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IHK-Konjunkturklima

Wolken am blauen Himmel

Das Wachstum der mittelfränkischen Wirtschaft setzt sich fort, verliert aber an Dynamik.

Die mittelfränkischen Betriebe blicken auf einen langjährigen Aufschwung mit nahezu ungebremstem Wachstum zurück. Die Mehrheit der Befragten rechnet damit, dass diese Reise weitergeht. IHK-Präsident Dirk von Vopelius warnte trotz sich abzeichnender Risiken davor, eine Konjunkturdelle herbeizureden. Im Übrigen plädierte er dafür, die deutsche Automobilindustrie als weltweit sichtbaren Ausdruck deutscher Ingenieurskunst zu begreifen. Überzogene Kritik sei trotz der Verfehlungen in der Abgasthematik unangebracht.

Zu Jahresbeginn 2019 sind laut der IHK-Umfrage sowohl die Geschäftslage und -erwartungen als auch die Investitions- und Beschäftigungspläne per Saldo weiterhin positiv. Diese vier Indikatoren haben sich jedoch über alle Wirtschaftszweige hinweg im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Die Befragten beurteilen ihre Umsatzentwicklung weiterhin als gut und zeigen sich zufrieden, weil ihre Auftragsbücher gut gefüllt und die Kapazitäten in hohem Maße ausgelastet sind. Als Engpass erweist sich die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, die immer schwerer zu finden sind. Hinzu kommen nun weltwirtschaftliche und wirtschaftspolitische Risiken, die die Fortsetzung des Aufschwungs gefährden – Stichworte: Brexit, Konflikte innerhalb der EU, zunehmender weltweiter Protektionismus, Handelskonflikt zwischen USA und China, aber auch die Diskussion um Diesel und Fahrverbote sowie Digitalisierung und unzureichende Breitband-Versorgung.

Geschäftslage nahe am Höchststand: Die mittelfränkische Wirtschaft beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage mehrheitlich als gut (54 Prozent der Betriebe), weitere 40 Prozent sind zufrieden. Damit ergibt sich unter dem Strich ein Saldo von 48 Punkten – das drittbeste Ergebnis der vergangenen beiden Jahrzehnte. Allerdings liegt dieser Wert um acht Punkte unter dem Höchststand, der Anfang 2018 registriert wurde.

Geschäftserwartungen eingetrübt: Für die kommenden Monate zeigen sich die Unternehmen weniger optimistisch, der blaue Konjunkturhimmel trübt sich weiter ein. Die mittelfränkischen Betriebe erwarten für 2019 eine geringere Wachstumsdynamik, aber keinen Einbruch der Konjunktur: 17 Prozent der Befragten erwarten verbesserte Geschäfte in den kommenden Monaten, 70 Prozent gehen von gleichbleibenden Geschäften aus und 13 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Damit liegt der Saldo der Erwartungen bei vier Punkten – das sind 18 Punkte weniger als vor einem Jahr.

Geringere Dynamik bei den Investitionen: In den vergangenen vier Jahren sind die Auftragseingänge bei den Betrieben stetig gewachsen, weshalb die Kapazitäten stark ausgelastet sind. Das Investitionsklima dürfte auch in nächster Zeit freundlich bleiben, weil weiter Ersatzbeschaffungen und Investitionen zur Erweiterung der Kapazitäten anstehen: Fast 80 Prozent der Betriebe in Mittelfranken planen mit unveränderten oder sogar erhöhten Investitionsbudgets, elf Prozent wollen sie senken und zehn Prozent der Befragten auf Investitionen verzichten. Im Vergleich zum Frühjahr 2018 gehen die Unternehmen damit bei den Investitionen etwas vom Gas.

Zusätzliche Fachkräfte gesucht: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mittelfranken lag 2018 bei knapp 780 000 und ist damit seit 2009 um rund 120 000 angestiegen. Aktuell planen 17 Prozent der mittelfränkischen Betriebe nochmals mit zusätzlichem Personal, nur neun Prozent erachten Stellenstreichungen als erforderlich. Die Kehrseite: Die Engpässe am regionalen Arbeitsmarkt werden sich wohl kaum auflösen. Vor allem die mittelfränkischen Industriebetriebe suchen in noch größerem Ausmaß als 2018 vornehmlich dual ausgebildete Fachkräfte und Meister.

