In der Folge des Ukraine-Krieges sind die Gaslieferungen aus Russland seit Mitte Juni stark zurückgegangen.  Die Energiepreise sind in der Folge stark gestiegen und setzen die Betriebe unter Druck: Laut einer Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sehen 53 Prozent der Unternehmen durch die hohen Kosten ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr gegeben. Es besteht die Gefahr einer Gasmangellage, die für Unternehmen auch eine Rationierung der Energiemengen bedeuten würde.

Vor diesem Hintergrund sind anbei wichtige Informationen für Unternehmen rund um das Thema „Energiekrise“ zusammengefasst.

Position der IHK Nürnberg für Mittelfranken / Position der IHK-Organisation

„Die deutsche Wirtschaft ist in existenzieller Gefahr“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Energiesituation. Deshalb erneuert die IHK Nürnberg für Mittelfranken noch einmal ihre zentralen Forderungen, die die Vollversammlung bereits Ende Juni im IHK-Positionspapier „Energiepreise auf Rekordniveau: Notfallmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung und der Wettbewerbsfähigkeit“ aufgestellt hat.

In der IHK-Präsidiumssitzung am 20. September wurden dazu die aus der Sicht der Wirtschaft wichtigsten Punkte besonders hervorgehoben. Wichtigste Forderung: Das Energieangebot ausweiten.

Hier finden Sie die ganze Pressemitteilung unserer IHK zur Energiekrise in Deutschland

Bereits im Juni 2022 hatte die mittelfränkische Wirtschaft sich in einem Positionspapier zur Energiekrise (PDF) geäußert. Darin fordert die Vollversammlung der IHK Nürnberg für Mittelfranken Notfallmaßnahmen, um die Energieversorgung sowie die Wettbewerbsfähigkeit am Standort sicherzustellen. Im Fokus standen drei Kernforderungen: Option Erdgas als Brückentechnologie sichern, Energiepreise wettbewerbsfähig halten sowie Erneuerbare Energien rasant ausbauen und Klimaschutz forcieren.

IHK-Positionspapier zur Energiekrise herunterladen (PDF)

Position der IHK-Organisation:

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat in einer Krisen-Resolution am 20. September sofortige Entlastungen für Unternehmen gefordert. Die Resolution, die gemeinsam von allen 79 Industrie- und Handelskammern verabschiedet wurde, listet zehn kurzfristig wirksame Sofort-Maßnahmen auf.

DIHK-Vollversammlung fordert in Krisen-Resolution schnelle Ausweitung des Energieangebots: „Sofortige Entlastungen für Unternehmen sind zwingend erforderlich“ (www.dihk.de)

Gaspreisbremse: „Abwehrschirm“ gegen steigende Energiekosten

Die Bundesregierung hat sich am 29. September auf einen „Abwehrschirm“ geeinigt: Die hohen Energiepreise sollen durch eine Gaspreisbremse begrenzt werden. Der Abwehrschirm solle sowohl Betriebe als auch Privatleute vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit durch die hohen Preise schützen.

Um die Gaspreise zu stabilisieren, soll demnach der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) mit insgesamt rund 200 Mrd. Euro Gasimporteure und Endversorger entschädigen, damit diese steigende Preise nicht an die Verbraucher weitergeben. Die genaue Umsetzung der Gaspreisbremse soll durch eine Expertenkommission festgelegt werden. Geplant ist ein subventionierter „Basisverbrauch“ für Verbraucher, sowie für kleine und mittlere Unternehmen. Für eine bestimmte Energiemenge würden dann verminderte Preise gelten, darüber hinaus verbrauchte Energie müsste zu Marktpreisen hinzugekauft werden. Für große Firmen sollen individuelle Absprachen getroffen werden.

Die Gasumlage, über die insbesondere seit der Verstaatlichung von Uniper vermehrt gestritten worden war, wurde durch Bundesregierung gekippt: Sie ist nicht mehr nötig, da die betroffenen Gasimporteure durch die Mittel des WSF direkt unterstützt werden. Die ab Oktober zusammen mit der Gasumlage angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer auf den Gasverbrauch wird allerdings beibehalten und gilt ab 1. Oktober. Die Senkung wird außerdem auch für Fernwärme gelten. Zudem wurde für Unternehmen ein Bürokratie-Moratorium angekündigt, um für die nächsten Monate zusätzliche bürokratischen Belastungen für Betriebe gering zu halten.

BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl begrüßte die Einigung, mahnte aber gleichzeitig zur Eile bei der Umsetzung: „Die Politik darf jetzt keinen Tag verlieren, denn schon heute wissen viele Unternehmerinnen und Unternehmer nicht, wie sie die Energiekosten stemmen sollen. Unser Wirtschaftsstandort ist daher in großer Gefahr“, betont der BIHK-Chef in einer Stellungnahme.

Mehr zum Beschluss hat die Tagesschau auf einer Informationsseite zusammengestellt (www.tagesschau.de)

Die Unterlagen zum jetzt beschlossenen Abwehrschirm finden Sie unter www.bundesregierung.de/resource/blob/997532/2130920/2046cb91023bbd61eca3f3102c987fe8/2022-09-29-finanzieller-abwehrschirm-data.pdf?download=1

Drittes Entlastungspaket der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat ihr drittes Entlastungspaket vorgestellt, mit dem die finanziellen Auswirkungen der stark gestiegenen Energiekosten weiter abgemildert werden sollen. Kleinere Unternehmen sollen mit der Strompreisbremse entlastet werden. Energieintensive Unternehmen werden mit 1,7 Milliarden Euro entlastet. Zudem soll es weitere Bürgschaften und KfW-Hilfen geben und Erleichterungen beim Insolvenzrecht geschaffen werden. Die Sonderregelungen für das Kurzarbeitergeld werden über den 30. September 2022 hinaus verlängert.

Ergebnispapier des Koalitionsausschusses (PDF)

Informationen zum Entlastungspaket auf der Webseite der Bundesregierung

Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken, vermisst jedoch eine spürbare Entlastung des Mittelstands, um dessen Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. In einer Pressemitteilung der IHK äußert er sich zum dritten Energie-Entlastungspaket.

Pressemitteilung der IHK Nürnberg für Mittelfranken: Entlastung des Mittelstands bleibt aus

Verordnungen für Energieeinsparung / Energieeinspar-Verordnung

Das Bundeskabinett hat zwei Energieeinsparverordnungen gebilligt. Beide Verordnungen basieren auf dem Energiesicherungsgesetz (§ 30 EnSiG). Die zwei Verordnungen beinhalten konkret Maßnahmen zur Energieeinsparung für die kommende und die übernächste Heizperiode und adressieren die öffentlichen Körperschaften sowie Unternehmen und private Haushalte. Neben der Einsparung von Gas sind auch Maßnahmen vorgesehen, die den Stromverbrauch senken sollen, da dies dazu beiträgt, die Stromerzeugung mit Gas zu verringern.

Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“ (Kurzfrist-Energieversorgungssicherungs-Maßnahmenverordnung – EnSikuMaV):

Das Bundeskabinett hat am 24. August eine Energieeinsparverordnung beschlossen, nach der für Unternehmen ab dem 1. September eine Reihe neuer Vorschriften gelten. Am 28. September wurden die Regelungen nochmals angepasst. Besonders öffentliche Unternehmen, der Handel sowie die Energie-, Immobilien- und Tourismuswirtschaft müssen nun kurzfristig eine Reihe von Maßnahmen umsetzen. Die wichtigsten Vorschriften für Unternehmen im Überblick:

