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"Musterland" im Süden Afrikas

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich Botswana von einem der ärmsten Länder der Welt zum Land mit dem höchsten Kredit-Rating auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt. Weltweit gehört das „Musterland Afrikas“ inzwischen zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Die positive Entwicklung der ältesten und stabilsten Demokratie in Afrika stützt sich bisher überwiegend auf die Diamantenförderung, deren Erträge in die Entwicklung des Landes investiert wurden.

Am 30. September 1966 wurde „Betschuanaland“, das seit 1885 britisches Protektorat war, unter dem Namen „Botswana“ in die Unabhängigkeit entlassen. Unter dem bisher dritten Präsidenten des Landes, Festus G. Mogae, wurden als Hauptziele der Innenpolitik die Aufrechterhaltung und Stärkung der Demokratie, die Achtung der Menschenrechte, die Entwicklung des Landes sowie friedliches Zusammenleben und Toleranz der Rassen und Konfessionen formuliert. Neben dem Aufbau der Infrastruktur (vor allem im Energiesektor) ist die Bildungspolitik ein Schwerpunkt der botswanischen Politik, denn fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Das Land ist heute noch auf vielen Gebieten stark von ausländischen Fachkräften abhängig, insbesondere bei modernen Technologien und im Dienstleistungssektor.

Auch die Privatisierung staatlicher Unternehmen ist erklärtes Ziel der Regierung: Bis 2009 sollen einige große Staatsunternehmen in private Hände gegeben werden, darunter Air Botswana, Botswana Building Society, Botswana Telecommunications Corporation (BTC) und das Botswana Vaccine Institute.

Rund 1,7 Mio. Menschen leben in dem Binnenland, das mit einer Fläche von 582 000 Quadratmetern in etwa so groß ist wie Frankreich, mit durchschnittlich drei Einwohnern pro Quadratkilometer aber zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Welt zählt. Zum Vergleich: Deutschland hat eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 230 Einwohnern pro Quadratkilometer. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in Städten, 220 000 in der Hauptstadt Gaborone. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2005 bei umgerechnet 4 000 Euro, das Bruttoinlandsprodukt bei 7,7 Mrd. Euro.

Die größte Herausforderung für die Politik ist die Bekämpfung von AIDS. Nach offiziellen Angaben sind ca. 37 Prozent der Gesamtbevölkerung mit dem Virus infiziert und die Auswirkungen auf Wirtschaft und Sozialstruktur des Landes werden immer gravierender. Botswana war bis zum Ausbruch der AIDS-Epidemie eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt mit einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von neun Prozent.

Im Rahmen des staatlichen Programms „Masa“ („Neuer Sonnenaufgang“) werden seit 2002 kostenlos antiretrovirale Medikamente an die Bevölkerung verteilt, eine intensive Aufklärungskampagne in Schulen und TV-Programmen soll weitere Ansteckungen verhindern helfen. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler sagte bei seinem Besuch im April 2006 Unterstützung bei der Überwindung der Langzeitfolgen der Epidemie zu, deren hohe HIV-Infektionsrate das Hauptentwicklungshemmnis des Landes sei.

Industrie
Botswanas Wirtschaft ist stark exportorientiert, wichtigste Devisenbringer sind Diamanten – das Land ist vor Russland der weltweit größte Diamantenproduzent – sowie Kupfer, Nickel, Fleisch und Sodaasche. Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Botswana erreichte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, im ersten Kalenderhalbjahr 2005 eine Größenordnung von rund 15 Mio. Euro, im Vergleich zu 8,4 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei stiegen die deutschen Einfuhren in der ersten Jahreshälfte 2005 um 24 Prozent, die deutschen Ausfuhren zogen um 135 Prozent an. Hauptausfuhrerzeugnisse nach Deutschland sind Fleisch und Fleischwaren, Haupteinfuhrgüter waren Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge. Nicht berücksichtigt sind hierbei Importgüter, die von in Südafrika ansässigen deutschen Unternehmen hergestellt und dann nach Botswana ausgeführt werden. Die deutschen Lieferungen nach Botswana dürften deshalb größer sein, als statistisch erfasst.

