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Löffler

Das sitzt!

Löffler_Werner_2018 © Löffler

Geschäftsführer Werner Löffler: "Schon als Kind spürte ich die Leidenschaft für Kunst und Design."

Werner Löffler hat einen renommierten Büromöbelhersteller aufgebaut und will weiter mit Technik und Design punkten.

Museumsbesuche im Schlepptau der Eltern wecken bei manchen Erwachsenen eher ungute Erinnerungen an die Kindheit. Anders bei Werner Löffler: Seine Augen leuchten, wenn er an die Zeit zurückdenkt, die er mit seiner Mutter in Gemäldesammlungen verbracht hat: „Schon als Kind spürte ich die Leidenschaft für Kunst und Design“, erklärt der Inhaber der Löffler GmbH in Reichenschwand. Dieses Gefühl war für den Gründer des Möbelherstellers offenbar so stark, dass es die Richtung seines Lebenswegs nachhaltig beeinflusste. Nach einer Ausbildung als Industriekaufmann arbeitete der gebürtige Hersbrucker zehn Jahre bei einem Büromöbelhersteller. Als Löfflers Idee, ergonomische Sitzmöbel zu entwickeln, bei seinem damaligen Arbeitgeber auf wenig Gegenliebe stieß, kündigte er 1991 kurzentschlossen: „Dann mach‘ ich’s eben selbst“, dachte er sich und entwickelte mit Wissenschaftlern des Lehrstuhls für Ergonomie an der Technischen Universität München die patentierte Technologie „Ergo Top“, die noch heute das Herzstück der Bürodrehstühle und Bürohocker bildet. „Dahinter steckt die Idee des bewegten Sitzens“, erklärt Löffler. Die um 360 Grad bewegliche Sitzfläche aktiviert die Muskulatur im Sitzen, indem der vertikale und horizontale Körpermittelpunkt permanent ausbalanciert wird.

Werner Löffler war von dieser Idee überzeugt und gründete 1992 als 30-Jähriger die Löffler GmbH. Weil die Banken seine Geschäftsidee nicht finanzieren wollten, verkaufte er seinen Karmann Ghia und startete mit 15 000 DM in das Abenteuer Existenzgründung. In einer 25-Quadratmeter-Scheune ohne Heizung entstanden die ersten Stühle. „Ich habe die Einzelteile montiert, gepolstert und verkauft. Es war eine One-Man-Show“, erinnert sich Löffler. 1994 wurden die Arbeitsbedingungen etwas komfortabler: Die neue Werkstatt in Reichenschwand hatte immerhin einen Kanonenofen und eine Toilette mit Licht. Und die Stühle für das „bewegte Sitzen“ kamen bei den Kunden immer besser an, sodass der Absatz kontinuierlich wuchs. 1998 hat Werner Löffler den Firmensitz in der Rosenstraße gebaut und 2010 erweitert. Inzwischen ist das Areal jedoch zu eng geworden, weshalb die Löffler GmbH einen Neubau im Hersbrucker Ortsteil Altensittenbach plant. Der Umzug soll 2020 stattfinden.

Vom Entwurf bis zur Fertigung

Derzeit beschäftigt die Löffler GmbH 85 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 20 Mio. Euro. Das Sortiment umfasst sowohl Sitzmöbel als auch Tische, Regale und andere Einrichtungsgegenstände. Verkauft werden diese Artikel vor allem über den Fachhandel. Produziert wird in Reichenschwand, in Kooperation mit international renommierten Designern und regionalen Handwerkern. „Wir haben den gesamten Produktionsprozess im eigenen Hause – vom Entwurf bis zur Fertigung“, erklärt Werner Löffler. Er hat sich bewusst für die Produktion „Made in Germany“ entschieden und will nach der Maxime „Eigentum verpflichtet“ handeln: „Dazu gehört für mich, nicht nur die Gewinnmaximierung im Blick zu haben, sondern auch feste Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen zu bieten.“

Als Unternehmer setzt Werner Löffler auf qualitatives Wachstum. Sein Credo lautet „höhere Wertschöpfung durch Qualität und Wertigkeit“. Angesichts der ökologischen Herausforderungen seien Wegwerfartikel aus der Zeit gefallen, Nachhaltigkeit verlange nach langlebigen Produkten: „Unsere Möbel sollen ihren Nutzern lange Freude bereiten“, erklärt der Firmenchef. So gibt die Löffler GmbH 30 Jahre Garantie auf alle Produkte.

Seine Leidenschaft für Kunst und Design lebt Werner Löffler sowohl als Unternehmer als auch als Sammler aus: In seiner Kollektion stehen „Stuhlindividualitäten“ aus drei Jahrhunderten Kulturgeschichte – vom Klassizismus und Biedermeier über Jugendstil, Neue Sachlichkeit, Nachkriegsmoderne bis hin zur Postmoderne. Insgesamt umfasst seine Sammlung mehr als 2 500 Sitzmöbel (darunter Klassiker von Michael Thonet, die Schichtholz-Liege von Marcel Breuer und der „Barcelona Chair“ von Mies van der Rohe), die er seit 1987 zusammengetragen hat. Angefangen hat alles mit „Teodora“, einem Stuhl des italienisch-österreichischen Designers Ettore Sottsass, den Löffler auf einer Drehscheibe in einem Möbelhaus in Hirschaid entdeckte. „Als ich ihn sah, war mein erster Gedanke ‚Mit dir beginnt eine Sammlung‘.“ Heute ist die Kollektion für den Unternehmer Inspiration und Anspruch: „Hier stehen so viele wunderbare Exemplare, von denen wir als Möbelhersteller immer wieder etwas lernen können.“

Immer wieder hinterfragen

Bewegung ist stets besser ist als Stillsitzen – von diesem Grundsatz lässt sich Werner Löffler nicht nur bei der Konstruktion von Sitzmöbeln leiten, sondern auch bei der Unternehmensentwicklung: „Man muss immer hinterfragen ‚Tun wir das Richtige?‘ und darf sich nie mit dem Status quo zufriedengeben.“ Dementsprechend offensiv geht Werner Löffler mit dem Trend zur Digitalisierung um. Mit Dr. Franco Lehmann hat der Firmeninhaber einen Experten für dieses Thema eingestellt. Gemeinsam mit den Beschäftigten stellen sie sich der Herausforderung, wie das Unternehmen den digitalen Wandel gestalten kann. Dabei gehe es nicht nur um Prozesse und Strukturen, macht Lehmann deutlich. „Wir müssen einen Diskurs im Unternehmen führen, wie wir unsere Werte und Ansprüche in der Ära der Digitalisierung leben wollen und können und wie sich die Erwartungen unserer Kunden verändern.“ Aktuell wird an der neuen Plattform „MyLoeffler“ für Händler gearbeitet, die den Bestellprozess transparent abbilden soll.

Bei aller Begeisterung für die Chancen des digitalen Zeitalters – auf ein analoges Arbeitsmittel wird Werner Löffler jedoch nie verzichten: Seit 1992 notiert er seine jährliche Umsatzplanung in einem kleinen Ringbuch und verfolgt die Entwicklung anhand der Monatszahlen: „Wenn ich dann mit Bleistift ‚geschafft‘ hinter das Jahresziel schreibe, ist das ein schönes Gefühl.“ (aw.)

Autor: 

aw.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2019, Seite 60

 
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