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Gutes Milieu für Algen

Um Energie zu sparen, werden Gebäude mit dicken Dämmschichten versehen. Die Folge kann ein Bewuchs der Fassade mit Algen sein. Von Albrecht Mast

Wie kann man optische Beeinträchtigungen an Vollwärmedämmungen vermeiden? Dieser Frage widmen sich seit Langem Sachverständige sowie die Hersteller von Mörtel und Wärmedämmverbundsystemen.

Algen sind ein- oder mehrzellige pflanzliche Organismen. Sie benötigen für ihr Wachstum lediglich Wasser, Licht und Kohlendioxid aus der Luft. Sie können sich auf nahezu allen Untergründen ansiedeln, wo sie auch Trockenzeiten überleben können, um bei erneutem Wasserangebot wieder zu wachsen. Durch den Erfolg bei der Luftreinhaltung reduziert sich das Schwefeldioxid in der Außenluft, sodass sich die Algen stärker verbreiten und auch die gedämmten Fassaden besiedeln.

Durch die hohen Dämmschichten kann sich bei nächtlicher Abkühlung Tauwasser auf den Fassaden bilden. Die Trocknung erfolgt zumeist nur langsam, da aufgrund der guten Wärmedämmung nur noch geringfügig Wärme von innen an die Fassadenoberfläche gelangt. Schattige und kühl-feuchte Plätze werden von den Algen bevorzugt, sodass insbesondere Nordfassaden betroffen sind. Auch dicht an den Fassaden stehende Bäume begünstigen das Wachstum der Algen.

Ein Wachstum der Algen ist nicht zu verhindern. Zu beeinflussen sind allenfalls ihre Lebensbedingungen, indem ihnen die Feuchtigkeit entzogen wird. Mineralischer Putz trocknet schneller ab, Anstriche auf dem Putz behindern die Feuchtigkeitsaufnahme und algizide (algenabtötende) Anstriche wirken direkt. Bei  Wärmedämmverbundsystemen gehören algizide Farbbeschichtungen inzwischen zum technischen Standard. Sie enthalten jedoch Giftstoffe, die wasserlöslich sind, deshalb vom Regen ausgewaschen werden und die Umwelt belasten. Außerdem nimmt die algenabtötende Wirkung auf der Fassade mit der Zeit ab, sodass nach wenigen Jahren wohlmöglich ein erneuter Anstrich erforderlich wird.

Bereits geringe bauliche Maßnahmen können unterstützend gegen einen Algenbewuchs wirken. Durch weite Dachüberstände wird die Feuchtigkeitsbelastung der Fassade verringert, auch ein erhöhter Überstand von Außenfensterbänken wirkt in diese Richtung. Die Bewohner sollten darauf achten, ihre Fenster nicht andauernd in Kippstellung zu halten, weil sich hierdurch Feuchtigkeit aus den Räumen oberhalb der Fensteröffnung niederschlägt und dort für optimale Lebensbedingungen der Algen sorgt.

Was die rechtliche Seite angeht: Selbst wenn schon kurz nach der Baufertigstellung Algen auftreten, liegt in der Regel kein Baumangel vor, sondern es handelt sich vielmehr um einen natürlichen Vorgang. Zu diesem Schluss kam bereits 2005 ein Rechtsgutachten, das der Fachverband des Deutschen Stuckgewerbebundes beim Freiburger Institut für Baurecht in Auftrag gegeben hatte. Gewürdigt wurde in diesem Gutachten auch der Umstand, dass zwar Maßnahmen gegen Algenbefall im Normenwerk aufgeführt seien, diese jedoch als besondere Maßnahmen dem Charakter der anerkannten Regel der Technik widersprächen. Folglich ist Handwerks- und Baubetrieben in jedem Fall zu empfehlen, die Bauherren über das Thema Algenbefall aufzuklären.

Externer Kontakt: Dipl.-Ing. (FH) Albrecht Mast ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden sowie Bezirksvorsitzender und Vorstandsmitglied des „Landesverbandes Bayern der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen (LVS)“ (SV-Buero.Mast@t-online.de).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2008, Seite 40

 
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