Presseinformation: IHK-Konjunkturklima Mittelfranken

Veröffentlicht am 25. Oktober 2022

IHK-Konjunkturklima Mittelfranken

Stimmung der Wirtschaft verfinstert sich

Energie- und Rohstoffpreise für viele Betriebe existenzbedrohend

Nürnberg – Krieg in der Ukraine, Energiekrise und Lieferkettenprobleme lassen den IHK-Konjunkturklima-Index abstürzen. Die mittelfränkischen Unternehmen streichen ihre Investitions- und Personalpläne zusammen. Damit hat die leichte konjunkturelle Erholung, die sich bei der letzten IHK-Befragung im Frühjahr abgezeichnet hatte, ein abruptes Ende gefunden:

Die aktuellen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten trüben die Stimmung in allen Branchen massiv ein, so das Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage. Die Investitions- und Beschäftigungspläne werden zurückgefahren. Damit zerschlagen sich die Hoffnungen der mittelfränkischen Wirtschaft, dass sich die Erholung des Sommerhalbjahres fortsetzen könnte. Der IHK-Konjunkturklima-Index bricht um 30 Punkte ein und ist nun wieder bei 85 Punkten angelangt. Dieses niedrige Niveau hatte er zuletzt Anfang 2021, als die Corona-Pandemie einen neuen Höhepunkt erreicht hatte. „Durch die explodierenden Energiepreise und die Zweifel an der Versorgungssicherheit sehen sich viele Unternehmen existenziell gefährdet“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann zu den Umfrageergebnissen.

Besonders bemerkbar machen sich die Entwicklungen in Industrie und Handel, in denen sich die Geschäftslage seit dem Sommer deutlich verschlechterte. Nur die personenbezogenen Dienstleistungen melden noch gute Geschäfte, weil sie seit dem Wegfall der Corona-Restriktionen eine starke Nachfrage ihrer Kunden registrieren. Beim Blick auf die nächsten Monate greift jedoch über alle Branchen hinweg eine pessimistische Stimmung um sich. Die Erwartungen sinken deutlich, der entsprechende Index bricht regelrecht ein und liegt jetzt bei minus 42 Punkten. Das sind 43 Punkte weniger als bei der letzten IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr.

Die bis vor Kurzem noch gute Auftragslage dürfte bald der Vergangenheit angehören, denn die steigenden Kosten und die sinkende Kaufkraft schränken die Betriebe und die Verbraucher gleichermaßen ein. So planen 85 Prozent der teilnehmenden Unternehmen, die steigenden Kosten mindestens teilweise an die Kunden weiterzugeben. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Nachfrage immer weiter sinkt. „Das sind klare Anzeichen, dass sich die gesamte mittelfränkische Wirtschaft mit großen Herausforderungen konfrontiert sieht, die sich weiter verschlimmern“, so IHK-Präsident Zitzmann.

Die starken Preissteigerungen sind derzeit der bedeutendste Grund für den Abwärtstrend: So gaben 57 Prozent der Unternehmen an, dass die Teuerungen bei der Energie ihr Geschäft erheblich hemmen, bei weiteren 29 Prozent ist dies teilweise der Fall. Als bedeutende Risiken werden zudem die extremen Preissteigerungen bei Waren und Rohstoffen einerseits sowie Material- und Rohstoffknapp¬heit andererseits eingestuft. Sorgen bereiten den Unternehmen auch die schwache Inlandsnachfrage, der Fachkräftemangel, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die steigenden Arbeitskosten.

Zahlreiche Unternehmen zehrten in letzter Zeit noch von den gut gefüllten Auftragsbüchern. Doch nun sehen sie sich wegen der trüben Aussichten für die nächsten Monate veranlasst, ihre Investitionspläne zusammenzustreichen. Dies gilt derzeit für fast alle Branchen. Ernüchterung auch beim Thema Personalplanung: Noch im Sommerhalbjahr hatten viele Unternehmen angesichts gut gefüllter Auftragsbücher und der weggefallenen Corona-Restriktionen mit zusätzlichen Arbeitsplätzen geplant, doch jetzt werden Personaleinstellungen erst einmal aufgeschoben.

Vor allem die explodierenden Energiepreise sorgen dafür, dass betriebliche Vorhaben kaum noch planbar sind und die Preisgestaltung schwierig ist. Wichtige Betriebsstoffe und Vorprodukte lassen die Preise in allen Branchen steigen. So führen die hohen Preise etwa für Mineralölerzeugnisse, Düngemittel, Stickstoffverbindungen sowie Futtermittel für Nutztiere dazu, dass die Preise für Lebensmittel und andere wichtige Verbrauchsgüter seit einigen Monaten besonders stark anziehen. Das schränkt die Kaufkraft ein und sorgt für eine weitere Dämpfung der Konjunktur.

„All diese Entwicklungen machen es wahrscheinlich, dass wir vor der größten und härtesten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg stehen. Es drohen Wohlstandsverluste in bisher ungekanntem Ausmaß“, so IHK-Präsident Zitzmann. Da viele Unternehmen existenziell gefährdet seien, müssten nun dringend über die bereits angekündigten Programme hinaus weitere Entlastungen für die Unternehmen kommen. Die Politik sei gefordert, für die Versorgungssicherheit mit Energie und Rohstoffen zu sorgen und sich dabei an den vor Kurzem vorgelegten Vorschlägen der Gaspreis-Kommission zu orientieren. Das Konzept sehe eine einfach ausgestaltete Preisbremse und Entlastungen für Betriebe aller Größen vor, biete aber weiter Anreize für Energieeinsparungen, die für die Bewältigung der Energiekrise unverzichtbar seien. Zitzmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf das vor Kurzem von IHK-Präsidium und Vollversammlung vorgestellte Forderungspapier, in dem es insbesondere um die Senkung der hohen Energiepreise geht.

Sie können das ausführliche IHK-Konjunkturklima auch als interaktives Dokument online lesen (indd.adobe.com)

Ansprechpartner für die Medien:

Frauke Wille, Leiterin IHK-Geschäftsbereich Kommunikation
frauke.wille@nuernberg.ihk.de
Tel. 0911 1335-1543 oder 0151 1564 9554

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