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Ausbildung

Qualitätsarbeit

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Mit welchen Aktivitäten sichert die IHK die Qualität der beruflichen Ausbildung? Interview mit IHK-Expertin Carolin Schweizer.

Vor drei Jahren wurde die bundesweite „Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015 – 2018“ geschlossen. Die Partner (Bundesregierung, Bundesländer, Wirtschaft, Gewerkschaften, Bundesagentur) haben gemeinsame Anstrengungen vereinbart, um die berufliche Bildung zu stärken. So sollen u. a. die Qualität in der beruflichen Bildung weiter verbessert und die Zahl der Ausbildungsabbrecher gesenkt werden. Um diese Aufgabe kümmert sich bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken seit drei Jahren Carolin Schweizer, die langjährige Erfahrungen im Bildungsbereich mitbringt.

Wie regieren Sie, wenn Sie erfahren, dass ein Azubi die Ausbildung abbricht?

Wenn wir von einer vorzeitig beendeten Ausbildung erfahren, gehen wir auf die Ausbildungsabbrecher und auf die Betriebe zu. Mit einem Fragebogen erheben wir, welche Gründe zum Abbruch geführt haben. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen, jedes zweite Unternehmen antwortet uns. Ein erheblicher Teil davon bittet uns um Kontaktaufnahme und Unterstützung.

Welche Unterstützung können Sie konkret anbieten?

Wenn die Ausbildung abgebrochen wird, geschieht dies in drei Vierteln aller Fälle im ersten Ausbildungsjahr. Erstaunlicherweise gibt die Mehrzahl der Abbrecher an, dass sie zwar mit Eltern und Freunden über die Probleme im Betrieb sprechen, nicht aber mit dem Ausbilder. Deshalb erörtere ich mit den Personalverantwortlichen mittels eines Fragebogens, wie die Einarbeitung im Unternehmen verläuft. Dabei hinterfrage ich insbesondere auch die Feedback-Kultur im Unternehmen.

Für die Unternehmen stellt sich natürlich auch die Frage, wie sie den vakanten Ausbildungsplatz schnell nachbesetzen können. Auch hier helfen wir weiter. Wir erfassen die Daten sowohl der suchenden Betriebe als auch der potenziellen Bewerber und bringen diese – natürlich nach entsprechender Einverständniserklärung – miteinander in Kontakt. Zweimal im Jahr organisieren wir in der IHK ein „Speed-Dating“, bei dem sich die Beteiligten persönlich kennenlernen können. Das stößt immer auf sehr große Resonanz.

Welche Maßnahmen ergreift die IHK noch zur Qualitätssicherung?

Jeder Azubi bekommt zu Beginn seiner Ausbildung unseren Flyer „Niederschwelliges Beschwerdemanagement“, der die Beratungsleistung der IHK erläutert. Alle Azubis wissen also, dass Sie bei Problemen frühzeitig reagieren sollten und auch die IHK einschalten können.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass wir Kontakt mit allen jungen Leuten aufnehmen, die die IHK-Abschlussprüfung zum zweiten Mal nicht bestanden haben. Ich berate sie dann in Bezug auf Nachhilfe, Prüfungsvorbereitungskurse, Lernmaterialien und Lerntechniken. In vielen Fällen muss man den jungen Menschen vor allem Mut machen, einen weiteren Prüfungsversuch zu wagen. Wenn der Azubi noch im Betrieb unter Vertrag ist, binde ich den Ausbilder mit in die Beratung ein. Zu unserer großen Freude besteht weit mehr als die Hälfte der jungen Menschen, die wir beraten haben, die Prüfung im dritten Anlauf. Wir haben einmal frühere Prüfungsjahrgänge analysiert, als es diese Beratung noch nicht gegeben hat. Damals war nur ein knappes Drittel der vorher durchgefallenen Prüfungskandidaten in der Wiederholungsprüfung erfolgreich. Es ist nicht grundsätzlich so, dass die Zahl der Durchfaller gestiegen wäre. Aber wir stehen vor neuen Herausforderungen, etwa durch Flüchtlinge und andere Prüflinge mit sprachlichen Problemen, die sich mit der Erfassung von Texten und Aufgaben schwer tun. Deshalb werden wir weiter intensiv daran arbeiten, die jungen Leute gut auf die Prüfungen vorzubereiten.

Stoßen Sie bei den Betrieben mit dem Thema Ausbildungsqualität auf offene Ohren?

In den allermeisten Fällen ja. Die Ausbilder und Personaler sind sehr bemüht, sich beim Thema Ausbildung immer wieder neu aufzustellen. Auch den meisten Geschäftsführern ist bewusst, dass eine professionelle Personalplanung und -entwicklung die Grundlage für eine langfristige Fachkräftesicherung darstellt. Die hohe Beteiligung an unserer Seminarreihe für Ausbilder ist ein Indiz dafür, dass die Betriebe das Thema sehr ernst nehmen. Es gibt aber auch „schwierige“ Betriebe, die unseren Bildungsberatern über einen längeren Zeitraum auffallen, weil es an der Ausbildungsqualität hapert. Diese nehmen wir näher unter die Lupe: Wie viele Abbrüche gab es in den letzten Jahren? Lagen diese über dem Branchenschnitt? Von wem gingen Kündigungen aus und welche Gründe wurden angegeben? Gab es Beschwerden? Wenn ja, zu welchen Themen? Gemeinsam mit dem zuständigen Bildungsberater unseres Hauses suche ich dann das Gespräch mit dem jeweiligen Unternehmen.

Wie reagieren die Betriebe auf eine solche Kontaktanfrage?

Wir positionieren uns in erster Linie als unterstützende Institution, die mit den Verantwortlichen zusammenarbeiten will. Stellen Sie sich vor, es gibt in einem Betrieb immer wieder Beschwerden über den Ausbilder. Ein Ansatz kann dann sein, mit der Unternehmensleitung zu erarbeiten, wie Aufgaben neu verteilt werden können. Wenn Betriebe nicht kooperieren oder auf Terminanfragen nicht reagieren, dann müssen wir im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten aber auch durchgreifen. Im schlimmsten Fall kann das bis zur Entziehung der Ausbildungsberechtigung führen. Aber das ist zum Glück die Ausnahme.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2018, Seite 18

 
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