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Was macht eigentlich...?

Steffen Beine

Mit gerade 30 Jahren kam Steffen Beine vor sechs Jahren nach Nürnberg, um das Nordstadt-Center mercado auf den Weg zu bringen. Seit November 2007 leitet er in Münster ein Einkaufszentrum des portugiesischen Immobilien-Entwicklers Sonae Sierra ? der jetzt Fürths Centerprojekt „Neue Mitte“ bauen wird.

Der Bochumer Steffen Beine war nur fünfeinhalb Jahre in Nürnberg, doch auch jetzt, ein knappes Jahr nach seinem Weggang, erinnern sich die Menschen noch gut an ihn; er hat hier Spuren hinterlassen. Beine kam als junger Manager mit Anfang 30, zuvor hatte er in Kiel "ein kleines, aber schwieriges Einkaufscenter" geleitet. Das Leben wurde in der Nürnberger Nordstadt zunächst nicht einfacher. Die Franken trauerten ihrem alten Lindestadion nach, gleichwohl es modrig und verrottet war, wollten sich nicht nur Eishockeyfans keinesfalls mit dem neuen Einkaufscenter mercado in Schoppershof anfreunden. Dann erschien diese gutgelaunte, mit 2,03 Meter alle anderen überragende Frohnatur in Franken.

"Für einen Center-Manager war mein Auftrag ideal: Eineinhalb Jahre vor der Eröffnung konnte ich Weichen stellen", bilanziert Beine im Rückblick positiv. So verdankt das mercado Beine seinen spanischen Namen (mercado bedeutet Marktplatz). Schon bei den ersten Besichtigungen seines halbfertigen Centers punktete Beine mit seiner Art. Enthusiastisch führte er durch sein halbfertiges Einkaufszentrum. Doch falls einer der coolen Anzeigen-Verkaufsleiter, Bau- oder Presseleute meinte, den gutgelaunten Riesen könne man locker über den Tisch ziehen, erlebte die zweite Überraschung. "Ich habe ihn in all den Jahren nie ungeduldig, herrisch oder gar laut erlebt", sagt ein enger Mitarbeiter. "Ich habe aber auch noch nie jemanden kennen gelernt, der jede Situation so schnell erfasst, stets sofort weiß, um was es geht, was er will und das auch klar zum Ausdruck bringt". Steffen Beine bestand die Herausforderung, etablierte das mercado als Einkaufszentrum und Erlebnisstätte mit Niveau.

Was Beines fröhlichen Siegeszug durch die Herzen der Franken erleichterte, war sein spontaner, aggressionsfreier Humor. "Was machen Sie künftig im Juli, wenn in Coburg das Sambafestival statt findet", fragten wir nach seinem Umzug nach Münster; wissend, dass Beine sich dieses Wochenende immer freigehalten hatte: "Ein dummes Gesicht", antwortete Beine wie aus der Pistole geschossen. Außer den rhythmischen Trommlern hat Beine an seiner neuen Wirkungsstätte, den Münster Arkaden im Stadtzentrum der kaufkräftigen 270 000-Einwohner-Stadt, auch die Bamberger Profi-Basketballer, sein Nürnberger Amateurkorbjägerteam, in dem er selbst spielte und "Drei-im-Weckla" vermisst. "Ich bin mit viel Wehmut gegangen, trotz der neuen attraktiven Berufsperspektive, der Nähe zu Eltern und Jugendfreunden (Bochum, wo die Eltern 40 Jahre ein großes Geschenkartikelgeschäft führten, ist nur eine Autostunde entfernt), trotz der neuen Umgebung, die mit dem Slogan ?Münster – lebenswerteste Stadt der Welt' wirbt". Aber Beine hat das Wertvollste, was er hier bekommen konnte, mitgenommen: Zehn Jahre lebte die Brasilianerin Arlete Greven bereits in Nürnberg, als sie den jugendlichen Manager kennen lernte, schnell waren sie unzertrennlich, zogen bereits in Nürnberg zusammen und seit sechs Wochen gehört eine kleine Münsteranerin zur Familie, am 22. Juli kam Tochter Angelina Zoe zur Welt.

Steffen Beine hat nicht nur Nürnberg gegen Münster, mercado gegen die Arkaden eingetauscht, sondern auch den Arbeitgeber gewechselt. Sonae Sierra, der inhabergeführte portugiesische Spezialist für Einkaufszentren, erforderte schnelle Anpassung an eine neue Unternehmenskultur. "Die Portugiesen arbeiten noch präziser als die deutschen Centerentwickler. Als erstes haben wir hier eine teure Kundenzählanlage einbauen lassen, so kenne ich immer die genauen Besucherzahlen. Detailliertes Reporting (immer auf Englisch) und wöchentliche Videokonferenzen gehören zum Tagesgeschäft." Wem der Name Sonae Sierra vertraut vorkommt, der wird auf Steffen Beines Einschätzung zur "Neuen Mitte", so der Arbeitsname für die mutigen Pläne Fürths, in der Rudolf-Breitscheid-Straße ein riesiges Center bauen zu lassen, gespannt sein. Beines Arbeitgeber ist auch hier der favorisierte Projektentwickler: "Sonae macht das Geschäft seit 1989, ist Portugals größte Firma außerhalb der Finanzbranche. Allein in Portugal haben sie 20 Center entwickelt. Sonae führt nicht einfach Center, es plant und baut mit eigenem Architektenteam, bis ins Detail werden historische Fakten der Umgebung recherchiert und charmant integriert. Für Fürth ist das eine Riesenchance", bilanziert Beine – und klingt schon wieder so begeistert, wie damals in Schoppershof.

Autor: 
Peter Budig
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2008, Seite 51

 
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