Telefon: +49 911 1335-335

Arbeitskreise Schule-Wirtschaft

Wege in die Unternehmen

Unternehmer und Lehrer treffen sich, um sich über aktuelle Bildungsthemen auszutauschen und gemeinsame Projekte voranzubringen: Das ist die Grundidee der Arbeitskreise, von denen es zwölf in Mittelfranken gibt.

In rund 100 Städten und Gemeinden sind Arbeitskreise Schule-Wirtschaft aktiv, geleitet werden sie jeweils von einem Vertreter der Schulen und einem Vertreter der Wirtschaft. „Eine Besonderheit in Nürnberg ist, dass es hier gleich drei Arbeitskreise gibt: für Mittelschulen, Real- und Wirtschaftsschulen sowie Gymnasien“, erklärt Udo Göttemann, Leiter des IHK-Fachbereichs Berufsausbildung. Grund dafür sei die große Anzahl der Schulen in der Stadt. Siegrun Graff, Schulleiterin der Veit-Stoß-Realschule, ist zusammen mit Birgit Nowak-Bachmann von der Sparkasse Nürnberg für den Arbeitskreis Real- und Wirtschaftsschule in Nürnberg verantwortlich. „Alle Realschulen in der Stadt sind in diesem Arbeitskreis vertreten“, sagt Graff, die bereits seit 2001 ehrenamtlich mitarbeitet. Vier- bis fünfmal im Jahr kommen die rund 30 Teilnehmer zum Austausch zusammen.

Drei Initiativen ihres Arbeitskreises hebt die Schulleiterin hervor: Beim „Berufskick“ besucht ein Ausbilder eine 9. Klasse und beantwortet den Schülern individuelle Fragen. Einmal jährlich organisiert der Arbeitskreis eine große Veranstaltung für wechselnde Zielgruppen, das Thema ist immer an der Nahtstelle Schule/Betrieb angesiedelt. In diesem Jahr, bei einer Veranstaltung im Oktober, geht es um die Zeugnisbemerkungen der Lehrer. Schließlich führen alle Realschulen einmal jährlich Informationsabende durch, bei denen sich Firmen in der Schule präsentieren. Die Teilnehmer ihres Arbeitskreises, so Graff, seien „engagierte Leute“. Der persönliche Austausch aller Beteiligten sei wichtig, um die Kluft zwischen Wirtschaft und Schule abzubauen und sich gegenseitig zu vernetzen. 

Neuzugänge sind willkommen

Das kann Caroline Merkel auch für den Arbeitskreis Gymnasium in Nürnberg bestätigen. Die pädagogische Mitarbeiterin im Amt für Allgemeinbildende Schulen in Nürnberg leitet den Arbeitskreis zusammen mit Dr. Jürgen Hollatz von Siemens. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liege auf vier bis fünf Informationsveranstaltungen pro Jahr, die Veranstaltungsorte wechseln dabei. „Die Themen, die bei unseren Treffen im Mittelpunkt stehen, sind immer für beide Seiten interessant“, sagt Merkel, die sich bereits seit zehn Jahren ehrenamtlich engagiert. Als Beispiele nennt sie Web 2.0 und Inklusion, zuständig für die Auswahl der Themen ist ein interner Steuerungskreis. Der Arbeitskreis Gymnasium sei ein offener Kreis, betont die studierte Gymnasiallehrerin: „Neuzugänge sind uns immer willkommen, nicht nur von Großunternehmen, sondern auch von Mittelständlern.“

