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Nachhaltigkeitsberichterstattung

 

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Ass. jur. Yvonne Stolpmann

Ass. jur. Yvonne Stolpmann

Leiterin Referat Gründung | Nachfolge | Unternehmensförderung Tel: +49 911 1335 1377

Viele Unternehmen veröffentlichen bereits heute freiwillig regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht, andere sind bereits heute per Gesetz verpflichtet, über Nachhaltigkeitsthemen im Rahmen der nichtfinanziellen Erklärung zu berichten. 

Auf Unternehmen, die bereits heute eine Berichtspflicht trifft, kommen in den nächsten Jahren Veränderungen zu. Darüber hinaus werden künftig mehr Unternehmen von der direkten Berichtspflicht betroffen sein. 

Was ändert sich ab dem Berichtsjahr 2021?

Ab dem Berichtsjahr 2021 gilt bereits über Taxonomie- und Offenlegungsverordnung im Zusammenspiel mit der aktuell geltenden CSR-Richtlinie eine erweiterte Berichtspflicht zu Nachhaltigkeitsaspekten. Es muss offengelegt werden wie und in welchem Umfang die Tätigkeiten mit ökologisch nachhaltigen wirtschaftlichen Tätigkeiten im Sinne der Taxonomieverordnung verbunden sind. Aktuell gelten diese Offenlegungspflichten im Rahmen der nichtfinanziellen Erklärung für alle kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern. Aktuell sind danach in Deutschland rund 500 Unternehmen berichtspflichtig.

Was ändert sich durch die geplante Änderung der CSR-Richtline?

Geplant ist künftig mehr Unternehmen als bisher zur Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsinformationen zu verpflichten. Nach den aktuellen Plänen könnte sich die Zahl der betroffenen Unternehmen demnächst verdreißigfachen!

Im April 2021 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für eine Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) veröffentlicht, die die bisher geltende Nonfinancial Reporting Directive (NFRD) ersetzen soll. Die NFRD wurde in Deutschland 2017 mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) in nationales Recht umgesetzt.

Die Beratungen zum vorliegenden Entwurf haben - Stand 18. Februar 2022 - im Rat ein Zwischenziel erreicht. Der Rat hat seine allgemeine Ausrichtung festgelegt, die Basis für die Verhandlungen mit dem EU-Parlament sein wird. Der Rat will grundsätzlich an dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen weiten Anwendungsbereich für berichtspflichtige Unternehmen festhalten. Er schlägt jedoch Konkretisierungen des Anwendungsbereichs vor, u.a. eine spätere und gestufte Anwendung der künftigen Richtlinie für die berichtspflichtigen Unternehmen. Unternehmen sollen so ausreichend Zeit für die Anpassung bekommen.

Folgende Fristen werden aktuell vorgeschlagen (Stand 18. Februar 2022):

  • Januar 2024 für Unternehmen, die bereits der NFRD unterliegen
    (Berichterstattung im Jahr 2025 über die Daten von 2024)
  • Januar 2025 für große Unternehmen, die derzeit nicht der NFRD unterliegen
    (Berichterstattung im Jahr 2026 über die Daten von 2025)
  • Januar 2026 für börsennotierte KMU sowie kleine und nicht komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen
    (Berichterstattung im Jahr 2027 über die Daten von 2026).

Änderungsvorschläge der EU-Kommission im Detail:

