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Ludwig-Erhard-Preis

Fürth feiert den „Vater der sozialen Marktwirtschaft“

Im Oktober jährte sich die Kanzlerwahl Ludwig Erhards zum 50. Mal. Deshalb hat die Vorsitzende des Ludwig-Erhard-Initiativkreises, die Fernseh-Journalistin Evi Kurz, die Verleihung des Ludwig-Erhard-Preises 2013 als großen Festakt gestaltet. 600 Gäste aus ganz Deutschland kamen am 15. Oktober ins Fürther Stadttheater, um den großen Philosophen der durch soziale Ideale gezähmten Marktwirtschaftslehre zu feiern. Den Ludwig-Erhard-Preis 2013 erhielt der Ökonom Dr. Andreas Schmid, inzwischen Juniorprofessor an der Universität Bayreuth, für seine Promotion über Konzentration im Krankenhaussektor.

Der Berliner Historiker und Erhard-Experte Prof. Dr. Daniel Koerfer (Verfasser des gut 900 Seiten starken Standardwerkes „Kampf ums Kanzleramt. Erhard und Adenauer“) eröffnete die Würdigung Erhards. Er hob besonders Mut und Weitsicht des gebürtigen Fürthers hervor: Die Einführung der sozialen Marktwirtschaft sei „ein brutaler Akt“ gewesen, urteilte er in seiner Rede. Im Anschluss sprach der ehemalige Bundesverfassungsrichter und Steuerrechtler Prof. Dr. Paul Kirchhof. Sein Diktum im Erhard‘schen Sinne: „Der Staat hat strukturell keinen Auftrag zur Umverteilung – auch nicht durch Steuern.“ Für die Festrede zur Preisverleihung war Friedrich Merz gekommen, jener frühere CDU-Fraktionsvorsitzende, der mit der Forderung berühmt wurde, jeder normale Bürger müsse seine Steuererklärung auf dem Bierdeckel machen können. Erhards Denken sieht Merz heute in Europa fortwirken: „Die soziale Marktwirtschaft ist ausdrücklich im EU-Vertrag verankert. Heute kommt keine Demokratie ohne Marktwirtschaft aus, aber viele Marktwirtschaften ohne Demokratie.“

Am 16. Oktober 1963 wurde Erhard deutscher Bundeskanzler und Nachfolger des 14 Jahre regierenden Konrad Adenauer. Doch die Basis seiner Berühmtheit hatte der am 4. Februar 1897 geborene Sohn eines Textilhändlers vorher als Wirtschaftsminister gelegt. Dass heute seiner gedacht wird, dass seine Ideen wieder und wieder aufgegriffen und diskutiert werden, hat weniger mit Erhards Kanzlerschaft zu tun. Zwar wurde er 1965 wiedergewählt, doch schon im Dezember 1966 trat er, von eigenen Parteifreunden fallengelassen, zurück. Erhard hat seine große Erfolgsstory bereits 1957 verfasst. „Wohlstand für alle“ ist mehr als der Titel seines populärsten Buches, es war sein Programm, das er klug und vorausschauend, manchmal listig durchzog. Doch es war ein gefährliches Projekt: Adenauer hatte fertige Pläne in der Schublade, Erhard bei einem Scheitern rasch zu ersetzen.

In diesen Tagen wirkt Ludwig Erhard, 36 Jahre nach seinem Tod, wieder in die ferne Zukunft, er wird das Fürther Stadtbild verändern: Der Ludwig-Erhard-Initiativkreis wird sein Geburtshaus erwerben, das in einer nach ihm benannten Straße direkt hinter dem venezianischen Rathaus gelegen ist. Auf dem Parkplatz, wo bis 1995 das legendäre Café Fürst stand, in dem lokale Prominenz wie Ludwig Erhard oder Gustav Schickedanz (Quelle) verkehrten, soll ein asymmetrischer kubischer Bau als Begegnungszentrum entstehen. Ein geschichtsträchtiger Ort: Nebenan hat Max Grundig sein erstes Radiogeschäft eröffnet.

Etliche Unternehmer haben sich als Gründungsstifter engagiert, darunter die Unternehmerfamilie Winter (Uvex), Gunther Oschmann (Müller Medien), Dieter Kempf (Datev), Peter und Evi Kurz, Immobilienkaufmann Thomas Sommer und Henriette Schmidt-Burkhardt (Lebkuchen Schmidt). Eine Mio. Euro gibt der Bund zum Kauf des Hauses; das Land Bayern unterstützt den Umbau mit 3,5 Mio. Euro. Sollte es trotzdem einmal knapp werden, hilft ein Ratschlag des „Fundamentaloptimisten“ Erhard (Prof. Koerfer): „Wir müssen uns entweder bescheiden oder mehr arbeiten. Die Arbeit ist und bleibt die Grundlage des Wohlstandes.“

Autor: 
pb.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2013, Seite 85

 
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