In der Regel entsendet auch die IHK einen Vertreter in die Arbeitskreise. Im Nürnberger Arbeitskreis Mittelschule engagiert sich Gerd Reinert, IHK-Referent für technische Prüfungen. „Die Teilnehmer sind bei uns rund 40 Schul- und Wirtschaftsvertreter“, sagt Reinert. Was den Arbeitskreis Hauptschule von den anderen beiden unterscheide, sei der besondere Fokus auf die Praxis. Als Beispiel nennt Reinert eine Veranstaltung zum Thema Projektprüfung, bei der die Lehrer von ihren Kollegen aus der Wirtschaft erfuhren, wie dort Projekte aufgebaut und bewertet werden. Als großen Erfolg des Arbeitskreises Hauptschule bezeichnet Reinert den Elternbrief: Es handelt sich dabei um einen Begleitbrief zur Berufswahl, der sich an die Eltern der Schüler richtet. Der Brief, der auch in Sprachen wie Türkisch, Griechisch und Russisch vorliegt, will darüber aufklären, dass sich eine betriebliche Ausbildung lohnt. „Der Elternbrief ist durch das Sponsoring von Mitgliedsbetrieben der IHK und der Handwerkskammer zustande gekommen“, sagt Reinert. Geleitet wird der Arbeitskreis Mittelschule von Christian Kaiser, Abteilungsleiter Berufsbildungs- und Prüfungswesen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, und Wolfram Kriegelstein, Schulamtsdirektor am Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg.

Konfrontation mit der Berufswelt

Auch der Arbeitskreis Roth-Schwabach ist sehr aktiv. Ihm gehören rund 30 Vertreter von allgemeinbildenden Schulen, Berufsschule, Firmen, IHK und Unternehmerfabrik Landkreis Roth an. „Jedes Jahr treffen wir uns zu fünf bis sechs Sitzungen an wechselnden Orten“, erläutert Wolfgang Lösch, Geschäftsführer der Leoni Kabel GmbH in Roth und stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Landkreis Roth. Er führt den Arbeitskreis zusammen mit Dr. Eduard Gradl, Rektor der Anton-Seitz-Mittelschule in Roth. Als beispielhaftes Projekt bezeichnet Lösch das Konzept der gestuften Berufsorientierung an der Anton-Seitz-Schule. Bereits in der 5. Klasse beginnt für die Schüler der berufskundliche Unterricht, in den anschließenden Jahrgangsstufen folgen Projekttage und vertiefte praktische Projekte in der Berufsschule und in Betrieben.

Eine große Unterstützung bietet dabei eine Datenbank mit Praktikums- und Ausbildungsangeboten der regionalen Betriebe. Sowohl Lehrer als auch Schüler können darauf zugreifen, gepflegt wird das Angebot von der Unternehmerfabrik. Ein weiteres Projekt des Arbeitskreises Roth-Schwabach ist ein Berufs-Parcours, eine Art Messe, bei der die Schüler direkt mit den Firmen ins Gespräch kommen können. „Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass die Schüler in der 9. Klasse erstmals mit der Berufswelt konfrontiert werden“, betont Lösch, der die Aktivitäten an der Schule auch als Aufklärungsarbeit versteht: Viele Eltern und Schüler wüssten nicht, was es alles an beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

„Wenn ein Mitglied eines Arbeitskreises sich in den Ruhestand verabschiedet, heißt das nicht automatisch, dass er seine Aktivitäten zum Thema Schule-Wirtschaft aufgeben muss“, sagt Udo Göttemann. Für Ruheständler gibt es die Möglichkeit, ihre Erfahrungen als Senior-Consultant weiterzugeben. 14 aktive Senioren beraten derzeit bayernweit die Arbeitskreise. Alle zwei Jahre treffen sich die Vorstände der mittelfränkischen Arbeitskreise zu einer Regionaltagung. „Vielfalt als Chance“ lautete das Motto der diesjährigen Tagung, die Anfang Juli in Roth stattfand. Ebenfalls alle zwei Jahre schließlich finden auch bayernweite Tagungen statt. Koordiniert und unterstützt werden die Arbeitskreise im Freistaat von der Geschäftsstelle des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw). Austausch und Vernetzung, Ideen entwickeln und Projekte anschieben – diese Prinzipien gelten auf allen Ebenen.

Autor: 
Carsten Lange
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2012, Seite 12

 
Device Index

Alle Ansprechpartner auf einen Blick