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Sinnesgenuss rund um edle Tabake

Zigarren, Zigarillos, Pfeiffen, Tabake und Accessoires für den anspruchsvollen Genussraucher bietet Christine Klever seit zweieinhalb Jahren in ihrer „Casa del Puro“ in der Fürther Rudolf-Breitscheid-Straße. Das traditionsreiche Fachgeschäft Zigarren-Ebert, das im selben Haus seit über 100 Jahren besteht, betreibt die Zigarren-Liebhaberin bereits seit 1999 als traditionelles Fachgeschäft für Zigaretten, Rauchutensilien und Zeitschriften. Mit ihrer „Casa“ – das ist in Südamerika die traditionelle Bezeichnung für ein Zigarrengeschäft – hat sich Christine Klever einen persönlichen Traum erfüllt: ein Nischenangebot für Zigarrenliebhaber.

Für Klever ist ihre Casa auch eine Nischeninvestition in die Zukunft des Tabak-Einzelhandel-Fachgeschäfts und eine klare Abgrenzung zu Supermärkten. Und auch ein großes Stück Leidenschaft, wie sie betont. Mit dem Start ist Klever trotz des schwierigen Marktumfeldes zufrieden, bereits seit einem Jahr könne sie kostendeckend arbeiten.

Dabei ist die Branche rund ums Rauchen nicht unproblematisch, wie Klever weiß. Der Zigarren-Boom in Deutschland, der vor etwa zehn Jahren einsetzte, lässt sich ihrer Ansicht nach kaum mehr steigern, bleibe aber auf gutem Niveau. Das Pfeifenrauchen sei dagegen im Verhältnis zur Zigarre deutlich zurückgegangen, es fehle an jüngerem Nachwuchs. Aber es gebe viele Umsteiger auf die Zigarre. Was die Akzeptanz des Rauchens angehe, so müsse man klar zwischen Zigaretten-Konsum und Genussrauchen unterscheiden. An einer Havanna rauche man ein bis zwei Stunden, „das hat nichts mit Konsum oder Sucht zu tun“. Zigaretten dagegen, die hauptsächlich über Kioskbetriebe vertrieben werden, seien ein „Brot- und Butter-Geschäft“ mit geringer Spanne, so Klever. Außerdem erreiche man beim Zigarettenverkauf keine Kundenbindung, u.a. wegen des geringen Beratungsbedarfs. Doch gerade der Fachgeschäft-Charakter mit viel Beratung, Individualität und Zeit für den Kunden ist Christine Klever wichtig. „In diesem höherpreisigen Genuss-Segment will und braucht der Kunde Orientierung und Rat.“ Gerade die rund 500 Stammkunden schätzten den gemeinsamen Austausch über die Eigenschaften dieser oder jener Sorte und auch Ein- und Umsteiger müssten intensiv beraten werden, etwa in Rauchtechnik.

Rund 200 bis 250 verschiedene Zigarren führt Klever in ihrem Sortiment, das damit ihren Angaben zufolge das größte dieser Art in Nordbayern darstellt. Dabei unterscheidet man zwischen so genannten „longfiller“-Zigarren, die handgemacht und aus Südamerika importiert und nach ihrem jeweiligen Herkunftsland unterschieden werden. Die andere große Gruppe nennt sich trockene oder „shortfiller“-Zigarren und besteht aus gehäkselten Tabaken als Einlage, die meist eine Melange von bis zu 15 verschiedenen, aus- und inländischen Tabaken darstellt.

Jede nach Deutschland importierte Kiste Tabak muss zunächst schockgefrostet werden, um dem zerstörerischen Tabakkäfer vorzubeugen. Außerdem ist die richtige Lagerung bei Zigarren, ähnlich wie bei Wein sehr wichtig und daher aufwändig, sonst könne ein Warenwert von etwa 150 000 Euro wie im Falle der Casa del Puro im Nu zerstört werden.

„Wirtschaftswunder-Zigarre“
Ein gutes Beispiel dafür sei die von ihr letztes Jahr auf den Markt gebrachte „Wirtschaftswunder-Zigarre“ im Gedenken an den passionierten Fürther Zigarrenraucher Ludwig Erhard. „Ich habe nachgeforscht, welche Einlagen damals verwendet wurden und bin durch alte Fotos und Film-Interviews mit Erhard darauf gekommen, dass es Sumatra-Tabake waren.“ Man sehe dies deutlich an der starken Rauchentwicklung, die den Altbundeskanzler auf alten Bildern umgibt. Den Auftrag für den „Nachbau“ dieser Zigarre hat Klever an die Firma Don Stefano in Hessen vergeben, die auch ihre Hausmarke fertigt und über jahrzehntelange Erfahrung verfüge. Vergangenes Jahr sei diese Zigarre ihre am stärksten verkaufte gewesen.

Christine Klever hat 1991 mit einem Kiosk angefangen und betreibt zusammen mit ihrem Mann mittlerweile drei Kioskbetriebe, das Fachgeschäft Zigarren-Ebert und die Casa del Puro mit drei festen Mitarbeitern. Es sei leider schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden, da es in der Branche kaum ausbildende Betriebe gebe und für Beratung und Verkauf hochwertiger Tabakwaren keine Fachausbildung bestehe. „Man muss hineinwachsen, wie ich selbst. Das geht am besten mit Leidenschaft.“

De.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2003, Seite 56

 
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