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Ausbildung

Integration gemeistert

Dess+Falk_Azubi wird Ausbilder © Dess + Falk

Gratulation zur Ausbildereignung: Stefan Kastner (Leiter IHK-Geschäftsbereich Berufsbildung), Amer Alhasan, Michael Simon (Geschäftsführer Dess + Falk) und IHK-Integrationsberater Addis Mulugeta (v. l.).

WiM-Gespräch mit dem Syrer Amer Alhasan, der nach seiner Flucht eine Ausbildung absolvierte und heute selbst Azubis betreut.

Amer Alhasan stammt aus der syrischen Hauptstadt Damaskus und hatte in seiner Heimat ein Studium der Sanitär- und Wassertechnik absolviert. 2012 ist er vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland geflohen. Im Herbst 2014 kam er über Libyen nach Deutschland, nachdem er zunächst im Libanon und in der Türkei auf Baustellen bzw. als Schneider gearbeitet hatte. In Deutschland hat er sich schnell integriert und schließlich erfolgreich eine Ausbildung zum Technischen Systemplaner bei dem Nürnberger Ingenieurbüro Dess + Falk absolviert, das auf die Bereiche Elektro, Heizung, Sanitär, Lüftung und Kälte spezialisiert ist.

Warum haben Sie sich für Deutschland entschieden, was waren zuvor Ihre Vorstellungen von Deutschland?

In meiner Zeit in der Türkei habe ich viel über Deutschland gelesen. Auch, dass man dort viele Möglichkeiten etwa im Bildungsbereich hat. Ich dachte, Deutschland ist ein intelligentes Land, das in die Entwicklung und Weiterentwicklung junger Köpfe investiert. Auch Freiheit und Sicherheit waren wichtige Gründe. Deshalb habe ich entschieden, dass ich nach Deutschland gehe, egal welche Schwierigkeiten mich erwarten. Der Weg war nicht einfach durch die Wüste in Libyen und dann über das Meer nach Italien und schließlich nach Deutschland.

Wie sind Sie dann in Deutschland gestartet?

Als erstes begann ich, die Sprache zu lernen. Meine Anerkennung als Asylbewerber hat ca. sechs Monate gedauert. Danach habe ich etwa ein Jahr lang einen Integrationssprachkurs gemacht und gleichzeitig einen Minijob bei einer Änderungsschneiderei gehabt. So hatte ich viel Kontakt mit Menschen und versuchte, dadurch auch meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Das war echt hilfreich.

Wie kamen Sie auf Ihren Ausbildungsberuf und zu Ihrem Ausbildungsplatz?

Ich hatte zahlreiche Gespräche mit Beratern bei der IHK und der Arbeitsagentur. Schließlich habe ich mich für die Ausbildung zum Technischen Systemplaner entschieden, weil sie nah an meinem Studium ist. Ich war begeistert, dass ich den Ausbildungsplatz bekommen habe und dass man bei Dess + Falk an mich geglaubt hat. Die duale Ausbildung in Deutschland hat für mich den Vorteil, dass man viele praktische Erfahrungen sammeln kann. Außerdem konnte ich bei Dess + Falk zahlreiche Schulungen machen. Die Ausbildung war für mich auch ein Beitrag zur Integration, weil man ständig im Kontakt mit Arbeitskollegen und Schulkameraden ist.

Welche Themen haben Ihnen in der Ausbildung besonders gefallen?

Die Sanitär-Abteilung hat mich angesichts meines Studiums besonders interessiert, beispielsweise die Planung von Bewässerung und Entwässerung. Und die Abteilung Heizungsplanung war etwas Neues für mich, weil ich aus einem warmen Land komme und Heizungssysteme daher unbekannt für mich waren.

Sie geben nun Ihr Wissen sogar als Ausbilder an neue Azubis weiter. Wie kam es dazu?

Dess + Falk hat viele Schüler als Praktikanten, die ich gerne betreut habe. Weil mir das viel Spaß gemacht hat, hat mir unsere Personalabteilung vorgeschlagen, die Weiterbildung zum Ausbilder zu machen. Ich fand den Vorschlag toll und finde es interessant, mit anderen jungen Leuten zu tun zu haben. Meiner Meinung nach sollte ein guter Ausbilder Lehrer und Erzieher, aber auch Freund sein. Aktuell betreue ich vier Azubis und bin sehr begeistert von dieser Aufgabe. Ich möchte sie motivieren und ihnen den Weg zeigen, wie sie Schritt für Schritt das Ausbildungsziel erreichen können.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich überlege derzeit, eine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt zu machen und mehr über Führungsprinzipen zu lernen. Ich möchte immer gerne Neues lernen.

Autor: 

Die Fragen stellte Stefan Kastner, Leiter IHK-Geschäftsbereich Berufsbildung.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 02|2021, Seite 20

 
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