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Automatenindustrie hat Talsohle durchschritten

Das Stimmungstief in der deutschen Automatenwirtschaft scheint überwunden zu sein. Die Aussicht auf ein novelliertes Spielrecht motiviert die Branche für die Zukunft, denn das geltende Recht für Geldgewinn-Spielgeräte stammt in seinen Grundzügen aus dem Jahre 1953 und ist nach Auffassung der Automatenwirtschaft veraltet. Die Spielverordnung entspreche vor allen Dingen nicht mehr den Anforderungen, die moderne Elektronik, Internet und der Wettbewerb des öffentlich-rechtlichen Spiels an sie stellten, sagte Paul Gauselmann, der Vorsitzende des Industrieverbandes VDAI (Verband der Deutschen Automatenindustrie e. V.) im Rahmen der 24. Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten Ima 2004. Vor allem gehe es um eine Verringerung der vom Spieler als langweilig empfundenen Mindestspieldauer, die in Deutschland zwölf Sekunden beträgt, auf international übliche drei bis fünf Sekunden. Für den Fall, dass ein neues Spielrecht ähnlich liberal wie in anderen großen Industrienationen sei, kündigte er 20 000 neue Arbeitsplätze in der Branche an.

Die Summe aller Einsätze bei Glücks- und Gewinnspielen in Deutschland belief sich nach Angaben des VDAI im Jahr 2002 auf 27,6 Mrd. Euro. Zu fast 80 Prozent wurden sie von Institutionen umgesetzt, die sich in öffentlicher Trägerschaft befinden. Dabei handelt es sich vor allem um den Lotto- und Totoblock sowie die Spielbanken. Der Anteil der Geld-Gewinn-Spiel-Geräte an diesem Markt für Glücks- und Gewinnspiele sank seit 1995 von damals knapp 25 Prozent auf gut 19 Prozent im Jahr 2002. Auch 2003 dürfte sich der Trend nicht verändert haben, schätzt Gauselmann. Dieser Entwicklung dürfe man nicht tatenlos zusehen. Umsatzzuwächse in der privaten Wirtschaft würden zu deutlich mehr neuen Arbeitsplätzen führen, als dies beim staatlichen Glücksspiel der Fall sei. In der deutschen Unterhaltungsautomatenwirtschaft arbeiten über
60 000 Menschen, in den Spielbanken rund 5 500 Menschen. Auf eine Mio. Euro Einnahmen entfallen in der Automatenwirtschaft 17,7 Arbeitsplätze, in den Spielbanken nur 5,5 Arbeitsplätze, wie der VDAI-Vorsitzende errechnet hat.

Im Rückblick auf das Jahr 2003 sieht Paul Gauselmann die Talsohle beim Geräteabbau durchschritten. Nach vorläufigen Berechnungen wurden 2003 insgesamt knapp 78 000 Sport- und Unterhaltungsautomaten mit und ohne Geld-Gewinn-Möglichkeit abgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 6,4 Prozent. Die Gesamtzahl der in Deutschland aufgestellten Unterhaltungsautomaten liege 2003 bei geschätzten 383 000 Geräten, 1998 waren es noch 445 700 Geräte.

In Deutschland sind nach einer Information des VDAI derzeit ca. 1,25 Mio. Tabakwaren- sowie Getränke- und Verpflegungsautomaten aufgestellt, die von meist mittelständischen Unternehmen auf eigene Rechnung betrieben werden. Davon haben rund 800 Unternehmen mit knapp 440 000 Getränke- und Verpflegungsautomaten rund 1,5 Mrd. Euro eingenommen, rund 500 Unternehmen haben mit dem Verkauf von 31 Mrd. Zigaretten aus 810 000 Automaten etwa 4,9 Mrd. Euro Umsatz erzielt.

Ima 2004 übertrifft Erwartungen
Auf der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten Ima 2004 im Nürnberger Messezentrum, die seit 24 Jahren von der Düsseldorfer Reed Exhibitions Deutschland GmbH für
den VDAI organisiert wird, informierten sich knapp 7 000 (2003: 6 000) Unternehmer und Repräsentanten der Automatenwirtschaft über Neuheiten des Münzspiels und der Warenautomaten. Das Angebot der 140 (2003: 114) ausstellenden Unternehmen aus 16 Nationen erstreckte sich von Geldgewinn-Spielgeräten über Touchscreen-Spiele und elektronische Darts bis hin zu Automaten für Handy Pre-Paid-Karten. Eine Renaissance scheint der Flipper zu erleben. Als neuestes Spiel kam mit „Lord of the Rings“ ein im Trend liegendes Themengerät aus Amerika. Aber nicht nur mit der traditionellen Mechanik wird Flipper gespielt, inzwischen gibt es auch „Virtuelle Flipper“, die bildschirmanimiert die „Kugel“ rollen lassen. Traditionell und im Marktanteil auf niedrigem Niveau stabil sind Billard-Spiele, Fußballkicker und andere Spiele im Angebotssegment Sportspiele.

Bei Warenautomaten wurden neue Video- und DVD-Verkaufsautomaten als Neuheit der Messe präsentiert, die jetzt über ein Modul zur Alterserkennung verfügen. Ansonsten bestimmten Kaffeeautomaten und Verkaufsautomaten für Kaugummis und Flummis (Springbälle) das Bild dieses Branchenbereichs. Eine deutliche Wiederbelegung des Interesses erlebten auch „Kiddie Rides“, Geräte, auf denen Kinder reiten, in denen sie Pilot spielen oder im Polizeiauto fahren.

gru.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2004, Seite 70

 
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