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Karlheinz Brandenburg

Karlheinz Brandenburg

Der Wissenschaftler hat in Erlangen den mp3-Standard entwickelt. Anfangs nicht ernst genommen, jetzt weltberühmt. Heute pendelt "Weltbürger Brandenburg" zwischen Franken und Thüringen.

Der Kleinste der Welt misst gerade einmal 24 mal 24 Millimeter und wiegt 18 Gramm. Vergleichbar einem Würfelchen, aber eben nicht aus Elfenbein und mit Zahlen darauf. Sein Gehäuse ist aus Metall und sein Inneres verbirgt technologische Höchstleistung. Das Kompressionsverfahren, dem der mp3-Player seinen Namen verdankt, wurde vor ca. 20 Jahren in den "heiligen Hallen" des Fraunhofer-Institutes in Erlangen entwickelt. Was als Doktorarbeit eines Erlanger Studenten der Elektrotechnik und Mathematik begann, hat heute unter dem Namen mp3 die Musikwelt revolutioniert.

Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, einer der "Väter des mp3-Formats", legt großen Wert darauf, dass er mit seiner wissenschaftlichen Arbeit nicht alleine für diese "Revolution" verantwortlich war. Denn ohne seinen Doktorvater, Prof. Dr. Dieter Seitzer, dem er viel zu verdanken habe, und den damaligen Abteilungsleiter Prof. Dr. Heinz Gerhäuser hätte alles gar nicht seinen Lauf nehmen können, versichert Brandenburg. Auch das Engagement vieler weiterer Mitarbeiter des Institutes habe zum Erfolg des mp3-Formates beigetragen. Seit Einführung der innovativen Technologie, mit der eine ursprüngliche Audiodatei um das Zwölffache komprimiert werden kann, hat keine weitere Technologie die Branche so sehr auf den Kopf gestellt.

Verwundert dürfte der Verkäufer eines Erlanger Plattenladens vor einem knappen Vierteljahrhundert gewesen sein, als ein Student namens Brandenburg mit 1 000 DM eintrat und damit eine bunte Auswahl diverser Tonträger kaufte. Das Geld hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft dem Doktoranden damals für sein Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt – eine wie wir heute wissen hervorragende Investition.

Zunächst weniger investiert hat damals die deutsche Wirtschaft. "Als das Institut an deutsche Firmen herantrat, um die neue Technologie auf den Markt zu bringen, wurden wir nur müde belächelt bzw. nicht einmal ernst genommen", so Brandenburg. Ganz anders war es zehn Jahre später. Bei Präsentationen in aller Welt erregte das Team erhebliches Aufsehen. Zur damaligen Zeit war man in Europa und speziell in Deutschland im Video- und Audiobereich den Amerikanern weit voraus. "Alles in allem hatten wir das Glück, gesehen zu werden. Noch heute sind große Unternehmen – quer über den Erdball verteilt – einfach nicht beweglich und viel zu phantasielos, wenn junge Leute mit einer innovativen Idee an sie herantreten. Innovative Ideen brauchen Startkapital, aber das ist vor allem in Deutschland schwer zu bekommen". Sagt Brandenburg und fügt an, dass sich im Vergleich zu den 80er Jahren aber doch einiges zum Positiven verändert habe.

Trotz interessanter Angebote aus dem Ausland ist er seiner Heimat treu geblieben. Denn jedes Mal stand dem Ausland eine reizvollere Aufgabe in Deutschland gegenüber. Als Direktor des im Jahr 2000 gegründeten Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT mit Sitz in Ilmenau lebt der 54-jährige heute mit seiner Frau vornehmlich in Thüringen. Die Brandenburgs haben aber nach wie vor engen Kontakt nach Erlangen. Hier existiert noch ihre Wohnung, die regelmäßig immer dann bezogen wird, wenn man sich mit den Freunden aus der Region trifft. Er fühlt sich nach eigenen Worten vor allem als "Europäer und Weltbürger". Alle Zeit der Welt hat er selten, aber wenn doch einmal, dann hat er aus seiner Studienzeit eines mit in die Berufswelt "herübergerettet": Nach wie vor ist Karlheinz Brandenburg ein Elektronikbastler. Deshalb lässt er es sich nicht nehmen, seine Rechner selber zusammen zu schrauben.

Wichtiger aktueller Forschungsbereich ist für ihn die Wirkung der neuen Medien auf Kinder und junge Menschen. Darüber hinaus befassen sich seine Forschungsarbeiten am Fraunhofer IDMT damit, wie wir in Zukunft Musik hören und genießen werden. In Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Magix ist die Software "Mufin MusicFinder" entstanden, die eine automatische Generierung ähnlicher Musikstücke aus Tausenden ermöglicht – und das natürlich in Sekundenbruchteilen. So kann man in Zukunft aus einer Vielzahl von Musiktiteln eine Auswahl bekommen, die dem eigenen Lieblingssong sehr ähnlich ist.

Ein weiterer richtungsweisender Meilenstein ist Iosono. "Nach Mono und Stereo, die eigentlich nur einen Kompromiss auf dem Weg zur natürlichen Klangwiedergabe darstellen, wird Iosono der nächste große Schritt in Sachen Hören sein. Es ermöglicht, sich vollkommen in den Sound hineinzufühlen." Die Technologie schafft eine realistische, natürliche Klangwiedergabe und damit einen echten Raumklang. Bis sich Iosono allerdings etabliert und entsprechend verbreitet hat, wird es noch einige Jahre dauern. Wir sind gespannt und halten die Ohren offen.

Autor: 
Angela Ringlein
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 04|2008, Seite 41

 
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