  • Der Einzelhandel muss Ladentüren und Eingangssysteme, bei deren Öffnung ein Verlust von Heizwärme auftritt, geschlossen halten. Ausnahmen gelten, sofern das Offenhalten nicht für die Funktion des Ein- oder Ausganges als Fluchtweg erforderlich ist.
  • beleuchtete oder lichtemittierende Werbeanlagen dürfen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr des Folgetages nicht betrieben werden. Dabei gibt es drei Ausnahmen:
    • Werbeanlagen dürfen aus Gründen der Verkehrssicherheit oder um andere Gefahren abzuwehren betrieben werden, wenn dies kurzfristig nicht durch anders erreicht werden kann. Die Verordnung nennt folgende Beispiele: Werbeanlagen an Fahrgastunterständen oder Wartehallen, Haltepunkten und Bahnunterführungen, die aus Gründen der Betriebssicherheit und öffentlichen Ordnung wie Straßenbeleuchtung zu behandeln sind, sowie die Beleuchtung an Tankstellen und von Nebenbetrieben an den Bundesautobahnen.
    • Werbeanlagen, die während der Öffnungszeiten auf Angebote am selben Ort hinweisen, dürfen weiterleuchten (Beispiel: Geschäfte, die nach 22 Uhr noch geöffnet haben, dürfen den Schriftzug am Eingang weiter beleuchten)
    • beleuchtete Werbeanlagen bei Sport- und Kulturveranstaltungen (beispielsweise beleuchtete Werbebanner bei Fußballspielen oder Konzerten) dürfen während der Veranstaltung betrieben werden.
  • In öffentlichen Nichtwohngebäuden gilt ebenfalls eine Reihe von Vorschriften. Öffentliche Gebäude sind definiert als „im Eigentum oder in der Nutzung einer juristischen Person des öffentlichen Rechts“. Dazu gehört auch ein Unternehmen, das „öffentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge erbringt und unter der finanziellen oder politischen Kontrolle von einer Gebietskörperschaft steht“. Zu den wichtigsten Vorschriften gehören:
    • Gemeinschaftsflächen, die nicht dem Aufenthalt von Personen dienen, dürfen nicht beheizt werden. Ausnahmen gelten für sensible Einrichtungen (beispielsweise Schulen, medizinische oder Pflegeeinrichtungen). Auch aus technischen Gründen kann ein Abweichen zulässig sein.
    • In Arbeitsräumen darf die Lufttemperatur zudem – je nach Art und Schwere der Arbeit – Temperaturen von 12 bis 19 Grad nicht übersteigen. Das ist durchschnittlich 1 Grad weniger als die Mindesttemperatur, die in der Arbeitsschutzrichtline für Raumtemperaturen vorgesehen ist.
    • Dezentrale Trinkwassererwärmungsanlagen (Durchlauferhitzer oder Boiler) müssen ausgeschaltet werden, wenn deren Betrieb überwiegend zum Händewaschen vorgesehen ist.
    • Bei zentralen Anlagen zur Erwärmung von Trinkwasser muss die Temperatur auf das Maß reduziert werden, „das nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlich ist, um ein Gesundheitsrisiko durch Legionellen im Wasser zu vermeiden“. Nach der Empfehlung des Umweltbundesamtes liegt diese Temperatur bei Anlagen mit mehr als 400 Litern zwischen 55 bis 60 Grad. Ausnahmen gelten für Anlagen, bei denen der „Betrieb von Duschen zu den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen gehört“.
    • Für Arbeitsräume in Arbeitsstätten (außerhalb der öffentlichen Nichtwohngebäude) gelten die oben genannten Maximaltemperaturen als Mindesttemperaturen. Unternehmen können also von den Vorgaben der Arbeitsschutzrichtlinie im Durchschnitt um 1 Grad nach unten abweichen, müssen dies jedoch nicht. An Büroarbeitsplätzen sind also auch 19 statt wie bisher 20 Grad zulässig.
    • Die Beleuchtung von nichtöffentlichen Wohngebäuden und Baudenkmälern ist verboten, sofern sie nicht anlässlich traditioneller oder religiöser Feste erfolgt.
  • Für Gas- und Wärmelieferanten gilt eine Reihe von Informationspflichten, wenn sie Eigentümer von Wohngebäuden oder Nutzer von Wohneinheiten leitungsgebunden mit Gas oder Wärme beliefern. Sie müssen ihren Kunden unter anderem den Energieverbrauch und die Energiekosten der vorangegangenen und der künftigen Abrechnungsperiode mitteilen, aber auch das rechnerische Einsparpotenzial des Gebäudes, wenn die Durchschnittstemperatur um 1 Grad abgesenkt wird.
  • Eigentümer von Wohngebäuden mit weniger als zehn Wohneinheiten müssen diese Informationen der Lieferanten unverzüglich an die Nutzer weiterzuleiten. Eigentümer von Wohngebäuden mit mindestens zehn Wohneinheiten müssen den Nutzern diese Informationen bis zum 31. Oktober 2022 mitteilen – ergänzt um spezifische Angaben zu der jeweiligen Wohneinheit. Erhalten sie vom Energielieferanten nur allgemeine Informationen, etwa für das Gesamtgebäude, müssen sie auf Grundlage typischer Verbräuche bis zum 31. Januar 2023 eine individualisierte Mitteilung erstellen. Sie sind zudem verpflichtet, Kontaktinformationen und eine Internet-Adresse einer Verbraucherorganisation, einer Energieagentur oder sonstigen Einrichtung mitzuteilen beziehungsweise auf die Kampagne „80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel“ (www.energiewechsel.de) mit entsprechenden Tipps hinzuweisen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Energieeinspar-Verordnung sind auf der DIHK-Homepage abrufbar (www.dihk.de)

