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Bayern steigert mit e-business den Umsatz

Der aktuelle Umgang der Unternehmen mit dem Internet war Thema eines Pressegesprächs in der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. IBM-Vertriebs-Direktor für den nordbayerischen Mittelstand, Engelbert Brettner, stellte eine Studie vor, die den Internet-Einsatz bei mittelständischen bayerischen Unternehmen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt untersuchte. Bei der Internet-Nutzung durch Unternehmen kristallisierten sich nach Brettners Worten fünf verschiedene Stufen heraus, die von offline über reine e-mail-Nutzung, Homepages, Online-Shopping, schließlich digitale Vernetzung bis zum Ideal der elektronischen Lieferkette (der vollautomatischen Verzahnung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen) reichen. Der Studie zufolge befinden sich allerdings noch rund 44 Prozent der deutschen Unternehmen auf einem Nutzungs-Niveau, das der dritten Stufe (Homepage) entspricht. Stufe vier, also Online-Shop, wird danach in Bayern schon von 24 Prozent der Unternehmen betrieben (der Bundeswert lag nur bei 17 Prozent). Bis zur fünften Stufe, der „supply chain“, ist es noch ein weiter Weg: Gerade sechs bis sieben Prozent der Unternehmen decken die komplette Logistikkette elektronisch ab.

Generell zeigte sich, dass das Internet in Bayern dem Mittelstand weit häufiger Umsatzsteigerungen ermöglichte als in anderen Bundesländern: 46 Prozent der Befragten konnten Brettners Angaben zufolge durch Einsatz von e-business-Lösungen ihren Umsatz erhöhen, bundesweit seien es nur rund 30 Prozent. 47 Prozent der bayerischen Mittelständler betrieben echte Geschäfte im Netz, womit man zusammen mit Hessen klar die Spitze in Deutschland anführe. Als Gründe für den durchweg optimistisch bewerteten Einsatz des Internets durch die bayerischen Mittelständler führt die Studie vor allem die Hoffnung auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder an. Es folgte die Erwartung, sich dadurch enger an den Kundenwünschen orientieren zu können und schneller auf Wettbewerbsdruck zu reagieren. Tatsächlich konnten im Bundesdurchschnitt 82 Prozent aller Unternehmen durch e-business ihren Umsatz steigern bei gleichzeitig sinkenden Vertriebskosten.

Nürnberger Unternehmen innovativ
Nach dem Ende des Börsenfiebers am Neuen Markt sei der zweite Startschuss für die Internetwirtschaft längst gefallen, so Dr. Kurt Hesse, Geschäftsbereichsleiter Kommunikation bei der IHK. „Wir haben als IHK nie zwischen Old und New Economy unterschieden, sondern immer betont, dass es auf die Solid Economy ankommt.“ Hierbei liege die Region gut im Rennen. Nürnberg belegt bei den unter „.de“ gemeldeten Domains in Deutschland mit über 50 000 gemeldeten Eintragungen den neunten Platz unter 440 deutschen Städten und Landkreisen. Die neu in die offizielle Wirtschaftszweigklassifikation eingeführte Branchengruppe „Gestaltung von Internetangeboten/Homepage-Design“ weist für Mittelfranken bereits 68 Handelsregister-Unternehmen sowie 113 Kleingewerbetreibende aus. Eine laut IHK-Internet-Experte Gunther Brieger eher vorsichtige Schätzung, da darüber hinaus noch eine Vielzahl von Kommunikations- und Werbeagenturen Internet-Dienstleistungen anbietet. Die IHK verweist auch auf die zunehmende Zahl von Ausbildungsberufen und Arbeitsplätzen, die durch das Internet geschaffen werden. So stieg die Zahl der Lehrstellen in den IT-Berufen von 179 im Jahre 1997 auf 449 im vergangenen Jahr an. Die Ausbildungsplätze für Mediengestalter für Bild und Ton nahmen im selben Zeitraum von fünf auf 146 zu.

Als Vertreter von Unternehmen aus der Region, die besonders innovativ mit Internet-Lösungen umgehen, stellte Christoph Naucke von den KarstadtQuelle-Versicherungen das Internet als sicheren und bequemen Vertriebsweg für Versicherungsprodukte vor. Man positioniere das Internet konsequent als Kundenkontakt- und Absatzkanal. Dies folge dem Multi-Channel-Gedanken, wonach der Kunde unter allen Informations- und Reaktionskanälen wählen kann. Im laufenden Jahr erwartet der Direktversicherer mit rund zwei Mio. Kunden über 25 000 Angebotsanforderungen via Internet, im vergangenen Jahr waren es noch 10 000.

Dr. Ulrike Schöneberg von der GfK-Gruppe präsentierte Internet-Nutzung als Kommunikationskanal für einen weltweit agierenden Konzern. Das Fundament der Forschungs- und Beratungsservices der GfK sei Information, so Schöneberg. Da Informations-Produkte besonders gut digitalisierbar seien, habe man seit Jahren erheblich in die neue technologische Infrastruktur investiert. Bisher würden etwa fünf Prozent aller 750 000 jährlichen Interviews online durchgeführt. Ein Wert, der bereits 2003 auf 13 Prozent steigen soll. Zum Intranet des in 120 Ländern agierenden Unternehmens haben rund 2 700 der fast 5 000 Mitarbeiter aus 52 Ländern Zugang.

De.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2003, Seite 29

 
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