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Openstreetmap

Stadt, Land, Fluss jetzt lizenzfrei

Weltweit kartografieren Internet-Nutzer ihre Umgebung. Unternehmen können das Kartenwerk beispielsweise für Anfahrtsskizzen kostenfrei nützen.

Die Idee aus Großbritannien ist ebenso simpel, wie bestechend. Einige Briten waren mit dem verfügbaren Kartenmaterial unzufrieden und starteten kurzerhand ein eigenes freies Kartografierungsprojekt. Daraus entstand, nach dem Vorbild von Wikipedia, das globale Projekt OpenStreetMap (OSM). Erklärtes Ziel ist es, eine frei nutzbare Weltkarte zu erschaffen. Hierfür sind Internet-Nutzer weltweit aufgerufen, Daten über Straßen, Eisenbahnen, Flüsse, Wälder, Häuser sowie Rad- und Wanderwege und alles andere, was gemeinhin auf Karten zu sehen ist, in das Kartenprojekt einzubringen. Aktuell, so der bayerische Projektsprecher Torsten Steiner, gebe es 90 000 Nutzer.

Der bestechende Vorteil: Da alle Daten selbst erhoben und nicht aus existierenden Karten abgemalt werden, liegen alle Rechte bei OpenStreetMap. Die OpenStreetMap-Daten darf jeder lizenzkostenfrei einsetzen und beliebig weiterverarbeiten. Das heißt konkret: Wenn ein Unternehmen eine Anfahrtsskizze auf seine Homepage stellen oder in einen Flyer einbinden möchte, ist dies mit diesem Kartenmaterial kostenfrei möglich.

Die häufige Praxis, ein Kartenteil vom Straßenatlas einzuscannen oder einen Screenshop z.B. von Google Maps zu verwenden, ist immer kosten- bzw. lizenzpflichtig. Darauf weist zum Beispiel Google Maps explizit in den Nutzungsbedingungen für gewerbliche Zwecke hin. Betriebe sollten bei Anfahrtsskizzen oder Filial- und Standortverzeichnissen auf der Homepage zunächst immer erst die rechtliche Situation prüfen, mahnt die IT-Expertin Christiane Bierekoven, Rechtsanwältin der Nürnberger Kanzlei Rödl & Partner. In manchen Fällen reiche ein Hinweis auf die Quelle bzw. den Urheber. In anderen Fällen würden sich Unternehmen der Gefahr von Abmahnungen aussetzen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Kartenmaterial von OpenStreetMap nutzen und dieses auch an die individuellen betrieblichen Bedürfnisse anpassen. OSM stellt nicht nur fertige Kartenbilder zur Verfügung, sondern auch die hinterlegten Rohdaten. Alle Daten in der OpenStreetMap-Datenbank stehen unter der Lizenz "Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0" ("Namensnennung unter gleichen Bedingungen"). Diese Lizenz erlaubt auch jegliche gewerbliche Nutzung von OSM-Daten, solange die Datenquelle angegeben wird. Außerdem muss die eigene Bearbeitung der OSM-Daten für unternehmerischen Zwecke wiederum unter der CC-BY-SA-Lizenz stehen – und damit für andere ebenfalls gegen Quellenangabe lizenzfrei nutzbar sein. Denkbar ist auch, dass mit den OSM-Karten eine eigene Rad- oder Wanderkarte produziert und verkauft wird, solange auch beim Druckwerk die genannte Creative Commens eingehalten wird. D.h. auch in diesem Fall kann das Druckwerk beliebig kopiert oder weiterverarbeitet werden.

Auf Basis der OSM und anderen freien Geodaten wurde unter Mitwirkung des Geographischen Instituts der Uni Bonn ein Openrouteservice erstellt, der für ganz Europa Wegbeschreibungen für Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer bietet, so der oberste Uni-Kartograph Prof. Dr. Alexander Zipf.

Neben OpenStreetMap gibt es beispielsweise einen freien Stadtplan der Hamburger Innenstadt (http://map.M-Ve.de/), den jeder nutzen, ändern und weiterverbreiten darf. Der Informatiker Marcus Venzke hat die Hansestadt dafür per GPS vermessen und neben Straßen und Fußwegen auch Sehenswürdigkeiten, Museen, Theater und Kinos eingezeichnet. Venzke hofft, dass interessierte Nutzer eigene Versionen mit weiteren Informationen erstellen und veröffentlichen.

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2009, Seite 29

 
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