PDF-Download der EnSikuMaV (www.bmwk.de)

Maßnahmen der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch mittelfristig wirksame Maßnahmen (EnSimiMaV)

Diese Verordnung umfasst Maßnahmen, die einen höheren, mittelfristigen Zeitbedarf für die Umsetzung erfordern. Die Maßnahmen zielen auf Einsparungen in der kommenden und der folgenden Heizperiode ab, haben aber auch eine Wirkung darüber hinaus. Sie regeln u. a. technische Energieeinsparmaßnahmen in Gebäuden und verpflichten Unternehmen dazu, Energiemanagementsysteme umzusetzen. Diese Verordnung hat eine Gültigkeit von zwei Jahren und soll am 1. Oktober in Kraft treten. Sie bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

PDF-Download der EnSimiMaV (www.bmwk.de)

Gaskrise: Was können Unternehmen konkret tun?

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger empfiehlt den Unternehmen dringend, sich auf eine Mangellage einzustellen. In einem Brief an die Wirtschaft von Anfang Juli 2022 rät er unter anderem

  • Alternativen zu Gas zu suchen, beispielsweise die Wiedernutzbarmachung von Lager- oder Abfüllanlagen für Heizöl oder Flüssiggas (Fuel-Switch-Möglichkeiten).
  • Brennstoffwechsel auch bei niedertemperierter Prozesswärme.
  • Einsparungen bei der Raumwärme durch Optimierung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen oder der Warmwasserbereitstellung.

Konkret haben Unternehmen folgende Handlungsoptionen:

  • Energieverbrauch optimieren, Strom und Gas einsparen: Die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Das gilt in Zeiten der Klimawende und in der aktuellen Versorgungskrise umso mehr. Informationen über Fördermöglichkeiten, Best-Practice-Beispiele sowie Projekte und Netzwerke für Erfahrungsaustausch bietet der Ratgeber „Klimaschutz & Energiewende“ der IHK für München und Oberbayern.
  • Kontakt mit Versorgungsunternehmen aufnehmen: Die individuelle Versorgungssituationen von Unternehmen variieren stark, ebenso verschieden sind die örtlichen Versorger aufgestellt, die die Energie an ihre Endkunden liefern. Nehmen Sie direkten Kontakt zu Ihrem Versorger auf, auch wenn die Versorgung aktuell noch gesichert ist. So können Sie Fragen direkt klären und die Versorgungslage und die Kostenentwicklung in Erfahrung bringen. Außerdem sollte bei dieser Gelegenheit auch die Anschlussleistung überprüft und unter Umständen angepasst werden.
  • Fuel-Switch-Möglichkeiten prüfen und ggf. frühzeitig einleiten: Wegen der stark gestiegenen Gaspreise und drohender Versorgungsengpässe denken Unternehmen über eine Brennstoffumstellung („Fuel Switch“) nach. Viele Unternehmen besitzen noch alte Heizöltanks oder Brenner, die sowohl Gas als auch Heizöl oder Diesel (Dual Fuel) verfeuern können. Andere könnten von Gas- auf Kohle- oder Holzfeuerung umstellen oder mobile Anlagen einsetzen. Um Gasfeuerung umzurüsten, müssen technische, finanzielle und rechtliche Hürden genommen werden. Hier ist es ratsam, möglichst schnell mit den Vorbereitungen zu beginnen. Nur so kann man notwendige Genehmigungen oder Duldungen bekommen. Der erste Schritt dafür ist der direkte Kontakt zur zuständigen Behörde.

