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137. Kammergespräch

Fairplay und Tor-Instinkt

Uli Hoeneß machte aus dem Fußballclub FC Bayern München ein international erfolgreiches Unternehmen. Beim Kammergespräch sprach er über gesunden Ehrgeiz, soziales Verantwortungsbewusstsein und das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns.

Foto: Uli Hoeneß, Martin Wagner (v.l., Foto: Fuchs)

Uli Hoeneß, befragt von Martin Wagner, Leiter Studio Franken des Bayerischen Rundfunks(v.l., Foto: Fuchs).

Ich kann mich an kein Kammergespräch erinnern, das so gut besucht war“, freute sich IHK-Präsident Dirk von Vopelius, der am 30. September zum 137. Kammergespräch in den Historischen Rathaussaal eingeladen hatte. Grund für das „ausverkaufte Haus“ war der Besuch der Manager-Ikone Uli Hoeneß, seit letztem Jahr Präsident des FC Bayern München und außerdem Gründer und Geschäftsführer der HoWe Wurstwaren KG. Sein Unternehmen, das er gemeinsam mit seinem Sohn leitet, beschäftigt in Nürnberg rund 290 Mitarbeiter und stellt für die Fastfoodkette McDonald’s unter dem Namen „Nürnburger“ eine Spezialversion der berühmten „Drei im Weggla“ her.

Seine große Popularität verdankt der gebürtige Ulmer Hoeneß nicht nur seinen sportlichen Erfolgen als Weltmeister, Europameister und dreimaliger Europapokalsieger, sondern vor allem seiner langjährigen Arbeit als Manager des FC Bayern München. Nach einem frühen Karriereende aufgrund einer Verletzung stieg Uli Hoeneß als jüngster Manager der Bundesliga und ohne Erfahrung in diesem Bereich beim FC Bayern ein. Er führte den Verein in eine neue Ära: In den 30 Jahren seiner Ägide gewann die Mannschaft 39 Titel – im Schnitt 1,3 pro Saison – und der Umsatz stieg von sechs Mio. auf rund 300 Mio. Euro. Getreu seinem Lebensmotto „Learning by doing“ verließ sich Hoeneß als Manager beim FC Bayern und bei der Gründung seiner Wurst-Fabrik auf seinen Instinkt – und wurde für seinen Wagemut belohnt.

Bei allem sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg verlor Hoeneß, der sich aufgrund seiner direkten Art und teilweise markigen Wortwahl einen Ruf als „Abteilung Attacke“ des FC Bayern München erwarb, nie das Idealbild des ehrbaren Kaufmanns aus den Augen. „Du musst dich auch als erfolgreicher Unternehmer immer daran erinnern, wo du herkommst. Und dann musst du auch etwas zurückgeben“, erklärte Hoeneß, der sich für zahlreiche soziale Zwecke einsetzt. Mehrere Fußballvereine unterstützte er und rettete sie vor dem Konkurs. Nach dem Tod von Dominik Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln rief er eine Kampagne für mehr Zivilcourage ins Leben. Und als er bei einem Auswärtsspiel in der Ukraine den kranken Jungen Iwan kennenlernte, ließ er ihn für rund 200 000 Euro nach Deutschland bringen und operieren. „Ein Unternehmer muss immer ein Vorbild sein und Vertrauen schaffen“, betonte Hoeneß, der vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu mehr sozialem Engagement aufrief. Profitgier und Machtmissbrauch kritisierte Hoeneß gewohnt bissig: „Es kann nicht Aufgabe eines Unternehmers sein, dass die Aktionäre eine hohe Dividende bekommen. Es kann nicht Aufgabe eines Unternehmers sein, dass die Vorstände hohe Bonuszahlungen bekommen. Sondern es muss Aufgabe eines Unternehmers sein, seine Mitarbeiter satt zu bekommen.“

Dass Uli Hoeneß noch nichts von seiner Zweikampfstärke verloren hat, zeigte sich auch am Rande des Kammergesprächs. Einige Vertreter der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hatten in einer Pressemitteilung bemängelt, dass die Mitarbeiter der HoWe Wurstwaren KG zu geringe Löhne erhielten und keinen Betriebsrat hätten. „Unsere Mitarbeiter haben eine Vertretung gewählt, aber sie wollen gar keinen Betriebsrat.“ Auch die Löhne seien in Ordnung, erklärte Hoeneß bei einer Pressekonferenz. Er zeigte sich außerdem verärgert darüber, dass die Gewerkschaft vor der Aktion keinerlei Kontakt zu ihm oder seinem Sohn aufgenommen hatte und seine Bekanntheit lediglich benutze, um Aufmerksamkeit zu erregen. Von den Vorwürfen lässt sich der zielstrebige Hoeneß – wie üblich – nicht beirren: „Ich weiche keinen Millimeter zurück!“

 

Autor: jm.