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Harte Tests zum Schutz der Verbraucher

Sie malträtieren Möbel, um damit Verbrauchern die größtmögliche Sicherheit zu bieten: Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel e.V. (DGM) mit Sitz in der Nürnberger Tillystraße ist die einzige lizenzierte Vergabestelle für das RAL-Gütezeichen für Möbel, das nicht nur europaweit begehrt ist, sondern weltweit zum Einsatz kommt. Für die Entscheider der Möbelbranche ist die Franken-Metropole ein wichtiger Ort, an dem die Entwicklung in der deutschen Möbelbranche entscheidend mitgestaltet wird. Sogar der „Blaue Engel“ wurde auf die Basis der DGM-Bestimmungen gebracht. Kein Wunder, dass sich sogar das Umweltbundesamt und die Stiftung Warentest mit Kooperationswünschen an die DGM wenden.
Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel e.V. besteht nun seit 38 Jahren und hat in dieser Zeit ein nach eigenen Angaben europaweit einmaliges Regelwerk geschaffen: Um die Möbelprüfungen einheitlich und vergleichbar durchzuführen (also auf eine wissenschaftlich akzeptierte Basis zu stellen), um eine „schnurgerade“ Richtlinie für die Hersteller zu haben und eine gute Basis für die laufende Aktualisierung, schuf die DGM die „Güte- und Prüfbestimmungen RAL-RG 430“. In diesem Buch sind alle Anforderungen an Möbel enthalten, die zur Qualität zählen: Stabilität, Langlebigkeit, Sicherheit, Funktionalität, aber auch Gesundheits- und Umweltverträglichkeit. Zusätzlich findet man die jeweiligen Tests des Möbelprüflabors beschrieben, mit denen die einzelnen Qualitätsfaktoren überprüft werden.
Grob gesagt, wird für die Möbeltests ein ganzes Möbelleben simuliert. Im Zeitraffer-Tempo erleben die Prüfstücke Torturen, wie sie sie sonst über zehn oder 20 Jahre verteilt zu überstehen haben. Auf Polstermöbel fällt 30 000 Mal ein Prüfstempel mit dem Gewicht eines schweren Menschen. Schranktüren für Küchen-, Bad- und Wohnraummöbel werden 80 000 Mal geöffnet und geschlossen. Über Polsterstoffe wird mindestens 10 000 Mal gescheuert und so weiter.
Dazu kommen die Schadstoffprüfungen: Die Möbel werden haargenau auf ihre Inhaltsstoffe überprüft. Dabei legte die DGM in Zusammenarbeit mit den Chemikern der Landesgewerbeanstalt (LGA) Schadstoff-Grenzwerte fest, für die es in Deutschland noch nicht einmal gesetzliche Bestimmungen gab. Bei manchen Schadstoffen zog die DGM die Grenzwerte wesentlich strenger an als der Gesetzgeber – denn sicher ist sicher, sagen sich die Möbel-Prüfer.
Erst wenn ein Möbel jeden einzelnen Test nach Vorschrift bestanden hat, erhält es das RAL-Gütezeichen verliehen. Stimmt auch nur ein Wert nicht, gibt es die Auszeichnung nicht. Der Hersteller muss dann erst einmal dafür sorgen, dass die komplette Produktion umgestellt wird. Dann wird erneut geprüft. Und wenn es danach immer noch nicht passt, gibt es wieder kein Gütezeichen. Erst wenn alle Anforderungen erfüllt werden, geben sich die Möbeltester zufrieden.
Für Verbraucher haben diese Möbel-Torturen einen unschätzbaren Vorteil: Wenn sie das goldene „M“ an einem Möbelstück entdecken, können sie davon ausgehen, dass das Möbelstück qualitativ einwandfrei und gesundheitlich unbedenklich ist. Sicherheit geben dabei die laufenden Prüfungen der DGM – die durchaus auch unangemeldet durchgeführt werden. Es ist unbequem für die Hersteller, aber dient dem Verbraucherschutz.
Die Güte- und Prüfbestimmungen der DGM sind nach eigenen Angaben die europaweit strengsten Vorschriften für die Möbelherstellung – kein Wunder, dass manche Institutionen mit den Nürnberger Möbel-Experten zusammenarbeiten wollen. Die Stiftung Warentest ist eine der Einrichtungen, die die Fachkenntnis gerne nutzt. So entstand z.B. das neue Buch „Ratgeber Möbelkauf“, das seit Januar im Buchhandel erhältlich ist, in enger Zusammenarbeit mit der DGM oder auch die neueste Broschüre des Umweltbundesamtes, das darin den neuen Blauen Engel vorstellt – neu daran ist übrigens, dass nun die Schadstoff-Grenzwerte der DGM als Basis zugrundelegt wurden.
Der Vorteil für Verbraucher durch das RAL-Gütezeichen ist eindeutig: Sicherheit beim Möbelkauf, erkennbar auf einen Blick am goldenen „M“. Aber auch Handel und Hersteller haben ihre Vorzüge dadurch: Der Handel kann aufgrund des Gütezeichens eindeutig argumentieren und guten Gewissens geprüfte Möbel verkaufen; gezielte Informationsbroschüren der DGM helfen zudem bei der Aufklärung über Möbelqualität.
Und die Industrie bekommt von der DGM ebenfalls Unterstützung auf vielen Gebieten, von Hilfen beim Erwerb des GS-Zeichens über Beratung zu Materialauswahl bis zur Unterstützung für Exporterleichterungen, bei Kundenreklamationen oder Gerichtsgutachten. Und natürlich Informationen über die jeweils aktuellen Normen und über den Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2001, Seite 32

 
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