Welche rechtlichen Voraussetzungen gibt es beim „Fuel Switch“?

Die rechtlichen Voraussetzungen sind sehr vielfältig. Deshalb sollten sich Betreiber genehmigungsbedürftiger Anlagen zuerst bei ihrer zuständigen Behörde (meist ist es die Immissionsschutzbehörde) erkundigen, ob und wie für sie ein Wechsel auf andere Energieträger möglich ist. Ob Ausnahme, Duldung oder Anzeige: Notwendig sind dafür einige Unterlagen und Prüfungen. Die IHK Nürnberg für Mittelfranken hat in einem Schreiben an die Regierung von Mittelfranken, die Landratsämter und die kreisfreien Städte appelliert, die Genehmigungen für einen Brennstoffwechsel (sogenannter „Fuel Switch“) schnell und unbürokratisch zu behandeln.

Der TÜV Süd bietet Vorträge zum Thema „Fuel Switch“ an. Die dazugehörigen Präsentationsfolien können auf der Seite des TÜV Süd (www.tuvsud.com) heruntergeladen werde.

Weitere Informationen zu rechtlichen Voraussetzungen beim „Fuel Switch“

Weitere Informationen zum Thema „Fuel Switch“ auf den Webseiten der IHK Würzburg

Veranstaltungshinweise

Eine Übersicht weiterer Webinare und Veranstaltungen finden Sie unter www.dihk.de.

Notfallplan Gas

Am 23. Juni ist die zweite Stufe des Notfallplans Gas in Kraft getreten, die den Akteuren am Energiemarkt zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, um die Versorgung sicherzustellen. Die dritte und letzte Stufe des Notfallplans Gas, die Notfallstufe, wurde bisher noch nicht ausgerufen. Damit dies getan werden kann, müssten erhebliche Versorgungsengpässe bestehen. Dazu gehören außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas, eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage.

In der Notfallstufe greift der Staat in den Markt ein: Die Bundesnetzagentur wird dann zum Bundeslastverteiler und bestimmt in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern über die Verteilung von Gas. Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung von Haushalten dienen, gelten als geschützte Verbraucher, die möglichst lange mit Gas zu versorgen sind. Unternehmen sind dagegen keine geschützten Verbraucher. Ob Unternehmen abgeschaltet werden können, lässt sich nicht grundsätzlich ausschließen. Das Vorgehen im Ernstfall ist aktuell noch nicht absehbar. Die Bundesnetzagentur rief Unternehmen bereits im Mai auf, ihre Gassituation und Abschaltpotenziale zu melden.

Gas-Notfallplan der EU-Kommission

Die EU-Kommission hat am 20. Juli ihre Pläne für einen Gas-Notfallplan vorgestellt. Er sieht vor, dass die Mitgliedsländer in den Monaten August 2022 bis März 2023 15 Prozent weniger Gas verbrauchen sollen. Der Vergleichswert errechnet sich aus dem Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre. Dem Gas-Notfallplan haben die EU-Energieminister am 26. Juli mit einigen Abschwächungen zugestimmt, er ist am 9. August in Kraft getreten.

  • Die Staaten erhalten erst die Möglichkeit, freiwillig den Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken. Ausnahmen wurden für Staaten wie Spanien und Italien sowie für „kritische Wirtschaftszweige“ vereinbart. Insgesamt müssen nach Zahlen der EU-Kommission 45 Milliarden Kubikmeter Gas gespart werden. Deutschland müsste etwa 10 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen, um das 15-Prozent-Ziel zu erreichen.
  • Es soll möglich sein, verbindliche Einsparziele vorzuschreiben. Dieser „Unionsalarm“ könnte ausgelöst werden, wenn ein erhebliches Risiko einer gravierenden Gasknappheit besteht oder die Gasnachfrage außergewöhnlich hoch ist. Die verbindlichen Einsparziele kann jedoch nur der Rat der Mitgliedsstaaten beschließen. Das heißt, 15 der 27 Mitgliedsstaaten, die mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung repräsentieren, müssen zustimmen. Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Einsparziele aus eigener Kraft durchsetzen können.
  • Die Mitgliedsländer werden aufgefordert, ihre Notfallpläne bis September zu aktualisieren.

