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Emuge-Franken

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Zwei Generationen der Unternehmerfamilie Glimpel: Cornelia Glimpel-Pompe, Thomas Pompe, Helmut Glimpel, Gerhard Knienieder und Ulrike Glimpel-Knienieder (v. l.).

Emuge-Franken in Lauf a. d. Pegnitz ist weltweit mit führend bei Präzisionswerkzeugen im Premiumsegment.

Die Zukunft beginnt hinter einer Glaswand, die an die Eingangshalle der Zentrale von Emuge-Franken anschließt. Von hier aus können Besucher einen Blick auf Werkbänke, Rechner und Maschinen werfen, die für die Entwicklung neuer Produkte und die Arbeit an Kundenprojekten eingesetzt werden. Gegenüber, auf der anderen Seite des Foyers, hängt ein Relief mit dem Portrait von Richard Glimpel (1894 – 1978). Dem Firmengründer würde der Ausblick auf die Innovationsschmiede des in Lauf ansässigen Unternehmens sicherlich gefallen, denn er war selbst ein leidenschaftlicher Technik-Tüftler. Als Erfinder des Einschnitt-Maschinengewindebohrers wurde der Schlossermeister für seine Lebensleistung 1963 mit der Dieselmedaille ausgezeichnet.

Als Richard Glimpel 1920 die Präzisions-Werkzeugfabrik Nürnberg-Lauf Moschkau & Glimpel gründete, hatte er sich vorgenommen, „den besten Gewindebohrer für jedes Material zu entwickeln“. Dieser Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch die fast 100-jährige Geschichte des Familienunternehmens, das sich im Premiumsegment für Präzisionswerkzeuge eine führende Position auf dem Weltmarkt erarbeitet hat.

Den Unternehmensverbund Emuge-Franken bilden die Firmen Emuge-Werk Richard Glimpel GmbH & Co. KG und die Franken GmbH & Co. KG, deren Werk sich in Rückersdorf befindet und 1958 übernommen wurde. Dieser Zukauf hat das Produktportfolio um Fräswerkzeuge erweitert, die unter dem Markennamen „Franken“ verkauft werden. Der Unternehmensverbund beschäftigt insgesamt rund 1 800 Mitarbeiter, davon etwa 1 300 an den Standorten Lauf und Rückersdorf. Emuge-Franken stellt Produkte der Gewindeschneid-, Prüf-, Spann- und Frästechnik her. Insgesamt 40 000 verschiedene Artikel sind auf Lager; dazu kommen zahlreiche Sonderwerkzeuge, die individuell nach Kundenwünschen gefertigt werden. Die Präzisionswerkzeuge „Made im Nürnberger Land“ kommen vor allem in Automobilindustrie, Maschinenbau, Energieerzeugung, Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt zum Einsatz.

Über die Hälfte des Umsatzes (dessen Höhe die Firma allerdings nicht veröffentlicht) erzielt Emuge-Franken mit der Produktgruppe Gewindeschneidtechnik. Ein wichtiges Segment sind Gewinde in Fahrzeugkomponenten, wie Geschäftsführer Gerhard Knienieder erklärt. Wer den Diplom-Kaufmann nach den Gründen für das kontinuierliche Wachstum des Familienunternehmens fragt, muss nicht lange auf eine Antwort warten: „Wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern Systemlösungen. Damit helfen wir unseren Kunden, ihre Fertigungsprozesse zu optimieren.“ Dabei spielen Beratung und Service eine Schlüsselrolle, wie Gerhard Knienieder am Beispiel von Gewindebohrern illustriert: „Unser Sortiment besteht aus Werkzeugen für alle Anwendungen. Die Auswahl richtet sich nach Material, Tiefe und Durchmesser des Gewindes. Die falsche Wahl kann sogar zu einem Produktionsausfall führen.“ Damit dieses Szenario nicht eintritt, unterstützen die Experten von Emuge-Franken die Anwender: „Unsere Mitarbeiter beraten vor Ort. Gemeinsam mit den Kunden entwickeln wir Produkte und Verfahren für spezielle Anforderungen“, so Knienieder.

Weltweites Netzwerk

Dieser beratungsintensive Kundenkontakt erfordert ein globales Netzwerk: Das fränkische Unternehmen ist in 52 Ländern über eigene Niederlassungen oder Vertriebspartner vertreten. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes erzielt Emuge-Franken außerhalb Deutschlands, wobei neben den USA und China die europäischen Staaten die wichtigsten Exportmärkte darstellen. Für Gerhard Knie- nieder steht fest: Die Auslandsaktivitäten geben dem Wachstumskurs des Unternehmens Rückenwind. „Wir profitieren von der Globalisierung“, so der Geschäftsführer. In China sei „Made in Germany“ sehr gefragt. Vor allem in den Schlüsselindustrien Flugzeug- und Fahrzeugbau gebe es chinesische Kunden mit hohem Qualitätsanspruch. „Als einer der Weltmarktführer im Premiumsegment sind wir dort gut aufgestellt.“

