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Gelungener Re-Start nährt Zuversicht

IHK-Konjunkturklima Mittelfranken Herbst 2020: Wirtschaft auf steinigem Weg aus der Corona-Krise

Datum: 13.10.2020
 

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Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 1383

Nürnberg – Die mittelfränkische Wirtschaft kämpft sich aus der Corona-Krise: Der IHK-Konjunkturklima-Index konnte nach dem historischen Absturz im Frühjahr 2020 um fast 50 Punkte bis zum Herbst 2020 bereits über 30 Punkte wieder aufholen und liegt nun bei 102,9 Punkte. Vorsichtige Zufriedenheit über wieder anlaufende Geschäfte nach dem Corona-Lockdown begründet die per Saldo optimistischen Geschäftserwartungen der Befragten.

Baugewerbe und Immobilienwirtschaft, Handel und IT-Dienstleistungen behaupten sich in der Krise. In der Industrie konnten die Auftragseingänge seit Aufhebung der Beschränkungen stetig wachsen, doch sind strukturelle Anpassungen sowie der Neuaufbau von internationalen Wertschöpfungsketten noch nicht abgeschlossen. Reise-, Gast- und Veranstaltungsgewerbe sowie verbrauchernahe Dienstleistungen leiden noch stark unter massiven Umsatzrückgängen. Das sind zentrale Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2020.

„Gewachsene Auftragseingänge und anziehende Umsätze nach dem Re-Start nähren die Hoffnung der mittelfränkischen Wirtschaft auf eine Fortsetzung der Erholung“, fasst IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann zusammen. „Doch noch lange nicht alle Branchen und Betriebe kommen ohne größere Einbußen schnell durch die Corona-Krise.“

Geschäftslage und -erwartungen

Die mittelfränkische Wirtschaft erholt sich teilweise von den Folgen des Corona-Lockdowns. So beurteilen 33 Prozent der Befragten ihre derzeitige Geschäftslage als gut, weitere 33 Prozent sind zufrieden, 34 Prozent schätzen die Lage als schlecht ein. Damit ergibt sich unter dem Strich ein Saldo von minus einem Punkt. Der Wert liegt aber bereits wieder um 35 Punkte höher als noch vor vier Monaten, als die Corona-Krise zu einem Rekordabsturz um 66 Punkte geführt hatte.

Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Betriebe geben Anlass zur Hoffnung auf weitere Besserung: Über alle Branchen zeigen sich 28 Prozent der Befragten zuversichtlich, 51 Prozent sehen keine Anzeichen für Veränderung, 21 Prozent befürchten in den kommenden Monaten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Der resultierende Saldo von plus 7 liegt um 30 Punkte höher als im Frühjahr und damit bereits wieder etwas über dem Vorkrisenniveau. Optimismus kehrt zurück.

Aus den Antworten der mittelfränkischen Betriebe zu Lage und Erwartungen errechnet sich für das IHK-Konjunkturklima ein Indexwert von 102,9. Im Vergleich zum Vorjahresherbst (111,7) hat sich die mittelfränkische Wirtschaft nicht vollständig vom Corona-Lockdown erholt. Doch ein gutes Stück des Weges aus der Krise ist geschafft.

Konjunkturklima nach Wirtschaftszweigen

Schon im Frühjahr hatten sich Unterschiede im Konjunkturklima nach Wirtschaftsbereichen aus der unmittelbaren Betroffenheit und Dauer von Betriebsschließungen sowie aus dem Ausmaß der internationalen Verflechtung einer Branche ergeben. Die Aufhellung des Konjunkturklimas im Herbst 2020 hat alle Branchen erfasst, doch das Ausmaß der Erholung fällt unterschiedlich aus.

Trotz saisonüblich eingetrübter Erwartungen erweist sich die Bauwirtschaft als besonders robust und kann das vorgelegte Wachstumstempo aus dem Vorjahr nahezu unvermindert beibehalten.

Die Verbesserungen in der Industrie sind zwar im Branchenvergleich geringer als in allen anderen Sektoren, doch können sich hier die Geschäftserwartungen am deutlichsten nach oben entwickeln. Zumindest unter den Herstellern von Vorleistungen und von Investitionsgütern hatten schon im Jahr 2019 deutlich absehbare strukturelle Anpassungsbedarfe die Lage eingetrübt. Diese strukturelle Anpassung mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit mag im Zuge der Gestaltung neuer Wertschöpfungsketten etwas in den Hintergrund gerückt sein, wird aber angesichts der unvermindert hohen Bedeutung von Industrieexporten für die mittelfränkische Wirtschaft mittelfristig ein prägender Faktor für das Geschäftsklima im gesamten Wirtschaftsraum bleiben.

Daher spüren die unternehmensnahmen Dienstleister den Kostendruck in der Industrie unmittelbar in ihren Auftragseingängen, am deutlichsten die Transport-, Lager- und Logistikdienstleister. In den übrigen unternehmensnahen Dienstleistungsbetrieben bleibt die Grundstimmung positiv, doch die Einbußen infolge der Corona-Krise sind hier noch nicht überall kompensiert. Gewinner finden sich vornehmlich im Bereich der IT-Dienstleister.
Im Handel dagegen lassen die Nachholeffekte im Konsum nach dem Lockdown die Einschätzungen der Geschäftslage überdurchschnittlich stark steigen. Profitieren können vor allem Betriebe mit attraktiven Social Media-Auftritten und Online-Angeboten. Allerdings ist die Stimmung weithin von Skepsis geprägt. Im Einzelhandel wie auch in anderen verbrauchernahen Sektoren kann die zum Jahresende auslaufende Mehrwertsteuersenkung einen kurzen Nachfrageschub durch vorgezogenen Konsum bewirken, dessen absehbares Ende jedoch schon jetzt die Geschäftserwartungen eintrübt.

