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Stadt-Umland-Bahn

Wachsen weitere "Äste"?

Stadt-Umland-Bahn Grafik © Zweckverband StUB

Die Stadt-Umland-Bahn nimmt Fahrt auf und könnte sogar noch mehr Orte verbinden als bisher geplant.

Starken Rückenwind hat die geplante Stadt-Umland-Bahn (StUB) – eines der größten Straßenbahnprojekte in Deutschland. Die Bahn soll die Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach auf einer 26 Kilometer langen Strecke im Zehn-Minuten-Takt verbinden. Insbesondere den vielen Berufspendlern, die derzeit noch mit dem Auto zur Arbeit fahren, soll damit der Umstieg auf ein attraktives und umweltfreundliches Verkehrsmittel ermöglicht werden.

Das Projekt könnte sogar noch größer ausfallen als bislang gedacht, denn im Gespräch ist nun wieder, die Planungen für den Ost-Ast von Erlangen nach Neunkirchen und Eckental wieder aufzunehmen. Mit dieser Verbindung würde auch eine Umsteigemöglichkeit zur Gräfenberg-Bahn geschaffen. Der Kreistag des Landkreises Erlangen-Höchstadt hat im Januar mit deutlicher Mehrheit beschlossen, entsprechende Verhandlungen mit den beteiligten Städten Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach sowie mit dem Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (ZV StUB) aufzunehmen. Positive Signale für den Ost-Ast gaben nun auch Vertreter des Bundesverkehrsministeriums bei einem Gespräch mit Alexander Tritthart, Landrat des Landkreises Erlangen-Höchstadt, und Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden.

Unabhängig davon hat der Kreistag beschlossen, den sogenannten Nord-West-Ast über Röttenbach und Adelsdorf nach Höchstadt zu untersuchen. Diese Verbindung hatte Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm bereits Ende vergangenen Jahres wieder in die Diskussion gebracht. Damit vollzog sich ein Stimmungswandel, denn noch vor sechs Jahren war in einem Bürgerentscheid die Beteiligung des Landkreises an dem Projekt klar abgelehnt worden. Ein wesentlicher Grund für das Votum war damals die hohe Kostenbelastung gewesen. Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, der zum Jahreswechsel turnusgemäß den Vorsitz im Zweckverband von Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker übernommen hatte, begrüßte das Votum: "Ich freue mich über den mehrheitlichen Wunsch des Kreistags und die grundsätzliche Bereitschaft, das Projekt Stadt-Umland-Bahn größer zu denken und erhoffe mir hiervon eine positive Signalwirkung für die ganze Region."

Höhere Förderung durch den Bund

Zwei Gründe dürften maßgeblich gewesen sein für den Meinungsumschwung: zum einen die Diskussion um den Klimawandel, die die Notwendigkeit einer nachhaltigen Mobilität noch stärker ins Bewusstsein gerückt hat, sowie neue Förderkriterien, die den Eigenanteil der beteiligten Gebietskörperschaften deutlich sinken lassen. Denn zum 1. Januar 2020 war auf Bundesebene die Novelle des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) in Kraft getreten, die mehr Geld in kommunale Projektbudgets zur "Verbesserung der Verkehrsverhältnisse" spült. Statt der bislang zugesagten 60 Prozent erhält die StUB vom Bund nun eine 75-prozentige Förderung. Das liegt u. a. daran, dass es neuerdings auch Mittel für Streckenabschnitte gibt, bei denen die Straßenbahn keine eigene Fahrspur hat, sondern im Straßenraum fährt.

Zudem werden auch die Planungskosten in höherem Maße gefördert. "Durch die Gesetzesänderung bekommt die Stadt-Umland-Bahn jetzt einen mittleren achtstelligen Betrag an zusätzlicher Förderung", erklärt Daniel Große-Verspohl, Geschäftsleiter des StUB-Zweckverbands. Dies entlastet die beteiligten Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach deutlich. Wenn die Gesamtfördersumme von Bund und Land bei den bisher zugesagten 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten bleibt, sinkt der Eigenanteil der Städte von 127 auf 78 Mio. Euro. Die Investitionskosten für das Straßenbahnprojekt werden auf 372 Mio. Euro und die Planungskosten auf 56 Mio. Euro veranschlagt, so die Schätzung des StUB-Zweckverbands.

