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Testnetz in Nürnbergs Norden bietet UMTS zum „Anfassen“

Das mobile Büro gibt es bereits: Der Netzausrüster Lucent Technologies hat das realisiert, wovon andere bislang nur reden. Zum einen ist mit drei Basisstationen in Nürnbergs Norden bereits lange vor dem Start von UMTS eine voll funktionsfähige Testumgebung aufgebaut, die anderen Firmen offen steht: das so genannte Blockhouse. So können Netzbetreiber Geräte und Technologien hier genauso testen wie Software-Entwickler, die Applikationen bereitstellen, die auf dem neuen Standard basieren. Zum anderen hat Lucent mit einem Entwicklungspartner eine UMTS-PCMCIA-Karte entwickelt. Mit diesem Einschub in die handelsüblichen Schächte von Laptops und PDAs werden diese Geräte UMTS-Endgeräte – und damit eine Plattform für die nächste Mobilfunkgeneration.

Hier zeigt sich dann auch, wo der Zug (zunächst) bei UMTS hingehen wird: Die breitbandige Übertragungsmöglichkeit wird nicht in der Übermittlung von Sprachdiensten verharren, sondern zum Beispiel für Außendienst- und Service-Mitarbeiter neue Leistungserstellungsketten ermöglichen. Hier ist Lucent aber wieder von den Netzbetreibern abhängig, deren UMTS-Engagement sich nicht nur auf den in der Lizenzversteigerung im Sommer 2000 festgelegten 25 Prozent Abdeckung der Bevölkerung bis Ende 2003 erstrecken dürfe, so der Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Rainer Fechner. Vielmehr müssten sie mit attraktiven Preismodellen insbesondere die Geschäftswelt von den Vorzügen und den immensen Chancen einer neuen Infrastruktur für eine Vielzahl von Geschäftsprozessen überzeugen. Und hier verhielten sich die Netzbetreiber nach Auskunft von Lucent bislang zögerlich und mit einer „Kultur des Aufschiebens“.

Dennoch sieht Fechner die Zukunft des Standorts Nürnberg als gesichert: Er rechnet nach der letzten Konsolidierung mit einer stabilen Mitarbeiterzahl von 1 400 Köpfen, nach einem im Konzernvergleich immer noch unterdurchschnittlichen Personalabbau von „nur“ ca. 50 Prozent. Nürnberg ist damit aber trotzdem noch Standort des größten Bell Lab‘s Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb der USA und folglich defacto auch die Europa-Zentrale. Hier kommt auch der Standortfaktor geografische Lage zum Zug: Die Zeitverschiebung zwischen Asien und Amerika begünstigt Nürnberg im weltweit arbeitsteiligen Konzern. Fechner mahnt aber auch an, dass Nürnberg auf Grund des harten internen Wettbewerbs in allen Kategorien immer besser sein muss als vergleichbare Standorte in den USA.

brie.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2003, Seite 42

 
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