  • Anwendungsbereich:
    Die Zahl der betroffenen Unternehmen wird sich deutlich erhöhen. Geplant ist eine Anwendung auf
    • alle großen Unternehmen, unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung, wenn sie zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: Mehr als 250 Beschäftigte, Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro, Nettoumsatz von über 40 Millionen Euro.
    • alle kapitalmarktorientierten kleinen und mittleren Unternehmen, mit Ausnahme börsennotierter Kleinstunternehmen (Berichterstattung im Jahr 2027 über die Daten von 2026); als Kleinstunternehmen gelten Unternehmen, die zwei der drei Merkmale nicht überschreiten: 10 Beschäftigte, 350.000 Euro Bilanzsumme, 700.000 Euro Nettoumsatz.
  • Inhalte:
    Zusätzlich zur doppelten Materialität müssen berichtspflichtige Unternehmen die grünen Finanzkennzahlen der Taxonomie-Verordnung (EU 2020/852) beachten und darstellen, wie und in welchem Umfang die Tätigkeiten des Unternehmens sowohl in Bezug auf Umsatz als auch Investitions- und Betriebsausgaben mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die im Sinne der Verordnung als ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten einzustufen sind.
  • EU-Standards:
    Die Berichtsinhalte und Berichtsstruktur sollen mittels verbindlicher EU-Nachhaltigkeitsstandards, die noch entwickelt und als delegierte Rechtsakte erlassen werden, dargestellt werden. Nach den Beratungen im Februar 2022 wird vorgeschlagen, KMU die Möglichkeit zu geben, die nach der Berichterstattungspflicht bereitzustellenden Informationen einzuschränken (mit Ausnahme von KMU, die zugleich Muttergesellschaften großer Unternehmen sind).
  • Format:
    Berichtspflichtige Unternehmen werden verpflichtet, Nachhaltigkeitsinformationen für das vorliegende Geschäftsjahr im Lagebericht darzustellen. Die Möglichkeit, den Nachhaltigkeitsbericht gesondert zu veröffentlichen, ist nicht mehr vorgesehen.
  • Prüfung:
    Die Nachhaltigkeitsinformationen müssen künftig dem Abschlussprüfer oder einem unabhängigen Dienstleister zur „Erlangung einer begrenzten Sicherheit“ vorgelegt werden.
  • Verantwortung:
    Das Management soll aktiv und nachweislich die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung tragen. Der Bilanzeid, der sich bislang nur auf die Finanzberichterstattung bezieht, soll so auf den ‎Nachhaltigkeitsbericht ausgeweitet werden ‎Weiterhin ist der Aufsichtsrat wie bislang schon verantwortlich für die Überwachung der Berichterstattung.‎

Die Beratungen im federführenden Rechtsausschuss des EU-Parlaments sind noch nicht abgeschlossen. Es wurden einige hundert Änderungsanträge zum Berichtsentwurf eingereicht.

‎Im nächsten Schritt werden das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten im Rat einen endgültigen Gesetzestext aushandeln. Die Einigung wird für Herbst 2022 erwartet.

Parallel dazu wird ein erster Entwurf eines Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung erwartet.

Wie können sich Unternehmen wappnen?

Im Ergebnis kann dies dazu führen, dass alle Unternehmen zukünftig Angaben zur Nachhaltigkeit ihres Unternehmens machen müssen.

Unternehmen die sich frühzeitig darauf einstellen, haben die Chance

  • neue Kunden zu gewinnen,
  • die sich abzeichnenden Bürokratiekosten zu begrenzen und
  • gute Konditionen bei der Unternehmensfinanzierung zu erzielen.

Für Unternehmen, die die Kriterien nicht erfüllen, könnten sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern beziehungsweise der Zugang zu Finanzierungen gar verwehrt werden. 

Um die Bürokratiekosten zu reduzieren, ist es für Unternehmen empfehlenswert auf bestehende und im Betrieb etablierte Berichte und Audits zurückzugreifen und diese in einem übergeordneten Nachhaltigkeitsbericht zusammenzuführen.

In vielen Fällen bestehen bereits Zertifizierungen und Audits, welche sich den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) zuordnen lassen. So ist etwa der ganze Bereich des Arbeitsschutzes und der Mitarbeiterförderung der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit zuzuordnen.

Maßnahmen und Managementinstrumente, wie beispielsweise EMAS im Themenfeld der Energie- und Ressourceneffizienz, sind hingegen Bestandteil der ökologischen Perspektive. Aber auch europäische Vorgaben wie beispielsweise mit Blick auf die Informationspflichten nach REACH Art. 33 können der ökologischen Dimension zugeordnet werden.

Letztlich sind insbesondere auch die wirtschaftlichen Kennzahlen von Interesse für die ökonomische Perspektive, denn nur ein wirtschaftlich gut aufgestelltes Unternehmen kann in die sozialen und ökologischen Dimensionen von Nachhaltigkeit dauerhaft investieren.  

Die vorhandenen Informationen können anschließend in einem gebündelten Bericht zusammengeführt werden, welcher zukünftig gegenüber Kunden, Banken und Versicherungsinstituten als Nachhaltigkeitsbericht zur Verfügung gestellt werden kann. 