Raumordnungsverfahren abgeschlossen

Für gute Stimmung bei den Befürwortern der StUB und beim Zweckverband hatte im vergangenen Jahr auch der erfolgreiche Abschluss des Raumordnungsverfahrens durch die Regierung von Mittelfranken gesorgt. Als zuständige Landesplanungsbehörde hat sie die StUB mit dem Prädikat "raumverträglich" versehen. Mit dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens war Ende Januar 2020 ein wichtiger Meilenstein für das Straßenbahnprojekt gesetzt worden. Das Verfahren sollte feststellen, wie sich das Vorhaben auf Verkehrssituation, Siedlungsentwicklung, Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz, Erholung, Natur und Wasserwirtschaft auswirkt. Zur Beurteilung stand die sogenannte Vorzugstrasse. Sie führt auf einer Länge von rund 26 Kilometern von der Haltestelle "Am Wegfeld" im Nürnberger Norden über Tennenlohe, Erlangen-Süd und Erlangen-Zentrum nach Herzogenaurach. Die zur Prüfung eingereichte Streckenführung war das Ergebnis einer etwa zweijährigen Detailarbeit: Unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Organisationen und Verbänden hat der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (ZV StUB) die ursprüngliche Planungsgrundlage verbessert.

Im Raumordnungsverfahren waren über 80 Behörden, Institutionen und Kommunen aufgerufen, Stellungnahmen zu diesem Projekt abzugeben. Auch die Öffentlichkeit konnte sich an dem Prozess beteiligen. Mehr als 200 Äußerungen, Hinweise und Einwendungen wertete die Regierung von Mittelfranken aus. Sie gelangte zu dem Ergebnis, dass die Stadt-Umland-Bahn "raumverträglich" ist. Nur an einer Stelle legte Ansbach ein Veto gegen einen Abschnitt der Vorzugstrasse ein: Die Planung für den Abschnitt Hutgraben nahe Erlangen-Tennenlohe sei zu überarbeiten, da sonst der Eingriff in den Bannwald zu groß ausfallen würde. Für diesen Abschnitt wurden seitdem mehrere Varianten – auch in einem intensiven Bürgerdialog – diskutiert, bis sich schließlich eine Streckenführung als Favorit herauskristallisierte, die laut Zweckverband den Belangen aller Interessengruppen am besten gerecht wird und über die nun in den städtischen Gremien beraten werden wird.

Der Zweckverband muss zudem eine Reihe von "Maßgaben" der Regierung von Mittelfranken beachten. Sie betreffen in erster Linie die künftige Leistungsfähigkeit von Verkehrsknotenpunkten, Detailuntersuchungen zum Artenschutz und die neue Brücke zur Regnitzquerung in Erlangen auf Höhe der Wöhrmühlinsel. Die Regierung von Mittelfranken stellt klar, dass eine Öffnung der Brücke für den Pkw-Verkehr nicht möglich ist. Die Nutzung bleibt dauerhaft auf Busse, Straßenbahnen sowie Einsatzfahrzeuge beschränkt. Über eine Online-Plattform konnten im Juli 2020 Bürgerinnen und Bürger sowie Verbände und Organisationen ihre Anregungen und Ideen für die Querung des Erlanger Regnitzgrunds einreichen. Die Online-Beteiligung ist einem Wettbewerb für den besten Brückenentwurf vorgeschaltet, den der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn ausschreiben will. "Der Regnitzgrund in Erlangen ist Landschaftsschutzgebiet und Naherholungsbereich. Um eine möglichst umweltverträgliche, architektonisch ansprechende und technisch optimale Gestaltung der Brücke zu erreichen, haben wir uns entschieden, einen Realisierungswettbewerb auszuloben", erläuterte Florian Gräf, Technischer Leiter des ZV StUB. Gegen den Bau einer neuen Brücke hat sich in der Zwischenzeit eine Erlanger Bürgerinitiative formiert, weil – so deren Argumentation – dadurch der dortige Wiesengrund "zerschnitten" würde.

Detaillierte Planung der Linienführung

Nach dem "grünen Licht" des Raumordnungsverfahrens arbeitet der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn die Maßgaben aus Ansbach in die Planungsunterlagen ein. Die Vermessungen haben bereits begonnen: Dabei waren über der rund 20 Kilometer langen Strecke im Stadtgebiet Erlangen und Herzogenaurach Drohnen unterwegs; sie vermaßen die Strecke aus einer Höhe von 80 bis 100 Metern auf den Zentimeter genau. Die "fliegenden Vermesser" waren auch entlang der geplanten Streckenführung ab der Nürnberger Haltestelle "Am Wegfeld" aktiv. Die gewonnenen Daten ermöglichen ein 3D-Modell der Trasse, das wiederum als Grundlage für die weiteren Planungen dient. "Im Anschluss folgt die detailliertere Ausarbeitung der Linienführung. Diese beinhaltet unter anderem die Planung der Haltestellen, der genauen Gleisführung in den Straßen und der Sonderbauwerke wie Brücken", so Florian Gräf.

Auf Basis des Raumordnungsverfahrens stehen für die Stadt-Umland-Bahn voraussichtlich vier Planfeststellungsverfahren an. Diese Verfahren sind die Voraussetzung dafür, dass die Bauarbeiten voraussichtlich Mitte der 2020er Jahre starten können. Ende dieses Jahrzehnts dürften dann die ersten Züge vom Nürnberger Norden nach Herzogenaurach rollen.

Autor: 

aw./bec.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 04|2021, Seite 42

 
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