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Scuderia Auto Neuser

Geldanlage Pferdestärken

scuderia-auto-neuser © Thomas Tjiang

Fritz Neuser am Porsche 906 Carrera aus dem Jahr 1965.

Der ehemalige Radrennsportler und Olympionike Fritz Neuser handelt mit klassischen Rennboliden.

Sein Name steht im Großraum wie kein anderer für PS-starke Oldtimer und Sportwagen: Ex-Rennsportler und Unternehmer Fritz Neuser, im letzten Monat 84 Jahre alt geworden, ist Inhaber der Scuderia Auto Neuser in Nürnberg. Sein Geschäft macht Neuser mit Fahrzeugen für Sammler, deren klangvolle Namen die Herzen der Fans höher schlagen lassen. Im Ausstellungsraum im Nürnberger Norden finden sich italienische Schönheiten von Ferrari, Maserati, Lamborghini, Abarth und Alfa Romeo, deutsche Ausnahmemodelle von Porsche, BMW und Mercedes-Benz sowie britische Klassiker von Aston Martin und MG.

Eine der Raritäten unter den Modellen ist eine von nur 50 in Deutschland gebauten Phoenix Cobra. Die Mitte der 1980er Jahre gegründete Automarke wurde keine zehn Jahre alt. Der blaue Zwei-Türer ist mit 389 PS ein Kraftmonstrum auf der Straße und wartet auf einen Käufer. Zum Herzstück seiner Sammlung gehören ein Ferrari F40 mit 478 PS, ein Ferrari GTO288 und ein Porsche 906 aus dem Jahr 1965.

Neuser bedient den erlesenen Sammlermarkt – Menschen, die ihr Kapital nicht nur in „Immobilien, Weingütern und Kunst“ anlegen wollen. Das kann sich rechnen, weiß der fränkische „Mr. Ferrari“. Der Wertzuwachs liege teils bei zehn bis 20 Prozent im Jahr. In Oldtimer-Seminaren berichtet Neuser über die Marktlage. Aktuell rät er zum Halten statt Weiterverkaufen. Seit letzten Oktober habe er angesichts anziehender Preise quasi nichts mehr verkauft.

Der Markt hat seine eigenen Gesetze: Als der legendäre italienische Rennfahrer und Gründer der gleichnamigen Sportwagenschmiede Enzo Ferrari 1988 starb, verdreifachte sich über Nacht der Preis eines F40 auf 1,2 Mio. DM. Wer als Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen wollte, musste schnell sein: Drei Jahre später stürzte der Preis wieder ab, reine Spekulationskäufer hatten das Nachsehen. „Unbedarfte Sammler sollten sich beraten lassen“, rät Neuser.

In der eigenen Werkstatt übernimmt die Scuderia Auto Neuser auch Reparaturen, Kundendienst sowie eine Vollrestauration bei Sammlerstücken. Den Übergang vom Ausstellungsbereich in die Werkstatt, die sich oft aus dem eigenen Lager mit seltenen Ersatzteilen von Motoren und Getrieben bedienen kann, merkt der Besucher nur an den ordentlich aufgereihten Werkzeugen. Der Boden ist sauber, unter dem mannshohen Ficus Benjamini findet sich kein einziges abgeworfenes Blatt. Als sein Erfolgsgeheimnis nennt der „Rennstall-Chef“ die „akribische Arbeit“ und Tugenden, die er als junger Radrennsportler gelernt hat: „Selbstdisziplin, Teamdenken, Ausdauer, Härte und Ehrlichkeit.“

Erfolgreich im Sattel und am Steuer

Als 15-Jähriger entdeckte der Radiomechaniker-Lehrling beim RC Herpersdorf den Radrennsport für sich. Mit 18 Jahren gehörte er auf Bahn und Straße zur Nationalmannschaft und gewann seinen ersten deutschen Meistertitel – bis 1957 zwölfmal! Außerdem war Neuser 18-mal Bayerischer Meister. Die Olympiade 1956 in Melbourne endete für ihn, als ihn ein Rempler aus der Bahn warf. Daraufhin hängte Neuser seine Radkarriere an den Nagel, lernte in Schwabach Autoverkäufer und wurde 1960 und 1961 Deutschlands bester Goggomobil-Verkäufer. Mit 700 zusammengesparten DM kaufte er sich ein erstes eigenes Auto, verkaufte es teurer weiter, kaufte einen „Lloyd Leukoplastbomber“ und brachte ihn gewinnbringend wieder los. „Innerhalb eines Tages war ich doppelt so reich“, der Grundstock für sein eigenes Unternehmen war gelegt. 1962 gründete er an der Nürnberger Maxtormauer Auto Neuser. Zum wirtschaftlichen Aufschwung kam 1965 der sportliche Erfolg mit dem eigenen Rennstall Scuderia Auto Neuser. Er fuhr Berg- und Rundstreckenrennen und gewann in einem Alfo Romeo GTA zwei Bergmeisterschaften.

1968 verlegte Neuser den florierenden Betrieb an den Nürnberger Röthensteig, wurde mehrfach bester Alfa Romeo-Verkäufer in Deutschland und Mitte der 1970er Jahre zum Ferrari-Händler berufen. Auch hier setzte er seine Erfolgsgeschichte fort und war in der Händlergeschichte mit den roten Boliden der Erste, der an einem Tag drei F40 zugeteilt bekam. Als Neuser im Jahr 2003 sein Imperium verkaufte, war er bereits 71 Jahre alt. Behalten hat er seine unternehmerische Leidenschaft und seine umfangreiche Sammlung, die er fünf Jahre lang im Nürnberger Ofenwerk präsentierte.

Danach eröffnete er einen Steinwurf von alten Stammsitz entfernt im Kleinreuther Weg die Scuderia Auto Neuser mit dem Fokus „Sammlerfahrzeuge als Geldanlage“. Ans Aufhören denkt er nicht. „Arbeit ist mein Lebensinhalt“ und wohl auch sein Jungbrunnen. Seine Rückenschmerzen spüre er nicht, wenn er Kunden durch die Sammlung führt oder die Arbeiten in der Werkstatt fachlich überwacht. Und ihn treiben schon wieder Expansionsgelüste. Auto Neuser hat sich das an der Rückseite angrenzende Grundstück gesichert, um für einen Millionen-Euro-Betrag die Werkstatt zu vergrößern. Doch das scheint dem umtriebigen Vollblutunternehmer nicht genug zu sein: Dahinter könnte noch ein Studentenheim entstehen, die Planung läuft schon. Ruhestand ist für Fritz Neuser kein Thema.   

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2016, Seite 74

 
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