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Verbraucherverhalten

Schokolade hellt die Stimmung auf

Noch sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vollständig beim Verbraucher angekommen. Durch die guten Lohnabschlüsse des vergangenen Jahres, die stark rückläufige Inflationsrate und die seit Herbst 2008 sinkenden Sprit- und Energiepreise bleibt den Konsumenten derzeit ein größeres Budget für andere Ausgaben des täglichen Lebens. Insgesamt werden die einzelnen Wirtschaftszweige und Verbrauchergruppen unterschiedlich stark von der Krise betroffen, so Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Vorstandsvorsitzender der GfK AG, bei einem Pressegespräch. Die GfK gehe von einem Konsumwachstum im Jahr 2009 von bis zu 0,5 Prozent aus.

Der Konsum ist Anfang des Jahres noch relativ stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau. Doch diese Entwicklung wird laut Rolf Bürkl, Senior Research Consultant der GfK Marktforschung, voraussichtlich nur in der ersten Hälfte des Jahres 2009 anhalten. Denn die sinkende Auftragslage bei den Unternehmen wird die Zahl der Arbeitslosen wieder ansteigen lassen. Bereits jetzt gibt es laut GfK 8,2 Mio. krisengefährdete Haushalte mit Arbeitslosen und Arbeitnehmern, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, und 12,9 Mio. Haushalte, die mit einer angespannten finanziellen Situation klarkommen müssen.

Das führt beim Konsumverhalten zu Ausweichstrategien wie beispielsweise sparsames Haushalten, Aufschub von größeren Anschaffungen oder Umsteigen von Markenprodukten auf billigere Handelsmarken. "Der Konsument spart da, wo es ihm am wenigsten weh tut", so Wolfgang Twardawa, Division Manager Strategic Marketing der GfK Panel Services Deutschland. Es wird weniger auswärts gegessen und der Urlaub im eigenen Land geplant. Soziologen sprechen vom sogenannten "Cocooning-Effekt": Der Verbraucher macht es sich in den eigenen vier Wänden so schön wie möglich und gönnt sich kleine Belohnungen für den allgemeinen Verzicht. Das sind dann meist die bezahlbaren Freuden in Form von Schokolade, Pralinen, Eis und Knabbergebäck. "Edeka statt Ibiza", kommentierte Twardawa prägnant. So wird die Lebensmittelbranche von dieser Krise profitieren und 2009 ein Wachstum von 1,5 Prozent verzeichnen können. Das kommt vor allem den Discountern und Billigmarken zugute, die sich bereits für neue Preisschlachten rüsten.

Es gibt in dieser Krise also nicht nur Verlierer. Auch deshalb, weil es auch weiterhin eine privilegierte Bevölkerungsschicht geben wird, die sich trotz Krise nicht einschränken muss. Für die einen dominieren künftig Qualität und Markenbewusstsein, während die anderen auf den Preis achten müssen.

Vermutlich wird die Krise laut GfK den Arbeitsmarkt erst 2010 vollständig erreicht haben und sich dann entscheidend auf das Konsumverhalten auswirken. Hier kommt der Wirtschaft und der Politik eine besondere Verantwortung zu, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, damit die Binnenkonjunktur den Rückgang der Exportzahlen zumindest ansatzweise ausgleichen kann. Wübbenhorst in seinem Fazit: "Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos."

Autor: 
sg.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2009, Seite 10

 
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