IHK-Seminarreihen zum Thema

CO2 Unternehmerische Klimaverantwortung - Von der Bilanz zur Strategie

In der Umstellung hin zum klimaneutralen Unternehmen stecken viele Potenziale, die genutzt werden können und sollten. Klimaschutz im Unternehmen lohnt sich – und sollte als strategische Aufgabe von hoher Wichtigkeit verstanden werden. Unsere IHK-Live-Online-Trainings vermitteln Geschäftsführer:innen sowie Führungs- und Fachkräften nicht nur die Grundlagen der Klimaneutralität, sondern auch konkrete Schritte für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz im eigenen Unternehmen. Kommen Sie mit uns ins Handeln!    

  1. Corporate Carbon Footprint 
  2. Fallstricke in der Bilanzierung und wie sie vermieden werden können     
  3. Von der Bilanz zur Klimastrategie 

Nachhaltigkeitsberichterstattung - Der Weg zum eigenen Bericht

Kaum ein Thema innerhalb des weiten Feldes der Nachhaltigkeit erfährt gegenwärtig so viel Aufmerksamkeit wie die Berichtserstattung. Dies liegt nicht nur an den sich kontinuierlich verschärfenden gesetzlichen Vorgaben sondern auch an den steigenden Anforderungen, die die unterschiedlichen Stakeholder an Unternehmen stellen und eine Geschäftsbeziehung an die Offenlegung von Information des Unternehmens knüpfen. Auch die Erwartungshaltung hat sich verändert, die sich durch ein höheres Maß an Transparenz von Unternehmen kennzeichnet. Entstanden ist eine komplexe Anforderungslage, verbunden mit der Notwendigkeit, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmen aufzubauen und umzusetzen.

  1. Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung (NB)
  2. Rahmenwerke und Verankerung im Unternehmen 
  3. Der Weg zum eigenen Bericht

Berichtsstandards

Gerade KMU benötigen zunächst einen Überblick, welche strategisch relevanten Berichtspunkte genau mit welchen Kennzahlen abgebildet und in ihrer zeitlichen Entwicklung transparent gemacht werden können und sollen, um den Anforderungen, die auf sie zukommen gerecht zu werden.

Im Rahmen von Nachhaltigkeitsmanagementkonzepten (etwa nach ISO 26000) spielen Nachhaltigkeitsberichte eine wichtige Rolle: Sie dienen im Unternehmen intern zur systematischen Verbesserung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte. Nach außen lenken sie als Instrument der Informationspolitik die Diskussion mit Stakeholdern wie Anteilseignern, Beschäftigten, Nachbarn, Lieferanten, Kunden, Verbänden oder Behörden über eben diese sozialen, ökologischen und ökonomischen Berichtspunkte.

Damit wird es für KMU möglich, Fortschritte in ausgewählten Themenbereichen ihres Berichts nachzuweisen, die sie selbst aufgrund ihrer strategischen Überlegungen besonders fokussieren. Sofern Geschäftsmodelle nicht völlig ausgeschlossen sind (etwa aufgrund von gesetzlichen Verboten), dominiert innerhalb des vorgegebenen Rahmens der ESG-Regulierung im unternehmerischen Kalkül letztlich wieder das ökonomische Prinzip von Kosten-Nutzen-Überlegungen.

Sowohl aus diesem betriebswirtschaftlichen Grund als auch zur Vorbereitung auf Verhandlungen mit Kapitalgebern, Versicherungen, Kunden und Lieferanten entsteht ein erheblicher Bedarf an unterstützenden Informationen.

Nutzbar sind beispielsweise folgende nationale, europäische oder internationale Rahmenwerke:

 

Wahl des Berichtsstandards

Unternehmen die aktuell nicht berichtspflichtig sind und es auch künftig nicht sein werden, bleibt es selbst überlassen, ob, wo und nach welchem Standard sie berichten. Ebenso gibt es keine Verpflichtung, diese Berichte auch extern prüfen zu lassen.

Ist ein Unternehmen berichtspflichtig (s.o. CSR-RL, CSRD), so hat es künftig spezielle Vorgaben hierbei zu erfüllen, die bis Ende 2022 feststehen werden.

 
 
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