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Aufwertung in den Printmedien

Die Wirtschaftsberichterstattung hat in Zeitungen und Zeitschriften einen höheren Stellenwert bekommen. In Radio und TV überwiegen dagegen Verbraucherthemen, längere Hintergrundbeiträge sind rar.

Die Printmedien beleuchten wirtschaftliche Themen zunehmend aus einer stark politischen Sicht und polarisieren stärker als elektronische Medien. Zu diesem Ergebnis kommt der „Ernst Schneider IHK Medienpreis der deutschen Industrie- und Handelskammern e.V.“ in seiner jährlichen Stellungnahme zur Wirtschaftsberichterstattung in Hörfunk, Fernsehen und Presse. Diese stützt sich auf Studien und Programmbeobachtung sowie auf die Auswertung von 400 Beiträgen zum Ernst Schneider IHK Medienpreis.

Vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen im vergangenen Jahr, bei der wirtschaftspolitische Themen wie Steuern, Hartz IV, Arbeits- und Gesundheitskosten, Staatsfinanzen oder Rente dominierten, wurde das Thema Wirtschaft nicht nur in den Leitartikeln der Wirtschaftspresse diskutiert, sondern auch nachhaltig in Tageszeitungen und General-Interest-Titeln. Die Forderungen nach wirtschaftspolitischen Reformen gingen dabei mit massiver Kritik an der Regierung einher.

Im Fernsehen lässt sich dagegen feststellen, dass die zahlreichen Wirtschaftsmagazine sowohl bei den öffentlich-rechtlichen als bei auch den privaten Sendern Wirtschaftsthemen zunehmend auf Verbraucheraspekte reduzieren. „Diese Form der Berichterstattung ist konkret und nutzwertig, klammert aber die ebenso wichtige Aufdeckung komplexer Zusammenhänge und wirtschaftspolitischer Hintergründe aus“, kommentiert Dr. Walter Richtberg, Vorsitzender des Ernst-Schneider-Preises. „Wir würden uns in diesem Zusammenhang mehr Features und Reportagen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen wünschen“, so Richtberg.

In Briefen an die Intendanten und Geschäftsführer der ARD-Anstalten, des ZDF, der privaten Fernsehanbieter sowie der Landesmedienanstalten machte der Ernst Schneider Preis e.V. auf seine Erkenntnisse aufmerksam. In den Schreiben wurde u.a. auch bemängelt, dass in den Unterhaltungssendungen kein wirklichkeitsnahes Bild des Wirtschaftslebens gezeichnet werde.

Der Hörfunk bietet der IHK-Erhebung zufolge ein sehr heterogenes Bild: Von 500 jährlich in Deutschland produzierten Features und Hörspielen thematisiert ein wachsender Teil wirtschaftliche Zusammenhänge. Und auch am diesjährigen Wettbewerb, dessen Preisverleihung vor kurzem in der Philharmonie Essen stattfand, nahmen so viele Hörfunk-Produktionen teil wie noch nie. Gleichzeitig aber wird dabei deutlich, dass wirtschaftsorientierte Beiträge auf der Mehrzahl der populären Wellen, zumal auf denen der Privatsender, praktisch nicht zu hören sind.

Der Ernst Schneider IHK Medienpreis wird seit 1971 jährlich von den deutschen IHKs verliehen. Über die Preisvergabe entscheiden unabhängige Jurys, die aus jeweils drei Angehörigen der Medien und zwei Vertretern der Wirtschaft zusammengesetzt sind. Mit dem höchstdotierten deutschen Medienpreis möchten die IHKs Autoren ermutigen, auch komplizierte Wirtschaftsthemen so darzustellen, dass wirtschaftliche Laien mehr von den Zusammenhängen und Hintergründen der Wirtschaftsordnung verstehen können.

Preisträger 2006
400 Autoren hatten sich in diesem Jahr um den mit 70 000 Euro dotierten Preis beworben, als Sieger kürte die Jury schließlich folgende Journalisten: Klaus Martens, WDR (Wirtschaftssendung über den Konkurs eines Computerhändlers), Dr. Andreas Vogtmeier, rbb (Fernseh-Kurzbeitrag über „1-Euro-Jobs“), ein Team des WDR um Ranga Yogeshwar (Beitrag „Unter Strom“ in der Sendung „Quarks & Co.“), Dr. Walter Filz, tätig für mehrere ARD-Sender (für eine Radio-Reportage über eBay) sowie Mathias Greffrath vom BR (Radio-Beitrag über Bill Gates). Ausgezeichnet wurde außerdem die BR-Produktion „Hartz Check“, die für Hörfunk, Fernsehen und Internet aufbereitet wurde.

Mit seiner 36. Ausschreibung lädt der Medienpreis Autoren und Redakteure von Zeitungen und Zeitschriften ein, Beiträge einzureichen. Kategorien sind „Wirtschaft in regionalen Printmedien“ und „Wirtschaft in überregionalen Printmedien“, Einsendeschluss ist der 26. Januar 2007.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 12|2006, Seite 20

 
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