geschäftslage weniger düster als im Vorjahr. Dennoch überwiegen die „schlecht“- gegenüber den „gut“-Urteilen auch zu Jahresbeginn 2010. Angesichts verbesserter Perspektiven ihrer Industriekunden erwarten Unternehmensdienstleister und Medien eine Verbesserung ihrer Geschäftslage im weiteren Jahresverlauf. So planen sie bereits per Saldo wieder mit einem Beschäftigtenzuwachs, um die erwartete Belebung ihrer Auftragslage zu bewältigen. Besonders zuversichtlich zeigen sich die Speditionen und Logistik-Dienstleister, dass es nun wieder aufwärts geht: Sie setzen darauf, dass mit der Erholung des Welthandels ein rasches Wachstum des Transportvolumens verbunden ist.

Die verbrauchernahen Dienstleistungen entwickeln sich zu Jahresbeginn 2010 weiterhin stark unterschiedlich. Betriebe aus dem Freizeit-, Kultur- und Gesundheitsgewerbe sowie dem Vermittlungs- und Versicherungswesen äußern sich mehrheitlich zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage, rechnen mit weiterer Besserung und planen mit größeren Belegschaften. Dagegen klagen Unternehmen aus dem Gast- und Reisegewerbe über rückläufige Kundenzahlen und gesunkene Umsätze. Nach der Mehrwertsteuersenkung für Beherbergungsleistungen erwartet die Branche eine verbesserte Geschäftslage und plant höhere Investitionen. Dagegen bleiben die Beschäftigungspläne im Gast- und Reisegewerbe zurückhaltend.

Investitionen und Beschäftigung
Das Investitionsklima in Mittelfranken hellt sich auf. Die deutlichste Verbesserung (Saldo plus 33 Punkte) erreicht die Industrie. Die Investitionspläne der Unternehmen folgen den Geschäftserwartungen mit einigen Monaten Verzögerung. Da sich nun zu Jahresbeginn 2010 bereits deutlicher als noch im vergangenen Herbst abzeichnet, dass sich die Auftragseingänge und Umsatzerlöse weiter stabilisieren, werden die Investitionsbudgets nicht mehr weiter gekürzt.

Am mittelfränkischen Arbeitsmarkt kann sich dagegen die bereits im letzten Herbst eingeläutete Wende während des Winterhalbjahres nicht fortsetzen. Die Industrie bleibt bei schwach ausgelasteten Kapazitäten abwartend. Die nochmals gewachsene Zurückhaltung in den saisonal am stärksten beeinflussten Unternehmen in Bau- und Gastgewerbe lässt den Saldo der Beschäftigungspläne insgesamt sogar um drei Prozentpunkte gegenüber dem vergangen Herbst sinken. Doch außerhalb des Handels und des Gast- und Reisegewerbes planen die übrigen Dienstleister angesichts der Belebung in ihren Branchen für 2010 mit größeren Belegschaften.

Ausblick
Weltweit hat nach den tiefen Einbrüchen der Wirtschaftsleistung 2008/09 eine allmähliche Belebung der Nachfrage eingesetzt, die nun für 2010 wieder ein stabiles Wirtschaftswachstum erwarten lässt. Das verbesserte Investitionsklima und die aufgehellten Exportaussichten dürfen aber den Blick auf die konjunkturellen Risiken nicht verstellen. Zu Jahresbeginn 2010 können Belastungen am Arbeitsmarkt zu einer sinkenden Konsumnachfrage und damit zu einer Rückkehr rezessiver Tendenzen führen. Wenn weltweite Nachfrageausfälle eine Rezession in bisher nicht gekanntem Ausmaß erzeugen konnten, dann dürfen die Staaten nicht plötzlich in ihren bisher erfolgreichen Anstrengungen zur konjunkturellen Stabilisierung nachlassen. Noch ist es zu früh, die zweifellos erforderliche Konsolidierung der öffentlichen Haushalte einzuleiten. Die noch nicht endgültig überwundene Krise verlangt weiterhin nach beschäftigungspolitischer Stabilisierung und insbesondere nach öffentlichen Investitionen und Steuersenkungen.

Gleiches gilt für die Finanzierungsbedingungen sowie die Anforderungen der Kreditinstitute an Sicherheiten bei der Kreditvergabe: Hier beklagen die mittelfränkischen Unternehmen sogar zunehmende Behinderungen ihrer sich allmählich wieder belebenden Geschäftstätigkeit.

Insgesamt aber ist die konjunkturelle Wende unverkennbar vollzogen. Mit der Belebung der Auslandsnachfrage, die von der mittelfränkischen Industrie nun erwartet wird, und einer weiteren politischen Flankierung des Erholungsprozesses kann sich das Konjunkturklima in Mittelfranken langsam wieder an das Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise annähern.

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