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Ausbildungsberufe

Von Textil bis Beton

Im Ausbildungsjahr 2015/2016 startet wieder eine Reihe von modernisierten Ausbildungsberufen.

In diesem Jahr gibt es keinen vollständig neuen Ausbildungsberuf, einige Berufe wurden jedoch modernisiert bzw. um neue Fachrichtungen erweitert. Damit werden den Auszubildenden und deren Ausbildungsbetrieben neue Wahlmöglichkeiten eröffnet und die Berufsbilder den technologischen Entwicklungen angepasst. Die novellierten Berufe im Einzelnen:

Textilberufe: Bereits im Jahr 2014 sollten der zweijährige Ausbildungsberuf Textil- und Modenäher und der darauf aufbauende Textil- und Modeschneider (Ausbildungszeit insgesamt drei Jahre) in Kraft treten. Sie ersetzen nun mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2015/2016 die bisherigen Berufe Modenäher bzw. Modeschneider. Die Textil- und Modenäher erlernen in zwei Jahren das Bearbeiten von Schnitten und das Erstellen von Schnittbildern sowie die dafür notwendigen technischen Grundlagen. Die dreijährige Ausbildung zum Textil- und Modeschneider geht über diese Inhalte hinaus und bietet die Möglichkeit, sich in drei wählbaren Schwerpunkten zu qualifizieren: Anfertigung von Prototypen für die Serienfertigung, zusätzliche Schnitttechniken sowie Qualitätssicherung in der Textilindustrie.

Beide Berufe sind aufeinander abgestimmt: Wer sich anfangs nur die zweijährige Ausbildung zum Textil- und Modenäher zutraut, kann nach deren erfolgreichem Abschluss noch ein drittes Ausbildungsjahr anhängen und dann den IHK-Abschluss als Textil- und Modeschneider anstreben.

Automatenfachmann: Dieser im Jahr 2008 eingeführte Ausbildungsberuf wurde an die aktuellen Anforderungen angepasst. Teil der dreijährigen Ausbildung sind u.a. Aufstellung, Wartung und Störungsbehebung von Automaten sowie Kundenberatung und -betreuung. Weitere Themen sind betriebswirtschaftliche Grundlagen, technische Kommunikation, Warenbewirtschaftung und elektronische Systeme. Zu Beginn der Ausbildung kann der Auszubildende zwischen der technischen Fachrichtung Automatenmechatronik und der kaufmännischen Fachrichtung Automatendienstleistung wählen. Im dritten Ausbildungsjahr können sich Betriebe und zukünftige Automatenfachleute für einen Tätigkeitsschwerpunkt entscheiden: auf die mechatronisch-technische Arbeit am Gerät, auf den Kundenservice oder auf die kaufmännischen Geschäftsprozesse.

Gießereimechaniker: Die Ausbildungsordnung dieses Berufs wurde modernisiert und an die industriellen Metallberufe angelehnt. Schwerpunkte der dreieinhalbjährigen Ausbildung sind die Herstellung und Vorbereitung von Gießformen sowie die Überwachung der Produktionsanlagen (z.B. Schmelzen und Legieren von Gusswerkstoffen, Herstellung von Formen und Kernen, Qualitätssicherung von Gusstücken). Die bisher drei Fachrichtungen werden nun durch insgesamt sechs Schwerpunkte ersetzt: Handformguss, Maschinenformguss, Druck- und Kokillenguss, Feinguss, Schmelzbetrieb und Kernherstellung. Die Abschlussprüfung gliedert sich in Zukunft in zwei Teile: Der erste Teil, dessen Ergebnisse in die Abschlussnote einfließen, findet bereits nach 18 Monaten statt, der zweite Teil am Ende der Ausbildung (sogenannte gestreckte Abschlussprüfung).

Holzmechaniker: Dieser dreijährige Ausbildungsberuf vermittelt wie bisher den Umgang mit Maschinen, Schablonen und Lehren, die fachgerechte Kontrolle von Zulieferteilen sowie die Grundlagen der Transport- und Lagerwirtschaft. Im dritten Lehrjahr stehen nun drei Fachrichtungen zur Auswahl: Bestehen bleiben die Schwerpunkte „Herstellen von Bauelementen, Holzpackmitteln oder Rahmen“ und „Herstellen von Möbeln und Innenausbauteilen“, neu hinzukommt die Fachrichtung „Montieren von Innenausbauten und Bauelementen“. Diese beinhaltet u.a. die Themen Arbeitsplanung, Messungen und Behandlung von Oberflächen. Außerdem wurden die Ausbildungsinhalte aktualisiert: Kundenorientierung und Kommunikation mit den Geschäftspartnern haben nun einen deutlich höheren Stellenwert. Besonders engagierte Azubis können zudem die Zusatzqualifikation in computergestützter Konstruktion (CAD/CNC) erwerben.

Betonfertigteilbauer: Dieser Industrieberuf ersetzt die seit 1985 bestehende, sehr sperrige Berufsbezeichnung „Betonbauteil- und Terrazzohersteller“. Wie bisher vermittelt dieser dreijährige Ausbildungsberuf die Kenntnisse und Fertigkeiten, um Betonfertigteile und Betonwaren in industrieller Serienfertigung zu produzieren (z.B. Hauswände, Treppen, Bodenplatten, Bahnsteigkanten). Dazu gehört die Herstellung von Schalungen, Formen und Bewehrungen sowie die Befüllung dieses „Skeletts“ mit der Betonmischung aus Sand, Kies, Zement und Wasser. Neu sind Inhalte wie z.B. die Ausbesserung von Betonfertigteilen sowie die Verwendung von Zuschlagsstoffen, die dem Beton besondere Eigenschaften verleihen. Der entsprechende Handwerksberuf ist der „Werksteinhersteller“, der ebenfalls in diesem Jahr eingeführt wird.       

 

Autor: 

(gh.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2015, Seite 26

 
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