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Total digital

Nach massiven Umsatzeinbrüchen im Jahr 2005 sieht die Filmbranche wieder optimistisch in die Zukunft: Neue Technik und mehr Events rund um den Film sind die Erfolgsrezepte.

"Indiana Jones Vier" schickt sich an, die Erfolge seiner Vorgänger zu toppen. Doch vieles deutet darauf hin, dass dieser Film der letzte seiner Art sein wird. Wenn Regisseur Steven Spielberg demnächst die geplante "Tim und Struppi-Trilogie" angeht, die auf der französischen "Tintin"-Comic-Vorlage von 1929 basiert, wird sie in der neuen 3-D-Technik produziert.

"Die Zukunft des Kinos ist digital – und Nürnberg hat bundesweit die Nase vorn", prophezeit Stefan Grundler, im Nürnberger Funkhaus der Experte für Film- und Wirtschaftsthemen: "Titanic-Macher James Cameron, Steven Spielberg, alle großen Studios in Hollywood produzieren ausschließlich in 3-D, das nur in Kinosälen zur Geltung kommt, die mit digitaler Technik ausgestattet sind."

Wolfram Weber, Besitzer des größten deutschen Multiplexkinos Cinecittà, hat die Entwicklung vorausgeahnt. Die meisten seiner Kinosäle sind für etwa 100 000 Euro für die Zukunft umgerüstet. Benjamin Dauhrer, Assistent der Geschäftsleitung, und Marketing-Leiterin Marion Lehmann wollen jedoch nicht nur auf die Technologie alleine setzen. "Die neue Technik gibt uns die Möglichkeit, neue Events zu kreieren. Es reicht nicht mehr, den Leuten an der Kasse eine Tüte Popcorn in die Hand zu drücken und sie dann wieder heimzuschicken", analysiert Dauhrer. Die "Große Premierenparty" zu "Sex and the City" im Cinecittà war in wenigen Tagen mit über 1 000 Plätzen ausverkauft. Ein rauschendes Fest zur DVD-Premiere von Tokio Hotel, EM-Spiele live oder Asia-Filmtage zur Einstimmung auf den Asia-Night-Market sind weitere alternative Angebote, die einem Ziel dienen: "Neue Zielgruppen generieren." Ein Geschäftskonzept, das laut Marion Lehmann schon dazu führte, dass die Live-Oper "La Boheme" Kinobesucher in Abendgarderobe mit Pelzmantel über dem Arm und Popcorn in der Hand ins Cinecittà lockte.

Digitale Präzision bei dauerhafter Qualität der Kopien ermöglicht es, Konzerte wiederzugeben, die die beste Heimkinoanlage mit Dolby Surround leicht in den Schatten stellen. Der technische Wettlauf mit Großbildfernsehern ist vorerst gewonnen. Neue Investitionen sind möglich, weil die Zuschauer bereit sind, für die Extraqualität mehr zu bezahlen. Schließlich drückt digital zumindest für die Verleiher auch die Kosten: Während eine 35 Millimeter-Filmkopie knapp 1 000 Euro in der Herstellung und 300 Euro für die Entsorgung kostet, beläuft sich eine Festplatte mit Film-Software auf knapp 100 Euro, verliert auch nach dem zigfachen Abspielen nichts an Qualität und kann irgendwann einfach überspielt werden.

Autor: 
bg.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2008, Seite 31

 
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