WiM Blätterkatalog
WiM-Archiv

Transport per Bahn

Mehr Güter auf die Schiene

Die deutsche Exportwirtschaft ist darauf angewiesen, dass die Logistik zwischen Seehäfen und Binnenland funktioniert. Ist die Infrastruktur auf die wachsenden Güterströme vorbereitet?

Für viel Heiterkeit sorgte Dagmar Wöhrl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, gleich zu Beginn der "Gemeinsamen Schienengüterkonferenz der IHKs der Metropolregion Nürnberg und der IHK Nord". "Eine Frau als Koordinatorin der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft hätte man in Norddeutschland ja noch akzeptiert, aber dann eine aus Bayern", erinnerte sie sich lachend vor den gut 90 Besuchern der Konferenz an ihren Start in die Seeschifffahrt.

Zwar ist die Metropolregion vom offenen Meer weit entfernt, aber die meisten exportorientierten Unternehmen im Süden Deutschlands kommen ohne die gut funktionierende logistische Anbindung an die deutschen Seehäfen nicht aus. Wöhrl: "95 Prozent des Warenverkehrs erfolgen übers Wasser. Und selbst beim Schiffbau kommen 40 Prozent der Zulieferungen aus Bayern und Baden-Württemberg." Deutschlands Seehäfen seien "fantastisch aufgestellt", auch wenn die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise selbstverständlich nicht ohne Auswirkungen auf die Seeschifffahrt bleiben konnte.

Wie gut es um die maritime Logistik bestellt ist, betonte der Vizepräsident der IHK für Ostfriesland und Papenburg, Bernard Brons: So sei die deutsche Handelsflotte Nummer Drei auf den Weltmeeren, die Containerflotte deutscher Eigner sei weltweit führend, auch bei Schiffsfinanzierungen haben deutsche Banken weltweit die Spitzenposition inne. Hamburg, die bremischen Häfen, aber auch die Seehäfen in Niedersachsen wie Wilhelmshaven, Brake, Nordenham oder Emden wachsen weiterhin stark. Und für Unternehmen stelle der Seetransport aufgrund der geringen Kosten (Beispiel: Transportkosten einer Konservendose von China nach Deutschland 13 US-Cent, für einen Videorecorder zwei US-Dollar) eine konkurrenzlos günstige Möglichkeit dar.

Auf die Bahn als wichtiges Transportmittel kann die deutsche Volkswirtschaft dabei nicht verzichten. Rund 17 Prozent aller Güter werden inzwischen auf der Schiene transportiert, die optimale Gestaltung der Schienenverbindungen innerhalb Deutschlands und Europas stellt dabei eine wichtige Komponente dar. Schon bei der Begrüßung der Konferenzteilnehmer hatte Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken, an die Schienenprojekte aus dem 12-Punkte-Programm Verkehr der IHKs in der Metropolregion erinnert.

Mit dem aktuellen Stand der dort genannten Projekte zeigte sich Lötzsch allerdings nicht zufrieden. So stehen für die ICE-Trasse zwischen Ebenfeld und Erfurt zwar finanzielle Mittel zur Verfügung, aber für die Ausbaustrecke Ebensfeld bis Nürnberg fehlt Geld. Lötzsch: "Verbessert werden muss weiterhin die Schienenverbindung Nürnberg über Regensburg-Passau-Linz nach Wien. Sie ist für unseren Raum die wichtigste Achse in Richtung Südosteuropa. Die Strecke ist sowohl im Schienenfernverkehr und im Nahverkehr als auch im Güterverkehr stark belastet." Mittelfristig werde es dort zu weiteren Engpässen kommen. Ein Ausbau sei dringend erforderlich. Die Strecke ist im Bundesverkehrswegeplan als "länderübergreifendes Projekt" eingruppiert. Hier müssten in naher Zukunft eine Wirtschaftlichkeitsanalyse begonnen und geeignete Ausweichgleise realisiert werden. Auch bei der Verbesserung der Schienenverbindung in Richtung Tschechien stehe der Durchbruch noch aus. Während die Tschechen die Achse Prag – Pilsen – Eger für den Schienenverkehr bereits ausbauen, tut sich auf deutscher Seite nichts. Lötzsch mahnte: "Tschechien wird die Strecke Pilsen bis Cheb bis 2016 ausbauen und erwartet, dass die deutsche Seite die Vereinbarung laut Staatsvertrag einhält." Die Lage erinnere an die Autobahn A 6 zwischen Nürnberg und Prag: Während die Tschechen die Autobahn auf ihrer Seite zügig realisiert hätten, habe Deutschland dafür acht Jahre länger gebraucht.

Die Deutsche Bahn AG, so Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter des Unternehmens für den Freistaat Bayern, sieht sich mit 14 Knoten- und Umschlagbahnhöfen, Schienenanschlüssen in 16 Binnenhäfen und drei Railports für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt. Er begrüßte die Anstrengungen der Bundesregierung, mit Geldern aus dem jetzt verabschiedeten Konjunkturprogramm zusätzliche Schienenprojekte aus dem Bundesverkehrswegeplan umzusetzen. Nach seinen Angaben wurden von 2003 bis 2007 bereits rund 4,8 Mrd. Euro in die Infrastruktur in Bayern investiert. Als regionale Maßnahmen nannte Josel den neuen Railport Nürnberg, das Großprojekt Containerbahnhof Nürnberg, die Elektrifizierung der Strecke Regensburg – Hof sowie den Güterzugtunnel Fürth. Josel: "Unser Ziel ist die Fertigstellung des Tunnels im Jahr 2017. Damit entlasten wir den Knoten Fürth und schaffen mehr Kapazitäten auch für den Schienengüterverkehr."

Auf vielfältige Möglichkeiten, den Schienengüterverkehr zu nutzen, wies Klaus Kremper, Chef von DB Schenker, hin. Das Einzelwagensystem habe sich gerade für Unternehmen mit kleineren und mittleren Transportvolumen bestens bewährt, zumal keine Reservierungspflicht bestehe und der Transport bis zu zwei Stunden vor der Abholung beauftragt werden könne. Dazu wies Kremper auf die Möglichkeit hin, einen direkten Gleisanschluss eines Unternehmens einzurichten. Für die Förderung des Gleisanschlusses stehen erhebliche Bundesmittel zur Verfügung, die jedoch nur zu weniger als 20 Prozent abgerufen werden. Dabei würden damit bis zu 50 Prozent der notwendigen Investitionskosten für einen Gleisanschluss abgedeckt.

Auf jeden Fall, so der Grundtenor der Schienengüterkonferenz, werde sich das Wachstum im Schienengüterverkehr fortsetzen.

 

Autor: hpw.

IHK, Ulrich Schaller, Tel. 0911/1335-415, schaller@nuernberg.ihk.de