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Primondo-Gruppe

Steiniger Weg nach der Quelle-Insolvenz

Am Ende war der Kampf vergebens: Vier Monate nach dem Insolvenzantrag ist das endgültige Aus für das 82 Jahre alte Traditionsunternehmen Quelle beschlossene Sache. Dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg war es nicht gelungen, einen Investor für die gesamte Primondo-Gruppe mit ihrem Flaggschiff Quelle zu finden. „Das ist der Konkurs im Konkurs, eine besonders schlimme Art von Pleite“, sagte Görg auf einer Pressekonferenz am 20. Oktober. Region und Landesregierung haben den betroffenen Mitarbeitern nun rasche Hilfe zugesagt.

Wie viele der insgesamt 10 500 Mitarbeiter der Primondo-Gruppe schon im November arbeitslos werden, ist noch nicht absehbar. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sprach von voraussichtlich 4 000 bis 5 000 Menschen. Für den Abverkauf der Lagerbestände bis Ende November und eine ordnungsgemäße Buchführung würden noch Arbeitskräfte gebraucht, in spätestens zwei Jahren werde es hier am Standort aber keinen einzigen Quelle-Beschäftigten mehr geben. Für die allesamt zur Primondo-Gruppe gehörenden Spezialversender wie Baby-Walz, den TV-Verkaufssender HSE 24, für den technischen Kundendienst und die Call-Center bestünden hingegen Chancen auf Weiterführung.

Der Zeitpunkt der Nachricht über das Aus für die Quelle wirft nicht nur für die bayerische Arbeitsministerin Christine Haderthauer Fragen auf. So hatten Insolvenzverwaltung und Betriebsrat bis zuletzt verlauten lassen, es gebe vier ernsthafte Interessenten für die Gruppe, und die Kunden würden trotz Insolvenz weiterhin bei Quelle bestellen. Auf der Pressekonferenz am 20. Oktober nannte Görg dann aber die sinkenden Umsatz- und Kundenzahlen neben der Unsicherheit über die notwendige Vorfinanzierung von Ratenkäufen, dem sogenannten Factoring, als ausschlaggebend für das Scheitern der Investorensuche. Der letzte Interessent sei am Montag abgesprungen, sagte Görg. Von da an habe es keine Alternative mehr zur Abwicklung gegeben, selbst bei einem negativen Verkaufsergebnis, im Klartext: Nicht einmal geschenkt und mit Geld oben drauf wollte noch jemand die Quelle haben. „Der Insolvenzverwalter schuldet es dem Steuerzahler und den Mitarbeitern, Transparenz herzustellen“, forderte Haderthauer. Sie könne nicht nachvollziehen, wieso trotz des Massekredits in Höhe von 50 Mio. Euro das bis März 2010 aufgestellte Fortführungskonzept plötzlich nicht mehr getragen habe. Hier gebe es Aufklärungsbedarf. Oberstes Ziel sei nun aber, den Betroffenen rasche Hilfe zukommen zu lassen. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) kündigte sie Maßnahmen und Programme für die Entlassenen an.

Als erstes wurde am 26. Oktober bei Quelle in der Fürther Straße eine vorübergehende Zweigstelle der BA eingerichtet. Die Quelle-Mitarbeiter sollen in ihrer vertrauten Umgebung Gespräche mit den Beratern führen können, sagte der Chef der BA-Regionaldirektion Bayern, Rainer Bomba. Auch die Einrichtung eines psychologischen Krisendienstes vor Ort war angedacht. Bomba sieht aber trotz allem auch Grund zur Hoffnung: „Wir haben in Bayern bundesweit die niedrigste Arbeitslosigkeit“, erklärte er. Von den 55 000 offenen Stellen im Freistaat seien 10 000 in der Region.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung bezeichnete das Ende für Quelle als „Orkan“, der über die Region gefegt habe. Das überraschende Aus habe „beispielloses Entsetzen“ ausgelöst. „Quelle war für die Stadt identitätsstiftend“, betonte er. Es werde Jahre dauern, bis die Region diesen Verlust verarbeitet habe. „Aber wir haben Grundig überstanden und AEG, wir werden auch die Quelle überstehen“, sagte er. „Aber es wird ein steiniger Weg.“

Autor: 
cas.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2009, Seite 52

 
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