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Elektronische Lotsen

Der Markt für Navigationssysteme erfreut sich einer konstant wachsenden Nachfrage. Kein Wunder, denn die Geräte bieten immer mehr Komfort und Sicherheit zu immer günstigeren Preisen. Von Roland M. Stehle

Nach Jahren steilen Wachstums wird der Absatz von elektronischen Begleitern für die mobile Navigation im Jahr 2008 erneut zulegen. Die Prognosen der Marktforscher gehen von über 4,5 Mio. verkauften Geräten aus – rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wird ein Umsatz von mehr als einer Mrd. Euro erzielt werden.

Dem Käufer steht eine eindrucksvolle Modellvielfalt zur Auswahl. Dabei bekommt der Kunde zu sinkenden Preisen (allein im letzten Jahr betrug der Rückgang 24 Prozent) immer mehr Technik: Die Top-Geräte zeigen die Route inzwischen anschaulich auf großen, hellen 16:9-Bildschirmen. 3D-Darstellungen, die Landschaften und Gebäude realitätsnah abbilden, tragen ebenfalls zur sicheren Orientierung bei. Auch Sehenswürdigkeiten, öffentliche Gebäude oder Restaurants erscheinen auf Wunsch auf der Bildfläche.

Das Ziel lässt sich auch per Spracherkennung eingeben. Man kann Google Earth verwenden oder geografische Koordinaten angeben. Darüber hinaus zeigen Fahrspurassistenten schon frühzeitig, wie man sich am besten einordnet, um stets im gleichmäßigen Verkehrsfluss zu bleiben. Andere Funktionen blenden Tempolimits ein. Wer mag, kann sich die Verkehrsschilder ins Display einblenden lassen, um den Überblick über Ver- und Gebote zu wahren. Auch den direkten Weg zum richtigen Parkplatz kann man sich weisen lassen. Ein neuer Informationsdienst kennt die Preise am Zielort, kann den günstigsten Parkplatz in Laufweite ermitteln und weiß, ob dort Stellplätze frei sind. Ein weiterer Dienst gibt Routenempfehlungen nach zu erwartendem Tempo aus. Dies hängt von allerlei Faktoren ab, z.B. von der Tageszeit, zu der man eine bestimmte Strecke nutzen will (Berufsverkehr stadtein- oder auswärts).

Und damit die elektronischen Lotsen ihre Schützlinge um Staus herum dirigieren können, haben sie Empfangsteile für den Verkehrsdatenfunk TMC ("Traffic Message Channel") an Bord. Auf diesem Weg erhalten sie aktuelle Verkehrsbeschreibungen und können Alternativrouten errechnen.

Selbst elektronische Fahrtenbücher gehören zur Ausstattung von Navigationsgeräten. Mit einem Handgriff legt der Fahrer fest, ob er dienstlich oder privat unterwegs ist. Den Rest erledigt die Elektronik in Zusammenarbeit mit passender Computer-Software – bis hin zum automatischen Einbau der protokollierten Daten in die Steuererklärung.

Damit nicht genug: Einige der digitalen Navigatoren funktionieren als Freisprecheinrichtung. Eingebauter Bluetooth-Funk hält dazu stets Kontakt zum Handy. Manche Navi-Modelle funktionieren sogar als musikalische Unterhalter: Ihre Datenspeicher sind groß genug, um neben dem digitalisierten Kartenmaterial auch gleich noch die MP3-Musiksammlung mit auf die Reise zu nehmen. Darüber hinaus gibt es Geräte, die auch das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T empfangen und wiedergeben.

Mobile Navigationsgeräte gibt es in vielen Bauformen. Besonders beliebt sind jene Varianten, die man mit einem Handgriff aus ihren Halterungen entfernen und in der Hosentasche mitnehmen kann. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Geräte dieser Art leisten auch außerhalb des Fahrzeugs willkommene Dienste – etwa auf einer Fahrradtour oder einer Wanderung. Nicht minder interessant sind mit Navigationssoftware gefütterte Taschencomputer oder Handys, die nebenbei auch noch Aufgaben wie die Termin- und die Adressenverwaltung erledigen, E-Mails abrufen oder Texte anzeigen.

Bei den fest im Auto installierten Navigationsgeräten reicht die Auswahl von kompakten, mit Autoradio-Funktionen kombinierten Modellen, die sich mühelos in den DIN-Einbauschacht des Armaturenbretts integrieren lassen, bis zu aufwändigen Lösungen mit separaten Bildschirmen und Datenlaufwerken. Hier geht der Trend zu mehr Komfort: Manche "Navis" speichern die digitalen Karten bereits auf eingebaute Festplatten. So können sie besonders schnell auf die Daten zugreifen und die Tour folglich in nur wenigen Sekunden berechnen.

Das Verhältnis von fest eingebauten Geräten zu den mobilen Varianten hat sich beim nachträglichen Kauf eindeutig hin zur mobilen Lösung geneigt. Für 2008 werden lediglich 50 000 Exemplare für den Festeinbau erwartet. Allerdings ist die Erstausrüstung bei neuen Fahrzeugen im vergangenen Jahr auf ca. 925 000 Stück angestiegen.

Externer Kontakt: Roland M. Stehle aus Nürnberg ist Pressesprecher der gfu Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Frankfurt (stehle@gfu.de).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2008, Seite 44

 
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