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Cueconcept

Auf dem neuesten Messestand

Cueconcept © Cueconcept

Das Führungs-Team von Cueconcept: Stefan Noering, Benjamin Lechler, Thilo Boegner und Katharina Glaß (v. l.).

Die Digitalagentur ist auf virtuelle Veranstaltungen spezialisiert und sieht die Messebranche im Wandel.

Gut zwei Jahre lang hat Corona nahezu alle Ausstellungen und Veranstaltungen ausgebremst, persönliche Kundenkontakte waren über Monate hinweg nicht möglich. Auch wenn Messen inzwischen wieder vor Ort stattfinden können, werden sich die Ausstellungen und die Art und Weise des Zusammentreffens stark verändern, ist sich Benjamin Lechler, Geschäftsführer der Cueconcept GmbH in Nürnberg, sicher. "Nicht mehr die Produkte und Leistungen werden im Fokus stehen, sondern das Networking." Mehr Party und Event also auf dem Messestand, die reine Produktpräsentation werde dafür immer mehr digital stattfinden – auch unabhängig von den Messen, sagt er: "Wer den digitalen Marktplatz beherrscht, wird auch künftig Marktführer sein." Lechler geht davon aus, dass die digitalen Angebote in Zukunft immer wichtiger werden. Doch ein Livestream von einer Veranstaltung habe noch nichts mit Digitalisierung zu tun. Cueconcept wolle eine funktionierende Verbindung von virtueller und physischer Welt schaffen und verlagere die Produktpräsentation zu 100 Prozent in den digitalen Raum, so der Geschäftsführer.

Für die Siemens AG hat Cueconcept jetzt einen sogenannten "digitalen Zwilling" für den Bereich Messe- und Event-Kommunikation geschaffen. Das "Siemens Visitor Center" in Amberg mit dem Namen "The Impulse" ist eines von mehreren "Digital Enterprise Experience Centers" weltweit. Es sei ein Begegnungsforum, das sowohl Kunden, Journalisten und Interessierte analog, aber in der jetzigen Pandemie-Zeit insbesondere digital zum Informationsaustausch und Verkaufsdialog einlädt, erklärt Lechler. Auf der neu konzipierten digitalen Plattform "Cuenect" ermöglicht die Kombination von Elementen aus den Bereichen Gaming, Conferencing und Cloud-Technologie die komplette Simulation eines physischen Besuches und Messeerlebnisses. "Das virtuelle Experience Center der Siemens AG fungiert als State-of-the-Art-Marktplatz und ermöglicht reale Deals in Space", erläutert der Geschäftsführer im Fachjargon. Als sogenannte "Leuchtturmfabrik der Zukunft" wurde es auch bereits vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet. Die Technologie-Entwicklung gilt laut Auszeichnung "als Musterbeispiel für die innovativste digitale Lösung, wenn es um das virtuelle Zurverfügungstellen von Informationen in Verbindung mit Verkaufsgesprächen geht".

Arbeiten mit dem "digitalen Zwilling"

Schon seit über zehn Jahren betreut Cueconcept die Messe- und Eventauftritte von Siemens. Zu vielen Siemens-Messen und Events habe das Nürnberger Unternehmen zur schnelleren und einfacheren Abstimmung den sogenannten digitalen Zwilling virtuell entworfen und weiterentwickelt. Die Informations- und Verkaufsplattform mache es möglich, mit den Kunden weltweit digital zu jeder Tages- oder Nachtzeit das Impulse-Center zu betreten und dabei auch Verkaufsabschlüsse und Informationsvermittlung digital zu forcieren, erklärt Lechler. Bereits in der Bauphase habe sich der parallele Ansatz, einen "digitalen Zwilling" in der virtuellen Welt anzulegen, für den Kunden, die Architekten und die Produktmanager bewährt: Das Center wurde vom ersten Tag an per Bauwerksdatenmodellierung (Building Information Modeling, BIM) erstellt, bei dem das Gebäude zuerst digital und dann real gebaut wird. "Selbst kleinste Abweichungen können so schon während der Ausführungsphase erkannt und geändert werden", sagt der Geschäftsführer. Ein funktionales 3D-Modell visualisierte das Gebäude bereits vor der Bauphase detailliert und realitätskonform und unterstützte dabei den BIM-Prozess. Farben und Mobiliar, Wegeführungen, Monitore, Ausstellungseinrichtungen, Filmpräsentationen, 3D-Produktmodelle, Animationen und Verkaufsunterlagen könnten so nicht nur virtuell getestet werden, sondern würden durch Software-Applikationen für mögliche Verkaufsgespräche immer authentischer.

