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Außenwirtschaft

NürnbergMesse India in Neu-Delhi gegründet

Indien gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt und verzeichnet hohe Wachstumsraten. Der Markt ist nicht einfach, gleichwohl baut die NürnbergMesse ihr Geschäft auf dem indischen Subkontinent konsequent aus.

Mit der im April in Neu-Delhi gegründeten NürnbergMesse India Pvt. Ltd. will das Unternehmen seine Internationalisierungs-Strategie mit Auslandstöchtern in China, Brasilien, Italien und Nordamerika nun auch in Indien zum Erfolg führen. So sollen die Flaggschiffe „BioFach India“ und „fensterbau/frontale india“ um zusätzliche Messen erweitert werden. Zugleich wird Ausstellern wie Besuchern der Weg von Indien nach Europa, Amerika und Asien sowie umgekehrt geebnet.

Zum Start der jüngsten Tochtergesellschaft bekräftigten die Geschäftsführer der NürnbergMesse Group, Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann, die dynamische Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen zu wollen. Mit ihren profilstarken internationalen Fachmessen hat sich das Nürnberger Unternehmen in die Riege der weltweit 15 größten Messeveranstalter katapultiert. „Unser nächstes Ziel sind die Top Ten“, erklärten sie in Neu-Delhi und unterstrichen damit die Bedeutung des Subkontinents für ihre Wachstumsstrategie.

Land im Aufbruch

Heute ist Indien, gemessen an der Kaufkraft, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und wird 2020 voraussichtlich ein höheres Bruttosozialprodukt als Deutschland erwirtschaften. Wachstumsbranchen wie die Automobil-, die Chemie- und Pharmaindustrie, die Informationstechnologie, der Maschinenbau, die Medizintechnik, die Biotechnologie, die Elektrotechnik oder die Nahrungsmittelverarbeitung generieren ihre Nachfrage vor allem aus der indischen Konsum- und Investitionsneigung. Indikator des Wachstumspotenzials ist auch der Messesektor. Vor einem Jahrzehnt gab es rund 40 Fachmessen, heute sind es bereits 140. Sie spiegeln die wachsende Mittelschicht des Landes.

Der enorme Modernisierungsbedarf in der Industrie, hohe Investitionsaktivitäten des Privatsektors und die wachsende Einbindung Indiens in die Weltwirtschaft leisten dieser Entwicklung weiter Vorschub. Die Handelsströme nach Europa und Deutschland sind spürbar angestiegen, das zeigt nicht nur die wachsende Bedeutung des indischen Messewesens, sondern auch die Präsenz indischer Unternehmen als Aussteller und Besucher auf den internationalen Fachmessen in Deutschland. Schließlich ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Aus Mittelfranken pflegen 334 Firmen Geschäftsbeziehungen mit Indien, davon sind 113 dauerhafte Engagements in Form von Vertretungen, Niederlassungen, Produktionsplätzen oder Joint Ventures. Die NürnbergMesse ist seit 2006 in Indien aktiv, 2009 fand mit der BioFach India die erste eigene Messe statt.

Kooperation mit Handelskammer

Geführt wird die neue Tochter von der indischen Messeexpertin Sonia Prashar, die bislang indische Projekte der NürnbergMesse als Direktorin „Marketing & Messen“ der Deutsch-Indischen Handelskammer IGCC (Indo-German Chamber of Commerce) betreute. Zur offiziellen Eröffnung der NürnbergMesse India wurde auch der mehrjährige Durchführungsauftrag von Indiens größter Klima-Fachmesse, der AcrexIndia, bekanntgegeben. Den Auftrag für drei Jahre hintereinander zu erhalten, sei ein echtes Novum und ein Zeichen des Vertrauens seitens des Eigentümer-Verbandes ISHRAE, so Prashar.

„Nun treten eine der weltweit anerkanntesten deutschen Messegesellschaften und die größte deutsche Auslandshandelskammer im Wachstumsmarkt Indien gemeinsam auf, um die außerordentlichen Chancen gemeinsam zu nutzen“, kommentierte IGCC-Hauptgeschäftsführer Bernhard Steinrücke die „klassische Win-win-Situation“. Steinrücke mahnte aber auch zu einem langen Atem beim Indien-Geschäft. In dem Land mit einer Bevölkerung von 1,2 Mrd. Menschen herrscht große Ungleichheit. Rund 700 Mio. Menschen müssen noch mit zwei Dollar am Tag oder weniger ihren Lebensunterhalt bestreiten. Es gibt deutlich weniger Toiletten als Handys. Nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung hat ein eigenes Auto. Der Schulbereich ist reformbedürftig, das Ausbildungsangebot ist mangelhaft. Nur fünf Prozent der Erwerbsfähigen verfügen über eine berufliche Qualifikation, nur für ein Drittel der jährlich rund zwölf Mio. Schulabgänger gibt es überhaupt Ausbildungskapazitäten.

Steinrücke bezeichnete die zuletzt auf fünf Prozent abgesunkene Wachstumsrate als für Indien „nicht ausreichend“. Zudem leide die Inlandsinvestition an den inflationsbedingt hohen Zinsen, die Kapitalanlagen vergleichsweise attraktiv machen. Im Vorfeld der Wahl 2014 sei mit notwendigen Reformen nicht zu rechnen. Angesichts steigender Preise für Lebensmittel, die gerade die Armen besonders treffen, könne man zugespitzt sagen: „Die Wahl wird über den Preis der Zwiebel entschieden.“ Doch angesichts eines kauffreudigen Mittelstands blieben die Perspektiven für deutsche Unternehmen mittelfristig gut: „Made in Germany, made für head and heart, hat hier einen guten Klang.“

Autor: 
kh/tt
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2013, Seite 12

 
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