Welche konkreten Maßnahmen schlägt die EU-Kommission vor?

  • Umstellung von Gas auf alternative Brennstoffe in der Industrie sowie im Strom- und Wärmesektor.
  • Mit Auktions- oder Ausschreibungssysteme Unternehmen zum Verzicht auf Gas zu motivieren.
  • Konkrete Senkungen von Raumtemperaturen usw. sind nicht in den aktuellen Plänen festgeschrieben. Die Kommission hat sich jedoch klar für eine Reduzierung der Temperaturen in öffentlichen Gebäuden ausgesprochen.

Weitere Informationen: Verordnung (EU) 2022/1369 des Rates vom 5. August 2022 über koordinierte Maßnahmen zur Senkung der Gasnachfrage

Energiepreisbeihilfen und Förderprogramme

Für Unternehmen, die von den starken Energiepreissteigerungen betroffen sind, gibt es mehrere Unterstützungsprogramme. Zum 15. Juli 2022 sind die Energiepreisbeihilfen für Unternehmen mit sehr hohen Energiezahlungen gestartet (Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums).

  • Energiekostendämpfungsprogramm des BAFA: Unternehmen, die besonders von hohen Energiekosten betroffen sind, können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen Zuschuss zu ihren Erdgas- und Stromkosten beantragen. Antragsberechtigt sind Unternehmen, die in besonders energieintensiven Wirtschaftszweigen tätig sind. Der Zuschuss ist bei einer Höhe von 50 Millionen Euro je Unternehmen gedeckelt. Der Antrag muss bis zum 31.08.2022 gestellt werden.

Weitere Infos zum Energiekostendämpfungsprogramm

  • LfA-Kredite zur Energieerzeugung: Die LfA Förderbank Bayern vergibt Kredite, mit denen Investitionsmaßnahmen (einschl. Modernisierungen) zur Strom- oder Wärme-/Kälteerzeugung auf Basis von regenerativen Energien finanziert werden sollen. Das gleiche gilt für Speichersysteme aus diesem Bereich. Ebenso gewährt die LfA Darlehen für Investitionsmaßnahmen zur Flexibilisierung von Stromnachfrage und -angebot (z. B. betriebliches/überbetriebliches Lastmanagement) sowie für die Digitalisierung der Energiewende mit dem Ziel der systemverträglichen Integration von erneuerbaren Energien in das Energiesystem (auch als singuläre Maßnahme oder Nachrüstung).

Weitere Informationen zu den LfA-Krediten zur Energieerzeugung

  • KfW-Sonderprogramm UBR 2022: Auch die KfW als Förderbank des Bundes vergibt spezielle Kredite für  Unternehmen, die infolge des Kriegs in der Ukraine u. a. von gestiegenen Energiekosten betroffen sind. Beim „KfW-Sonderprogramm UBR 2022“ Förderkredit für mittelständische und große Unternehmen und freiberuflich Tätige, die vom Ukraine-Krieg und den Sanktionen betroffen sind. Die Darlehen dienen als Unterstützung für Anschaffungen und laufende Kosten. Zudem sind Konsortialkredite bei der KfW erhältlich.

Informationen zum KfW-Sonderprogramm UBR 2022

Informationen zu weiteren KfW-Förderprogrammen aus dem Bereich „Energie und Umwelt“

Energiepreispauschale (EPP)

Mit der sogenannten Energiepreispauschale (EPP) von einmalig 300 Euro brutto im Kalenderjahr 2022 sollen Härten durch die stark gestiegenen Energiekosten abgefedert werden. Unternehmer müssen das für ihre Mitarbeiter mit der Steuer berechnen.

Weitere Informationen zur Energiepreispauschale