Ursprünglich kam das vor mehr als 30 Jahren vom heutigen Mitgeschäftsführer Thilo Boegner gegründete Unternehmen aus der Konferenztechnik und hat die Beleuchtung und Beschallung für Messen, Konferenzen und Events übernommen. Doch die MICE-Branche (Meetings Incentives Conventions Exhibitions bzw. Events) habe sich weiterentwickelt, der Bedarf der Kunden habe sich verändert, erläutert Lechler. Vor einigen Jahren hat das Unternehmen deshalb mit Programmierungen begonnen und sich Schritt für Schritt in die Software für Messen eingearbeitet: "Eine Transformation vom klassische Hardware-Vermieter und -Verkäufer hin zum Software-Spezialisten", so der Geschäftsführer.

Zunächst wurde der Planungsprozess digitalisiert: "Statt Bildchen zu malen, haben wir das in einem Spiel abgebildet." So war es möglich, schon vor dem Bau im Egoshooter-Modus über den Messestand zu laufen. Dadurch entstand schließlich die Idee für einen digitalen Zwilling von Messeständen, die das Unternehmen in den vergangenen sieben bis acht Jahren kontinuierlich ausgebaut hat. Dabei fließen sowohl die komplette Kommunikation als auch alle Daten aus den Konstruktionsdateien ein und es entsteht eine umfängliche Abbildung des Messestandes im Digitalen.

Enormer Bedarf am Markt

Mit 32 Beschäftigten erzielt das Unternehmen heute mit Leistungen in den Bereichen IT-Services, Software-Entwicklung, Management und Kundenberatung einen Umsatz, der nach eigenen Angaben im hohen siebenstelligen Bereich liegt. Und diese Leistungen sind dem Unternehmen zufolge bisher einzigartig, das habe in dieser Form noch kein Wettbewerber. Entsprechend groß sei die Nachfrage: "Der Bedarf am Markt ist enorm, wir sind heute in der Situation, dass wir einen Großteil der Anfragen absagen müssen", so Lechler.

Als Ziel nennt er ein "gesundes Wachstum": Ein bis zwei neue Kunden will Cueconcept jedes Jahr gewinnen. "Wir hätten uns längst verdoppeln können, aber wir wollen es nicht übertreiben", sagt der Geschäftsführer. Das mache auch keinen Sinn, weil mit den Leistungen ein großer Beratungsbedarf und viel individuelle Anpassung verbunden seien. Die Angebote seien keine Lösung, die man schnell implementiert, sie erforderten vielmehr einen kompletten Veränderungsprozess. Deshalb will das Unternehmen eher langfristige Geschäftsbeziehungen als Kunden, die schnell mal einen Messeauftritt ersetzen wollen.

Die Ursprünge aus der Konferenztechnik hat das Unternehmen dennoch nicht komplett aufgegeben: Die Nürnberger Schwesterfirma Pave GmbH übernimmt immer noch das komplette physische Geschäft. "Die Kombination aus voll digitaler und physischer Technik ist hoch interessant", sagt Lechler. "Mit den beiden Firmen, die das Thema Hybridisierung für den Kunden perfekt abdecken, erschaffen wir die Marktplätze der Zukunft", so seine Einschätzung.      

Autor: 

(leo.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2022, Seite 68

 
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