Botswana bezieht 80 Prozent seiner Einfuhren aus Südafrika. Ausländische Investoren sind wegen des relativ kleinen Marktes und der günstigen Einfuhrmöglichkeiten aus Südafrika zurückhaltend, wie das Auswärtige Amt, Berlin, in einer Länderinformation erklärt. Gleichwohl werde Botswana auch bei deutschen Wirtschaftsvertretern aufgrund seiner innenpolitischen Stabilität, seiner geographischen Lage in der südafrikanischen Region und seiner soliden Finanzlage zunehmend interessanter. Aus Mittelfranken unterhalten derzeit rund 20 Unternehmen Handelsbeziehungen mit Botswana, u.a. aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Schuhe, Lebensmittel und Spedition.

Das deutsche Auswärtige Amt schätzt die Ausfuhren Botswanas für das Jahr 2005 auf ca. 3,5 Mrd. Euro, die Einfuhren auf 2,4 Mrd. Euro. Die Exporte erhöhten sich 2005 um 31 Prozent in der Folge einer gestiegenen Produktion im Bergbausektor, höherer Weltmarktpreise und günstiger Wechselkursentwicklung. Hauptabnehmerländer waren die EU-Mitgliedstaaten (insbesondere Großbritannien), die Mitgliedstaaten der Zollunion Southern African Custom Union (SACU) (Botswana, Südafrika, Swasiland, Lesotho und Namibia) sowie die USA (insbesondere Diamanten).

Dienstleistungen
Als neue Wachstumsbranche sieht Botswana seinen Finanz- und Dienstleistungssektor. Mehr als 20 Unternehmen sitzen nach Angaben der Bundesanstalt für Außenwirtschaft, Köln, bereits im neuen International Financial Services Centre (IFSC), von wo aus Banken afrikaweit Off-Shore-Dienstleistungen anbieten sollen. Gelockt werden sie mit einer Körperschaftssteuer von nur 15 Prozent. Für Ausländer gebe es keine Einschränkungen bei Investitionen, keine vorgeschriebenen „Black Economic Empowerment“-Partner (BEE – Förderung schwarzer Geschäftsgründungen) und keine Quoten für einen inländischen Produktionsanteil.

Außenpolitik
Botswanas Außenpolitik wird von der wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Abhängigkeit von Südafrika beeinflusst. Seine Beziehungen zu den meisten Ländern der Region sind im Wesentlichen spannungsfrei, werden jedoch sporadisch durch die steigende Zahl von Wirtschaftsimmigranten vor allem aus Simbabwe belastet. Die dortige Entwicklung bereitet Botswana auch deshalb Sorgen, weil sie auf den Tourismus und damit eine wichtige Einnahmequelle des Landes negative Auswirkungen haben könnte.

Botswana gehört zur blockfreien Staatengruppe und zur Afrikanischen Union und ist als solches ein kritisches Mitglied der Neuen Partnerschaft für Afrikanische Entwicklung (NePAD). Es ist außerdem Mitglied in der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC), deren Sekretariat seinen Sitz in Gaborone hat, und der Südafrikanischen Zollunion (SACU). Botswana ist als Mitglied von SADC der Europäischen Union, einem der bedeutendsten Geber von Entwicklungshilfe, eng verbunden. Besonders wichtig für das Land ist die EU-Importquote für botswanisches Rindfleisch (drittwichtigster Wirtschaftszweig).

Autor: 
Ursula Gruber
Externer Kontakt: Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Gaborone / Botswana, Tel. 00267/3953143, info@gaborone.dipl.de
Southern African – German Chamber of Commerce & Industry, Johannesburg/ South Africa, Tel. 0027/114862775, info@germanchamber.co.za
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 12|2006, Seite 24

 
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