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Wirtschaftskrise

Unsichere Prognosen

"Der Aufschwung kommt am Dienstag um 14 Uhr 22. Aber an welchem Dienstag sage ich nicht." Mit dieser Aussage illustrierte IHK-Präsident Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst beim IHK-Forum "Metropolregion im Gespräch: Mittelstand stärken – Konjunktur stützen" die Unsicherheit der aktuellen Konjunkturprognosen. Zum Schönreden der weltweiten Wirtschaftskrise bestehe kein Anlass. Immerhin zeige sich die Konsumneigung der Verbraucher noch robust, zudem tragen die erweiterten Regelungen der Kurzarbeit dazu bei, Entlassungen zu vermeiden.

In diese Kerbe schlug auch Ministerialdirigent Hermann Faas aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Politik habe die Aufgabe, die Folgen der Finanzkrise erträglich zu gestalten und die funktionierenden Marktkräfte zu stärken. Deshalb habe die Bundesregierung u.a. 900 Mio. Euro für die Innovationsförderung bereit gestellt, um die Entwicklung neuer Produkte zu beschleunigen. Um eine Kreditklemme zu verhindern, wurde ein KfW-Sonderprogramm mit 15 Mrd. Euro aufgelegt. Es geht dabei laut Faas nicht darum, "Banken und Banker zu sichern, sondern den Finanzkreislauf am Leben zu halten". Damit könnten die Hausbanken z.B. bei Investitionskrediten eine hohe Haftungsfreistellung erreichen.

Auch für die weiteren Teilnehmer auf dem Podium, Rudolf Trunk (IHK Würzburg-Schweinfurt), Hans F. Trunzer (IHK Bayreuth) und Gerold Gebhard (IHK Coburg), gab es keinen Grund zur pauschalen Klage. Gebhard berichtete etwa, dass es dem Versicherungsstandort Coburg "nicht schlecht gehe". Selbst bei den Polstermöbelherstellern laufe das Geschäft noch. Trunk, der u.a. auch über den Standort Schweinfurt mit seiner starken Metall- und Zulieferindustrie sprach, diagnostizierte: "Es gibt keine Endzeitstimmung." Viele der aktuellen Probleme seien schon vor der Krise da gewesen. Trunzer sah zwar das überdurchschnittlich industrialisierte Oberfranken auch überdurchschnittlich betroffen. Allerdings gebe es auch Unternehmen mit stattlichen Umsatzsprüngen. Er mahnte, sich nicht in einem weiteren Wettlauf von Konjunkturpaketen zu verheddern.

Die Diskussion wurde von den Zuhörern rege genutzt, Schwierigkeiten aus dem Betriebsalltag anzusprechen. Dazu gehörte etwa die Kritik an einer restriktiven Politik der Hausbanken oder die ungerechtfertigte Belastung der Transportunternehmen bei Besteuerung und Maut. Und schlicht und einfach der Wunsch, die Politik solle den Mittelstand endlich einmal in Ruhe arbeiten lassen.

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2009, Seite 46

 
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