Verbrauchernahe Dienstleistungen sowie Beherbergungs- und Reisegewerbe waren während des Frühjahrs und Sommers besonders stark von Umsatzeinbrüchen betroffen. So erklären sich die weiterhin ausgeprägt negativen Salden in den Lageurteilen aus diesen Branchen, in denen Nachholeffekte deutlich geringere Bedeutung haben als im Handel.

Investitions- und Beschäftigungspläne

Mit dem krisenbedingten Fokus auf die Liquiditätssicherung sind die Betriebe gezwungen, ausgebliebenen Einnahmen mit der Kürzung bzw. Streichung von Ausgaben jeglicher Art zu begegnen. Dies hatte schon im Frühjahr erhebliche Folgen für die Investitions- und Beschäftigungsplanungen der mittelfränkischen Unternehmen in nahezu allen Branchen.

Im Bereich der Beschäftigten werden die erleichterten Möglichkeiten zur Anmeldung von Kurzarbeit weiterhin intensiv genutzt. Daneben ergreifen die Betriebe vornehmlich Maßnahmen zur Anpassung der Beschäftigung an eine verminderte Nachfrage wie etwa das Auslaufen von Befristungen oder die natürliche Fluktuation oder auch flexiblere Arbeitszeitmodelle, durch die betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden. Insgesamt planen 24 Prozent der Befragten mit verminderten Belegschaften, während 65 Prozent ihr Beschäftigungsvolumen halten wollen und 11 Prozent expansive Pläne verfolgen. Der Saldo von -13 Punkten liegt nach einem Jahrzehnt des Beschäftigungsaufbaus nun in 2020 zum dritten Mal in Folge im Minus, doch die personellen Einschnitte fallen weit weniger drastisch aus, als es im Frühjahr bei einem Saldo von -38 Punkten noch den Anschein hatte.

Trotz verbesserter Geschäftserwartungen wurden auch die Investitionsplanungen nach unten korrigiert, jedoch ebenfalls weniger stark, als noch im Frühjahr zu befürchten stand. Nachdem zu Beginn der Corona-Krise 37 Prozent der Befragten alle Investitionen vollständig gestoppt hatten, liegen die Planungen im Herbst 2020 nur noch bei 19 Prozent auf Eis; die Umsetzung der neu angepassten Investitionspläne setzt nun ein. Zuversichtlich stimmt, dass dabei 56 Prozent der Befragten ihre Investitionsausgaben erhöhen oder wenigstens konstant halten wollen und nur 25 Prozent mit geringeren Investitionsbudgets planen. Gesamtwirtschaftlich erscheint damit die fatale Spirale aus Auftragsstornierungen, Nachfragerückgängen, Investitionsbremsen, Beschäftigungsabbau und Negativwachstum gestoppt.

Risiken auf dem Weg aus der Corona-Krise

Von zentraler Bedeutung für die Liquiditätsentwicklung im Betrieb ebenso wie für Ausmaß und Geschwindigkeit der gesamtwirtschaftlichen Erholung ist der weitere Verlauf der Umsatzerlöse. So schätzen aktuell 65 Prozent der mittelfränkischen Unternehmen die Inlandsnachfrage und 28 Prozent die Auslandsnachfrage als potenzielles Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ein. Vor einem Jahr lagen die Vergleichswerte noch bei 52 bzw. 19 Prozent. Die Sorgen um die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte (derzeit 38 nach 55 Prozent im Vorjahresherbst) und um die Arbeitskosten (29 nach 45 Prozent) sind demgegenüber in den Hintergrund gerückt, ebenso wie der Blick auf die Energie- und Rohstoffpreise (15 nach 31 Prozent). Wenig verändert zeigen sich die Einschätzungen von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (49 nach 53 Prozent).

Ausblick

Eine deutlich verbesserte Geschäftslage, zuversichtliche Geschäftsaussichten sowie Rückenwind durch unterstützende staatliche Maßnahmen zur Kostenentlastung (insbesondere Kurzarbeit) und zur Belebung der Nachfrage (Investitionsanreize sowie befristete Mehrwertsteuersenkung) prägen das mittelfränkische Konjunkturklima im Herbst 2020.

So ist IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann überzeugt, dass gerade das erstarkte Investitionsklima eine entscheidende Voraussetzung für innovative international wettbewerbsfähige Leistungsangebote der mittelfränkischen Unternehmen ist: „Investitionen bilden die Grundlage für die weitere konjunkturelle Erholung ebenso wie für eine erfolgreiche Bewältigung der strukturellen Herausforderungen durch Megatrends wie Digitalisierung und Klimaschutz.“

Sorge bereitet allerdings der aktuelle europaweite Anstieg der Corona-Zahlen, der sich erst nach dem Ende der Umfrage-Feldzeit am 30. September voll entwickelt hat. „Verbunden mit den teils hektischen Eingriffen der Politik lässt das vor allem für Tourismus, Messe und Gastronomie einen harten Winter erwarten, der hoffentlich nicht auf das Klima in weiteren Branchen durchschlägt“, so der IHK-Präsident.

Anhänge

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IHK-Konjunkturklima - Herbst 2020

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