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Editorial

Ende des Wachstums?

Wir sind uns nicht ganz sicher, wohin wir gehen, aber wir kompensieren das, indem wir immer schneller laufen.“ So lautet ein zentraler Satz in dem viel beachteten Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ von Tomas Sedlacek, das sich kritisch mit dem Phänomen des Wirtschaftswachstums auseinander setzt. Bereits 1972 warnte der Club of Rome vor den „Grenzen des Wachstums“, das globale Wachstum allerdings war seitdem so stark wie nie zuvor.

Kann es, wird es immer so weiter gehen? Gerade unter dem Eindruck von Schuldenkrise und ökologischem Raubbau lohnt es sich, über diese Frage nachzudenken. Eine Reihe von Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, befassen sich mit einer möglichen Neudefinition des Wohlstandsbegriffs. Gesundheit, Bildungsniveau, soziale Bindungen und letztlich Lebensglück der Bürgerinnen und Bürger sollen die rein monetäre Statistik ergänzen – die Lebensbilanz eines Menschen wird ja auch nicht in Euro oder Dollar erstellt.

Und dennoch ist Wachstum der Urtrieb aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Unternehmen im Wettbewerb haben platt formuliert nur die Alternative „wachsen oder weichen“. Selbst in rückläufigen oder stagnierenden Märkten gibt es dynamisch wachsende Unternehmen – zu Lasten derjenigen, die es sich auf ihren Lorbeeren bequem gemacht haben. Bei Volkswirtschaften ist es nicht anders, die Schwellenländer hätten auch gerne unsere Sozialstandards und sie tun alles, um die nötigen Finanzmittel auf den Weltmärkten zu erobern.

Lassen Sie uns auch und gerade vor diesem Hintergrund durchaus über einen neuen Wachstumsbegriff reden. Lassen Sie uns von einem reinen Denken in billig produziertem Massenkonsum hinwenden zu einem kreativen, qualitativen Wachstum. Aber geben wir uns keinen Illusionen hin. Wachstum ist ein zutiefst natürlicher Vorgang und ein Baum, der aufhört zu wachsen, stirbt.

IHK-Präsident
Dirk von Vopelius