Industrie: Die mittelfränkische Industrie beurteilt ihre Lage zu Jahresbeginn 2019 als unverändert gut, weil die Aufträge aus dem Inland angestiegen sind und das Auftragsvolumen aus dem Ausland stabil ist. Auch die Kapazitätsauslastung bleibt hoch. Der IHK-Konjunkturumfrage zufolge dürften die Erlöse und Erträge der mittelfränkischen Industrie auch 2019 moderat wachsen. Über alle industriellen Branchen hinweg werden höhere Beschäftigtenzahlen geplant, auch das Investitionsklima bleibt stabil. Hauptmotiv für die Investitionen ist die Ersatzbeschaffung.

Bauwirtschaft: Die mittelfränkische Bauwirtschaft legt zwar eine Verschnaufpause ein, berichtet aber nach wie vor über eine erfreuliche Geschäftslage. „Größer als saisonüblich“ sei der Auftragsbestand, so die Mehrheit der Befragten. Die Rahmenbedingungen für die Branche sind derzeit ideal: niedrige Zinsen, wachsende Realeinkommen, anhaltender Nachholbedarf beim Wohnungsbau sowie gute konjunkturelle Lage, die den Wirtschaftsbau antreibt. Im öffentlichen Hoch- und Tiefbau erlauben gut gefüllte Kassen, dass Projekte in den Bereichen Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur abgearbeitet werden. Dennoch zweifeln die Betriebe daran, dass das Auftragsvolumen auf dem erreichten hohen Niveau noch weiter wachsen kann, und korrigieren deshalb ihre Erwartungen etwas nach unten. Trotz dieser Skepsis wollen die befragten Betriebe mehr investieren, planen allerdings mit niedrigeren Beschäftigtenzahlen.

Handel: Im mittelfränkischen Handel trübt sich die Stimmung ein. Die Händler zeigen sich insgesamt mit der aktuellen Geschäftslage mehrheitlich zufrieden, allerdings ist die Branche gespalten: Auf der einen Seite die Großhändler und Handelsvertreter mit einer sehr guten Lagebeurteilung und optimistischer Sicht auf die nächsten Monate, auf der anderen Seite die Einzelhandelsbetriebe, die die aktuelle Lage deutlich zurückhaltender beurteilen und bei den Aussichten unter dem Strich sogar zu einem negativen Urteil kommen. Dies schlägt sich auch in den Planungen nieder: Mehr Investitionen und mehr Beschäftigte bei Großhandel und Handelsvertretungen, bei den Einzelhandelsbetrieben dagegen weniger Investitionen und sinkende Belegschaften. Die schlechte Stimmung im Einzelhandel hat mehrere Ursachen: sinkende Umsätze im stationären Geschäft, nachlassende Kundenfrequenz in den Innenstädten, Konkurrenz des Online-Handels und ein oft schwaches Weihnachtsgeschäft, das auf die Stimmung drückte.

Unternehmensnahe Dienstleistungen: In der Branche herrscht Boom-Stimmung, die Betriebe schätzen ihre aktuelle Lage sogar noch besser ein als während des gesamten Jahres 2018. Transportgewerbe, Immobilienwirtschaft und Gebäudeservices sowie Beratungs-, Informations- und Kommunikationsdienstleister blicken auf gestiegene Erlöse zurück und erwarten weiteres Umsatzwachstum. Auch mit Blick auf die nächsten Monate herrscht Optimismus, weshalb die Betriebe ihre im Vergleich zu den anderen Branchen überdurchschnittlichen Investitions- und Beschäftigungspläne beibehalten wollen. Speditionen und IT-Dienstleister zählen weiter zu den Branchen mit den größten Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen.

Verbrauchernahe Dienstleistungen: Die Branche berichtet von einer guten Umsatzentwicklung und Auslastung, allerdings sind die Werte bei der Einschätzung der Lage gegenüber 2018 etwas rückläufig. In den nächsten Monaten erwarten die Anbieter personenbezogener Dienstleistungen ein weiteres Wachstum. Dagegen kippt die Stimmung im Hotel- und Gaststättengewerbe: Es geht von rückläufigen Umsätzen aus, jeder vierte Betrieb befürchtet eine schlechtere Geschäftslage in den kommenden Monaten. Als Risiken werden Bürokratielasten und steigende Arbeitskosten sowie neue Wettbewerber und Preisdruck durch Internet-Portale genannt. Diese Geschäftserwartungen beeinflussen die Beschäftigungsplanungen: Während Hotels und Gaststätten mit weniger Personal reagieren, wollen die personenbezogenen Dienstleister mehr Beschäftigte einstellen. Unter dem Strich ist bei den verbrauchernahen Dienstleistern davon auszugehen, dass die Beschäftigung leicht sinkt. Die Investitionspläne werden von der etwas gedämpften Stimmung dagegen kaum beeinflusst.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2019, Seite 20

 
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