Um diese Position zu halten, investiert Emuge-Franken kräftig in Forschung und Entwicklung: Neue Werkstoffe, beispielsweise Composite-Materialien, oder additiv gefertigte Werkstücke mit veränderten Materialeigenschaften stellen den Hersteller von Präzisionswerkzeugen vor neue Herausforderungen. „Wir sind für Hightech-Branchen tätig, da sind wir immer am Puls der Zeit“, stellt Gerhard Knienieder fest. Dazu gehört auch der Know-how-Transfer mit Hochschulen, wie beispielsweise die Kooperation mit der RWTH Aachen.

Ein Beispiel für eine wegweisende Innovation aus der Entwicklungsabteilung von Emuge-Franken ist „Punch Tap“, ein patentiertes Verfahren für die Herstellung von Innengewinden. Während Gewinde seit Jahrzehnten durch Bohren, Fräsen und Schneiden hergestellt werden, setzt „Punch Tap“ auf eine neue Technik, die auf Stanzen und Formen basiert. Dieses Verfahren wurde gemeinsam mit Audi zur Serienreife gebracht und kommt in der Produktion des Automobilherstellers zum Einsatz. „Punch Tap“ hilft den Anwendern, den Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig das Tempo in der Produktion zu erhöhen; machbar sind bis zu 75 Prozent Zeitersparnis im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren.

Die digitale Transformation in der Fertigung – Stichwort Industrie 4.0 – sieht Gerhard Knienieder nicht als Bedrohung, sondern als „Riesenchance“, sowohl für das eigene Unternehmen als auch für den Standort Deutschland: „Wir müssen Kompetenzen aufbauen, um Systeme und Infrastrukturen zu managen und Wertschöpfungsketten neu zu gestalten.“ Das seien die entscheidenden Voraussetzungen, um mithilfe digitaler Technologien qualitativ hochwertige Produkte herzustellen. „Unsere Phantasie reicht nicht aus, um uns die Arbeitswelt 2035 vorzustellen. Aber wir müssen heute die Basis schaffen, um dann dabei zu sein“, so das Credo des Geschäftsführers. Gleichwohl kann er nachvollziehen, dass der digitale Wandel auch Ängste auslöst. Deshalb möchte er für Aufbruchsstimmung sorgen. Dies gelinge jedoch nur in einer Firmenkultur, die auf Kontinuität und gemeinsame Werte setzt. „Als vor Ort verwurzeltes Familienunternehmen sehen wir eine besondere Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und der Heimatregion“, betont Gerhard Knienieder, der sich als stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Lauf ehrenamtlich für die regionale Wirtschaft engagiert.

Dieses Prinzip gilt für alle Generationen der Inhaberfamilie: Helmut Glimpel, der Sohn des Firmengründers, ist 1956 in das Unternehmen eingetreten. Zehn Jahre später wurde er Geschäftsführender Gesellschafter und übernahm 1978 nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Unternehmens. Der Firmeninhaber arbeitet noch heute regelmäßig in seinem Büro mit seinen Töchtern Cornelia Glimpel-Pompe und Ulrike Glimpel-Knienieder sowie den Schwiegersöhnen Thomas Pompe und Gerhard Knienieder. Für seine unternehmerische Leistung und sein soziales Engagement erhielt Helmut Glimpel 2010 die Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf.

Aus einem Interview mit Helmut Glimpel stammt das Zitat „Die Ausbildung hat bei uns seit jeher einen hohen Stellenwert.“ Dieser Satz ist mehr als ein Lippenbekenntnis, denn bei Emuge-Franken haben bislang weit über tausend junge Menschen eine technische oder kaufmännische Lehre absolviert. „Bei uns hat es Tradition, dass wir den Nachwuchs im eigenen Unternehmen ausbilden“, unterstreicht Gerhard Knienieder. „So vermitteln wir das nötige Know-how, um unseren Qualitätsanspruch zu halten.“ Aktuell sind im Unternehmensverbund 60 Auszubildende als Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Technische Produktdesigner oder als Industriekaufleute tätig. Der Geschäftsführer ist ein großer Fan der dualen Berufsausbildung („das beste berufliche Bildungssystem der Welt“). Er weiß zu schätzen, dass in der Lehre ein solides Fundament für das lebenslange Lernen gelegt wird. Etwa ein Drittel eines Ausbildungsjahrgangs von Emuge-Franken bildet sich zum Techniker oder Industriemeister weiter. „Diese hoch qualifizierten Facharbeiter tragen entscheidend dazu bei, die Herausforderungen der Industrie 4.0 zu meistern“, so Gerhard Knienieders Fazit.

Autor: 

(aw.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2018, Seite 80

 
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