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Offene Kommunikation und klare Vorgaben

Die Grundlagen für eine erfolgreiche Ausbildung werden in den ersten Monaten gelegt: Die Ausbilder müssen die Regeln für das Miteinander frühzeitig vorgeben.

Die Grundlagen für eine erfolgreiche Ausbildung werden in den ersten Monaten gelegt: Die Ausbilder müssen die Regeln für das Miteinander frühzeitig vorgeben.

Jahr für Jahr beginnen Zehntausende von Jugendlichen ihre berufliche Erstausbildung in einem Betrieb. In den ersten Wochen und Monaten nach dem Ausbildungsstart sind Missverständnisse und Probleme zwischen Azubi und Ausbilder nichts Ungewöhnliches.

Geht es darum, den Berufsnachwuchs rasch und effizient in das Unternehmen und seine Teams einzubinden, sollten die Einsteiger gleich zu Beginn Kontakt mit älteren Auszubildenden aufnehmen. Die erfahrenen Azubis können den Neuen als Pate zur Seite stehen, ihnen die ersten Ängste nehmen und die Orientierung erleichtern.

Was kommt auf Unternehmen zu, die noch nicht ausgebildet haben? Womit müssen die Ausbilder rechnen? Vor allem – was sind Gründe für Konflikte? Unpünktlichkeit oder Fehltage, Unzuverlässigkeit, schlechte Leistungen in der Berufschule oder mangelhaftes Führen der Berichtshefte durch die Azubis sind die häufigsten Anlässe. Deshalb sollte von Anfang an eine intensive Kommunikation zwischen Ausbildern und Auszubildenden gepflegt werden, um Missverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Eine Möglichkeit: Eine Gruppe von Azubis hat während ihrer gesamten Ausbildung immer einen Betreuer als festen Ansprechpartner.

Dieser Betreuer kann vielfältige Aufgaben erfüllen: Zum einen ist er natürlich der fachliche Partner der Jugendlichen und deshalb auch in der Lage, persönliche Begabungen und Neigungen rechtzeitig zu entdecken und individuell zu fördern. Durch seinen sehr engen Kontakt erfüllt er aber zusätzlich noch eine pädagogische Komponente und kann so genannte Grundtugenden wie Pünktlichkeit oder auch das äußere Erscheinungsbild einordnen und auf Verbesserungen hinwirken.

Schlendrian gleich verhindern
Der enge Kontakt ist das A und O im Verhältnis zwischen Ausbilder und Azubi und eine entscheidende Bedingung für eine hohe Motivation der Jugendlichen. Dies beginnt schon mit der Kontrolle des Berichtsheftes. Der Azubi sollte sein Berichtsheft anfangs wöchentlich und dann alle zwei Wochen vorlegen. So wird von Anfang an zu Sorgfalt, Sauberkeit und Pünktlichkeit erzogen und vermieden, dass sich Schlendrian breit macht.

Wie macht sich der Azubi in der Berufsschule?
Ein Auge sollten die Ausbilder auch auf die Leistungen der Azubis in der Berufsschule haben: Nach drei bis vier Wochen Schulzeit sind die Berufsschullehrer in der Lage, eine erste Einschätzung der Azubis abzugeben. Vor allem Unternehmen, die erstmals ausbilden, sollten deshalb schon frühzeitig den Kontakt zu den Lehrern aufbauen und folgende Informationen über ihre Azubis abzufragen: Soziales Verhalten in der Klassengemeinschaft, Allgemeinbildung, Auffassungsgabe, Mitarbeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

In der Berufsausbildung spielt Konsequenz eine ganz entscheidende Rolle. Mit dem überwiegenden Teil der Azubis gibt es keine ernsthaften Schwierigkeiten, ein kleinerer Teil benötigt ab und an einen deutlichen Hinweis, dass an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit noch gearbeitet werden müsse. Bei vielleicht fünf Prozent der Auszubildenden gibt es erfahrungsgemäß ernsthafte Probleme. Diese Jugendlichen müssen dann sowohl von den Ausbildern als auch den Kollegen, die mit ihnen zusammenarbeiten, intensiv begleitet werden. Entscheidend bei den Problemfällen ist, dass die Verantwortlichen des Ausbildungsbetriebes mit einer Stimme sprechen und ihre Erwartungen deutlich formulieren. Dazu gehören auch Ermahnungen, nötigenfalls gar Abmahnungen und im schlimmsten Falle die Aufhebung des Ausbildungsvertrages. Meist kündigen sich ernsthafte Konflikte lange genug vorher an. Häufige Kurzerkrankungen oder das unentschuldigte Fehlen in der Berufsschule sind ernst zu nehmende Frühwarnsignale, auf die es ohne Zaudern zu reagieren gilt.

Viele Unternehmen stellen jedoch bereits bei Ausbildungsbeginn Erwartungen an ihren neuen Lehrling, die erst im Laufe der Ausbildung erfüllt werden können. Die Verlängerung der Probezeit nach dem neuen Berufsbildungsgesetz von bisher drei auf nunmehr vier Monate ist hilfreich, damit sich beide Seiten besser kennen lernen können. Im idealen Fall hat der Azubi vorher bereits ein Praktikum im Unternehmen absolviert. So haben beide Seiten noch mehr Zeit, sich aufeinander einzustellen. Vor allem aber kann so in Ruhe geprüft werden, ob man die Erwartungen des anderen auch wirklich erfüllen kann. Dabei ist die Motivation des Azubis besonders wichtig für eine erfolgreiche Ausbildung und den weiteren beruflichen Werdegang. Eine hohe Einsatzbereitschaft ist auch die entscheidende Voraussetzung, um Defizite zum Beispiel bei Wissen und Verhalten auszugleichen.

IHK-Informationen
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat eine Vielzahl von Publikationen zu Themen der betrieblichen Ausbildung herausgegeben. Sie können über die Internet-Seite bezogen werden.

Reinhard Myritz
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 12|2005, Seite 37

 
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