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Mit FAG Kugelfischer weltweit unter den Top 3 der Wälzlagerbranche

Die weltweit operierende INA-Schaeffler Holding mit Sitz in Herzogenaurach rückte durch die Übernahme der Aktienmehrheit an der Schweinfurter FAG Kugelfischer Georg Schäfer AG nach eigenen Angaben unter die Top 3 der Wälzlagerbranche auf. Die US-Kartellbehörde hat Ende Dezember 2001 die kartellrechtliche Freigabe der Übernahme der FAG Kugelfischer AG durch die INA-Gruppe erteilt. Die Auflagen der Amerikaner betreffen das Werk der FAG-Tochter Barden Corp. in Danburry, Connecticut, die der neu entstandene Gemeinschaftskonzern an den schwedischen Konkurrenten SKF verkaufen muss.

Großunternehmen in Familienhand
Das 1946 von den Brüdern Dr. Wilhelm und Dr. Georg Schaeffler gegründete Unternehmen INA zählt zu den wenigen großen, privat geführten Industrieunternehmen Deutschlands. Gesellschafter sind Maria-Elisabeth Schaeffler, die sich auch als Vizepräsidentin der IHK Nürnberg für Mittelfranken engagiert, und ihr Sohn Georg F.W. Schaeffler. Mit 47 Werken und 60 Vertriebsniederlassungen weltweit gehört INA zu den führenden Unternehmen der Wälzlagerindustrie. Man rechnet sich zur technologischen Spitze bei Wälzlagern, Linearführungen und Motorenelementen.
Durch die zur Unternehmensgruppe gehörende Firma LUK GmbH & Co. in Bühl nimmt INA auch einen Spitzenplatz bei Kupplungen, Hydraulik- und Getriebesystemen ein. Die ebenfalls zugehörige Firma Rege ist spezialisiert auf Zylinderblöcke, Zylinderköpfe und Getriebegehäuse. Die INA-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2000 einen weltweiten Umsatz in Höhe von 4,2 Mrd. Euro. Der Inlands-Umsatz wurde mit 1,6 Mrd. Euro beziffert. In den vergangenen fünf Jahren realisierte die INA-Gruppe ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 14 Prozent pro Jahr und tätigt jährlich Investitionen in einer Größenordnung von 350 Mio. Euro. Durch den Zusammenschluss mit FAG entsteht Europas zweitgrößter Wälzlagerkonzern mit nunmehr 52 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 6,5 Mrd. Euro.

Beschäftigungsstarker Konzern
Weltweit werden rund 34 000 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 20 000 in Deutschland. Im Jahr 2000 hat die INA-Gruppe weltweit rund 2 500 Arbeitsplätze geschaffen, davon ungefähr 1 000 in Deutschland. Mit etwa 8 000 Mitarbeitern allein in Mittelfranken zählt INA seit Jahren zu den drei beschäftigungsstärksten Unternehmen der Region. Alle INA-Betriebe sind zertifiziert nach ISO 9001, Ende 2001 werden alle Werke nach ISO 14001 zertifiziert sein.
Das stetige Wachstum des Unternehmens war immer stark durch eigene Innovationen geprägt. 1949 entwickelte Dr. Georg Schaeffler mit dem INA-Nadelkranz das erste käfiggeführte Nadellager. Auch heute steht das Unternehmen für zukunftsweisende Produktentwicklungen. Jedes Jahr bringt die Gruppe mehr als 1 000 neue Produkte und Produktinnovationen auf den Markt, im letzten Jahr wurden nach eigenen Angaben 340 neue Patente angemeldet.

INA hält 90 Prozent der FAG-Aktien
Mit der Freigabe der Übernahme durch die EU- und US-Kartellbehörden sind sämtliche aufschiebende Bedingungen für den Vollzug des Kaufangebots erfüllt. Nach den Worten des Vorsitzenden der Geschäftsleitung der INA-Holding Schaeffler KG, Dr. Jürgen Geißinger, will man jetzt dafür sorgen, dass die Aktionäre zügig ihr Geld bekommen. Durch den Erwerb der Aktienmehrheit an dem Schweinfurter Traditionsunternehmen FAG Kugelfischer sieht man sich bei INA endgültig als „Global Player“ der Branche. Beide Unternehmen hätten, so Geißinger, beste Chancen, ihre Aktivitäten erfolgreich zusammenzuführen.
Die Frage nach den Gründen der Übernahme beantwortet Geißinger folgendermaßen: „Die Wälzlagerindustrie steht weltweit vor einer Konsolidierung, bei der wir eine aktive Rolle spielen wollen. INA und FAG Kugelfischer passen hervorragend zusammen, wir ergänzen uns ideal bei unseren Produkten und bei den Kunden und haben nur geringfügige Überlappungen - deutlich geringer als bei jedem anderen Wettbewerber.“

Passendes Produktportfolio
Die INA-Gruppe bietet insbesondere kundenspezifische Lösungen, FAG Kugelfischer vor allem standardisierte Produkte. Der Schwerpunkt von INA liegt seit Jahrzehnten in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Ersatzteilmarkt. FAG Kugelfischer erzielt dagegen einen Großteil seines Umsatzes in der Schwermaschinen- und Bauindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt. Konjunkturelle Schwankungen der einzelnen Branchen könnten durch den Zusammenschluss jetzt noch besser ausgeglichen werden.
Die gelungene Übernahme spreche für die Attraktivität des Angebots an die FAG Kugelfischer-Aktionäre, so Geißinger: 12 Euro je FAG Kugelfischer-Aktie entsprach einer Prämie von über 51 Prozent auf den Schlusskurs der FAG Kugelfischer-Aktien. Damit habe das INA-Angebot höher als der höchste Kurs der FAG Kugelfischer-Aktie in den vergangenen eineinhalb Jahren gelegen. Nun seien die Banken am Zuge, allen voran die Deutsche Bank, die insgesamt knapp 750 Mio. Euro Kaufpreis für FAG an die Aktionäre zu überweisen.
In Zukunft will man gemeinsam mit FAG Kugelfischer noch schneller wachsen. Diese Strategie biete nach Geißingers Worten auch beste Perspektiven für die Arbeitnehmer: „Wir planen aufgrund der Zusammenführung der beiden Unternehmen keine Entlassungen.“ Außerdem habe man in Deutschland derzeit über 100 offene Ingenieur-Stellen. Name, Standort und Führungsmannschaft bei FAG Kugelfischer sollen bis auf weiteres beibehalten werden. Den Vorstandsvorsitz bei FAG Kugelfischer in Schweinfurt übernimmt Geißinger in Personalunion. Der bisherige FAG-Vorstandschef, Uwe Loos, dessen Vertrag noch bis 2003 gelaufen wäre, hatte Mitte Dezember seinen Rücktritt erklärt. Oliver Dehn
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 02|2002, Seite 38

 
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